Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie
Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie
Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie
AUDIO: Schleswig-Holstein fördert Balkonkraftwerke (1 Min)

Balkonkraftwerk: Betrieb jetzt einfacher und günstiger

Stand: 16.01.2023 09:47 Uhr

Mit Solarpanels am Balkon können auch Mieter eigenen Strom erzeugen. In Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern gibt es jetzt Zuschüsse. Der Betrieb der Mini-Solaranlagen könnte zudem bald einfacher werden.

Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern gehören vielerorts zum Landschaftsbild. Sie machen ihre Eigentümer ein Stück weit unabhängig von hohen Energiepreisen. Für Mieter und Wohnungsbesitzer war es dagegen bislang schwierig, selbst Solarstrom zu produzieren. Zwar sind sogenannte Balkonkraftwerke - im Handel auch als Mini-PV, Plug-in PV oder Stecker-Solargerät bezeichnet - schon seit Längerem im Handel erhältlich. Die bürokratischen Hürden, um die Geräte in Betrieb zu nehmen, waren aber bislang relativ hoch. Doch nun setzt sich der Branchenverband VDE (Verband für Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) nach längerem Zögern für einfachere Regeln ein. Zugleich gibt es jetzt in mehreren Bundesländern Zuschüsse für den Kauf.

Balkonkraftwerk: Mobil und einfach zu installieren

Zwei Bewohner installieren ein Balkonkraftwerk. © NDR Foto: Nicole Bath
Stecker-Solargeräte können bei einem Umzug abgebaut und mitgenommen werden.

Stecker-Solargeräte lassen sich auf Balkonen oder Terrassen montieren oder ohne feste Installation aufstellen. Den erzeugte Strom kann man direkt im Haushalt nutzen und so die eigene Stromrechnung senken. Von Photovoltaikanlagen auf Dächern unterscheiden sich die Geräte in mehrfacher Hinsicht: Sie sind deutlich kleiner und so konzipiert, dass auch Laien sie installieren können. Denn technisch gesehen handelt es sich bei den Balkon-Kraftwerken um elektrische Haushaltsgeräte und nicht um Anlagen.

Bei einem Umzug lassen sich die Solargeräte ohne großen Aufwand wieder abbauen und mitnehmen. Im Gegensatz zur Photovoltaikanlage für Hausdächer sind sie nur für den eigenen Verbrauch gedacht und nicht dazu, Strom ins Netz einzuspeisen.

Wie funktionieren die Balkonkraftwerke?

Die im Handel erhältlichen Geräte bestehen meist aus einem oder wenigen Solarmodulen und einem sogenannten Wechselrichter. Je nach Anbieter sind bereits Bauteile zur Anbringung mitgeliefert oder müssen separat bestellt werden. Nach der Montage oder Aufstellung an einem geeigneten Standort schließt man das Solarmodul an den Wechselrichter an. Dieser wandelt den Gleichstrom, den das Modul aus dem Sonnenlicht produziert, in Wechselstrom um.

Über ein Kabel lässt sich die Anlage mit einer Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon verbinden. Geräte, die an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen sind, etwa Waschmaschine, Computer und alle Geräte, die auf Standby-Modus stehen, nutzen nun vorrangig den eingespeisten Solarstrom.

Was kosten die Geräte und wie viel Strom produzieren sie?

Zwei Solarpanels hängen an einem Balkon. © panthermedia Foto: Serdynska
Seit Januar 2023 entfällt beim Kauf eines Balkonkraftwerks die Mehrwertsteuer von bislang 19 Prozent.

Günstige Komplettpakte bekommt man ab etwa 500 Euro, teurere Modelle können bis zu 1.200 Euro kosten. Experten gehen davon aus, dass ein Haushalt mit ihnen circa 10 bis 20 Prozent seines Stroms selbst produzieren kann. Der Stromzähler läuft dann einfach langsamer. Wie viel Strom erzeugt wird, hängt allerdings von der Ausrichtung der Anlage sowie von den jährlichen Sonnenstunden in der Region ab.

Je nach Ertrag dauert es im Schnitt etwa drei bis sieben Jahre, bis sich die Anschaffung bezahlt macht. Ein Beispiel: Ein typisches Stecker-Solar-Modul ist 1,00 Meter mal 1,70 Meter groß und hat eine Leistung von circa 300 Watt. Ist es nach Süden hin ausgerichtet, liefert es etwa 200 bis 300 Kilowattstunden Strom pro Jahr, zwei Module liefern dementsprechend die doppelte Menge Strom.

