Stand: 31.07.2018 16:09 Uhr

Fahren mit Strom? Pro und Kontra

von Michael Latz, NDR 2

NDR Info und NDR 2 versuchen mit verschiedenen Beispielen für Klarheit in Sachen Nachhaltigkeit zu sorgen. Wie umweltfreundlich ist beispielsweise Fahren mit Strom? Dazu zwei Interviews - Pro und Kontra Elektromobilität.

PRO:

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Prof. Eckard Helmers spricht sich für Elektromobilität aus.
Helmers: Vorteile überwiegen

Prof. Eckard Helmers vom Umweltcampus Birkenfeld der Hochschule Trier sieht in jedem Elektroauto einen Fortschritt. Für den Umweltanalytiker überwiegen die Vorteile wie besserer Luft und weniger Umweltbelastung in den Städten.

Herr Prof. Helmers, ab wann ist ein E-Auto umweltfreundlich? Ab dem ersten Kilometer oder erst nach mehreren Zehntausend Kilometern?

Einerseits erst nach einer längeren Wegstrecke, weil man ein gewisses Invest hat, wenn man es mit dem Verbrennungsmotor-Fahrzeug vergleicht - ein Invest in Form der Batterie. Andererseits aber auch ab dem ersten Kilometer, weil man vor Ort keine Emissionen hat. Wenn wir über die Ökobilanz sprechen, dann meinen wir im Allgemeinen ja immer nur den CO2-Fußabdruck. Wir können aber auch über die eingesparten Schadstoff-Emissionen vor Ort sprechen und da hat man natürlich ab dem ersten Kilometer den Vorteil. Wir sparen auch Lärm ein.

Nun wird das Elektroauto aber ja eben gerne auf die CO2-Bilanz reduziert. Wenn uns die Anschauen - zu welchem Schluss kommen Sie da?

Das ist eigentlich nicht der richtige Weg. CO2 ist vielleicht das wichtigste Umweltproblem, aber wir sehen ja an der Diskussion der letzten drei Jahre - solange läuft ja schon der Diesel-Emissions- Skandal - dass es immer noch das Problem gibt, dass wir zu viele toxische Schadstoffe wie Stickoxide oder Feinstaub besonders in der städtischen Umwelt haben. Und da leistet jedes Elektroauto sofort einen wichtigen Beitrag.

Heißt das, die Diskussion wird falsch geführt?

Die Diskussion wird ein bisschen falsch gefühlr, weil der Eindruck erweckt wird, dass man alle Problem vom ersten Tag an lösen könnte. Das kann man nicht. Man hat einfach ein technisch sehr komplexes Produkt, dass die Probleme der Emissionen vor Ort sofort löst, aber die CO2-Emissionen erst nach einer gewissen Wegstrecke, weil man dafür eine Batterie produzieren muss.

Braucht es nicht auch eine andere Form von Mobilität?

Das Elektroauto löst nicht alle Mobilitätsprobleme. Und natürlich, um die Emissionsziele im Mobilitätsbereich zu erreichen - nämlich minus 60 Prozent CO2 in 2050 - da reicht es nicht allein zu elektrifizieren. Da muss man auch Verkehr vermeiden und verlagern. Das ist vollkommen klar. Nur: Wir kommen nicht einmal in die Nähe, wenn wir nicht sobald wie möglich elektrifizieren. Das sind die beiden Seiten dieser Medaille.

KONTRA:

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Für Dieter Teufel ist die Zeit für Elektroautos noch nicht gekommen.
Teufel: Ökobilanz nicht so gut wie vermutet

Dieter Teufel vom Umwelt- und Prognose-Institut in Heidelberg (UPI) hat eine Ökobilanz für E-Autos erstellt. Er ist überzeugt davon, dass es noch zu früh ist, um Verbrennungsmotoren im großen Stil durch Strom zu ersetzen.

Herr Teufel, würden Sie ein Elektroauto kaufen - der Umwelt zuliebe?

Ja, schön wäre es, wenn das eine Option wäre. Aber das Ergebnis unserer Umweltbilanz war, dass Elektroautos heute und auch in den nächsten 15 bis 20 Jahren von der CO2-Bilanz leider nicht besser sind als normale Benziner oder Diesel. Wir haben in der Ökobilanz sowohl die Herstellung des Fahrzeuges, die Herstellung der Batterien und die Herstellung des Stroms eingerechnet. Und da ergab sich, dass unter dem Strich pro gefahrenem Kilometer ungefähr so viel CO2 freigesetzt wird, wie bei normalen PKW. Das liegt daran, dass zwar in den letzten Jahren die regenerative Stromerzeugung sehr gut zugenommen hat - als Windenergie und Solarenergie. Dass sie aber im Wesentlich nur den Rückgang der Kernenergie ausgeglichen hat.

Aber Besitzer von Elektroautos könnten doch ihre Fahrzeuge ausschließlich mit grünem Strom, Strom aus erneuerbaren Energiequellen, laden. Spielt das keine Rolle? Viele Versorger garantieren das ja...

Ja, juristisch. Physikalisch geht das leider nicht. Länder, die viel Wasserkraftstrom haben wie Norwegen, können CO2-Zertifikate verkaufen, die sie nicht brauchen. Und deutsche Stadtwerke können die relativ preiswert aufkaufen und damit ihren Strom juristisch als Ökostrom deklarieren. Was aus der Steckdose kommt, wenn ich einen solchen Tarif habe, ist aber der ganz normale Strommix, der zu diesem Zeitpunkt im deutschen Stromnetz verteilt wird.

Der Strommix ist das eine Problem - ein anderes sind Batterien, die oft im Ausland hergestellt werden. Wie wirken die sich auf die Umweltbilanz eines Elektroautos aus?

Wenn man in der Gesamtbilanz ausrechnet, wie viel CO2 wir für die Herstellung des Fahrzeugs und damit auch für die Herstellung der Batterien freigesetzt wird, ist das Ergebnis, dass der CO2-Rucksack ungefähr doppelt so groß ist wie bei Benzinern und Dieseln.

Nun bleibt bei Verbraucher aber womöglich trotzdem hängen: Ich fahre mit Strom, habe keinen Auspuff, da kommt nichts hinten raus. Was bedeutet das für das Fahrverhalten?

Man hat herausgefunden, dass die, die ein Elektroauto fahren, mit diesem mehr fahren als andere, und vor allem auch mehr fahren als sie früher gefahren sind. In Norwegen sind die Menschen nachdem sie das Elektroauto gekauft haben, deutlich weniger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren als vorher. Mehr mit dem E-Auto fahren heißt dann aber auch mehr CO2 und mehr Unfallrisiko.

Ein Spielzeugauto mit offenem Verdeck steht vor einem Stecker. © Imago/ Rainer Unkel Foto: Rainer Unkel

Nachfrage nach Elektroautos immer noch gering

NDR Info - Wirtschaft -

Trotz Kaufprämie läuft der Absatz von Elektroautos in Deutschland nur schleppend. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum so viele Verbraucher immer noch mit einem Kauf zögern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.08.2018 | 07:20 Uhr

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