Stand: 10.10.2017 14:48 Uhr  | Archiv

Chronisches Fatigue-Syndrom behandeln

Rund 250.000 Menschen in Deutschland leiden am sogenannten chronischen Fatigue-Syndrom (CFS), auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt. Die Ursachen für die anhaltende Erschöpfung sind noch nicht bekannt. Von seelischen Belastungen bis hin zu einer Immunstörung ziehen Experten vieles in Betracht.

Symptome des Fatigue-Syndroms

Bei Betroffenen kommt es typischerweise nach einem Infekt, zum Beispiel nach Pfeifferschem Drüsenfieber, zu einer bleibenden schweren Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen. Trotz chronischer Müdigkeit können Betroffene unter Schlafstörungen leiden. Weitere Symptome sind Gelenk-, Muskel- oder Kopfschmerzen, Darmbeschwerden, schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, ein Gefühl wie bei einer Grippe und diffuser Schwindel. Bereits leichte Anstrengungen können zu einer tagelangen Verstärkung der Beschwerden führen. Pausen bewirken keine Erholung. Die Beschwerden können monatelang andauern und zur Berufsunfähigkeit führen.

Diagnose des CFS schwierig

Die Diagnose CFS ist nicht einfach zu stellen. Hinter den Symptomen können auch andere Erkrankungen stecken, zum Beispiel Multiple Sklerose, eine chronische Infektion wie Hepatitis, Krebs oder Depression. Oftmals wird zunächst fälschlicherweise ein Burnout-Syndrom diagnostiziert. Bislang gibt es auch keine Blutwerte oder andere Laborbefunde, die zweifelsfrei auf CFS hindeuten. Typisch sind lediglich der plötzliche Beginn nach einem Infekt, die Zunahme der Symptome schon nach leichter Anstrengung und das Andauern über mindestens sechs Monate.

CFS-Auslöser unbekannt

Experten gehen davon aus, dass es sich beim CFS um eine Autoimmunkrankheit handeln könnte, die als Folge einer Infektion auftritt. Neueste Untersuchungen weisen außerdem auf schwere Störungen im Energiestoffwechsel hin. Dieser läuft nur noch auf Sparflamme, ähnlich wie bei Tieren im Winterschlaf. Einiges spricht dafür, dass Antikörper die Veränderungen auslösen. Häufig besteht außerdem ein Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen). Auch bestimmte Entzündungsstoffe sollen eine Rolle spielen.

Fatigue-Syndrom behandeln

Eine gezielte Therapie gibt es bislang nicht. In norwegischen Studien führte das Krebs- und Rheumamedikament Rituximab zu einer deutlichen Besserung der Symptome bei etwa der Hälfte der Teilnehmer. Allerdings nahmen die Beschwerden bei einigen Patienten zunächst zu. Für die Behandlung von CFS ist Rituximab nicht zugelassen. Außerdem werden im Rahmen von Studien Immunglobuline, Immunadsorption und das Krebsmedikament Endoxan getestet.

Behandelt werden Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen und Mangel an Vitamin D, Eisen, Vitamin B1, B6, B12, Zink und Aminosäuren. Bei einigen Betroffenen helfen kleinen Studien zufolge hochdosiertes Magnesium und Nahrungsergänzungsmittel mit Coenzymen oder Ribose.

Werden die Beschwerden zu stark, können sich Betroffene in einer Kältekammer bei minus 160 Grad Linderung verschaffen. Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga sind oft hilfreich. Sport ist nicht zu empfehlen, weil die Beschwerden dadurch meist zunehmen. Auch wenn es sich oft um eine chronische Erkrankung handelt, werden einige Betroffene wieder vollständig gesund.

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Visite | 10.10.2017 | 20:15 Uhr

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