Förderung in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Einige Bundesländer bezuschussen die Anschaffung von Balkonkraftwerken. In Schleswig-Holstein gibt es bereits seit 2020 ein Förderprogramm, das nun neu aufgelegt wurde. Es sieht einen Zuschuss von bis zu 200 Euro für Stecker-Solargeräte vor. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es sogar bis zu 500 Euro Zuschuss. Seit Januar 2023 fällt zudem auf die Mini-PV-Anlagen - wie auch auf größere Photovoltaik-Anlagen - keine Mehrwertsteuer mehr an.

Schuko-Steckdose wohl künftig ausreichend

Lange beharrte der VDE darauf, dass Stecker-Solargeräte statt an herkömmliche Schuko-Steckdosen nur an spezielle Einspeise-Steckdosen ("Wieland-Steckdose") angeschlossen werden sollten, die ein Elektriker installieren muss. Jetzt hat der Verband eine Kehrtwende gemacht. Er schlägt vor, dass künftig bis zu einer Grenze von 800 Watt auch das Einspeisen über eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose erlaubt sein soll. Damit folgt der VDE einer Forderung der Bundesnetzagentur.

Wie sicher sind die Geräte?

Eine Mini-Solaranlage an einem Balkon. © NDR Foto: Irene Altenmüller
Vor einer Montage der Solarmodule müssen Vermieter und Eigentümergemeinschaft zustimmen.

Sofern die mitgelieferten Wechselrichter entsprechend zertifiziert sind, gelten für sie die Anforderungen, die auch für normale Photovoltaikanlagen gelten und sind damit sicher. Noch existiert für Stecker-Solargeräte lediglich ein Entwurf für eine Produktnorm (VDE V 0126-95), sie wird derzeit noch entwickelt. Verbraucher können sich aber an dem Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) orientieren, die schon vor Längerem einen Sicherheitsstandard festgelegt hat.

Wichtig: An eine Steckdose sollte man immer nur ein einziges Stecker-Solargerät beziehungsweise einen Wechselrichter anschließen. Die Kopplung mehrerer Geräte über eine Mehrfachsteckdose wäre gefährlich.

Vermieter oder Eigentümergemeinschaft muss zustimmen

Vor der Installation bedarf es der Zustimmung des Vermieters für das Anbringen der Module an Balkonbrüstung oder Hauswand. Bei einer Eigentümergemeinschaft (WEG) ist eine mehrheitliche Zustimmung ausreichend. Die Geräte müssen sturmfest montiert sein. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann es darüber hinaus weitere Vorgaben geben.

Vorschrift: Bundesnetzagentur und Netzbetreiber informieren

Ein Stromzähler
Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen, sonst muss umgerüstet werden.

Nach der Montage muss man dem Netzbetreiber die Inbetriebnahme des Stecker-Solargeräts mitteilen. Bei Geräten mit einer Leistung bis 600 Watt dürfen das auch Laien machen. Erst bei einer Leistung über 600 Watt muss bislang noch ein Elektriker herangezogen werden. Viele Stromversorger stellen für die Mitteilung bereits Formulare auf ihren Websites bereit, zudem hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie einen Musterbrief erstellt. Außerdem muss die Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Nach dem Willen des VDE soll auch die Anmeldung künftig einfacher werden: Der Verband schlägt vor, dass die Geräte bis zu einer Grenze von 800 Watt Leistung künftig nur noch bei der Bundesnetzagentur an- und abzumelden sind.

Stromzähler: Künftig kein Austausch mehr nötig?

Derzeit gilt: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. In der Regel kommt es dazu nicht, da die eingespeiste Strommenge von Stecker-Solargeräten zu gering ist. Wer nur einen Einrichgunszähler hat, muss einen Stromzähler mit Rücklaufsperre oder auch einen Zweirichtungszähler installieren lassen. Die Umrüstung erfolgt in der Regel über die Netzbetreiber. Doch auch hier könnte sich bald etwas ändern: In seinem Positionspapier fordert der VDE, dass die Mini-PV-Anlagen bis zu einer Grenze von 800 Watt Gesamtleistung künftig mit jedem Zählertypen verwendet werden dürfen. Das würde bedeuten, dass die Zähler im Ausnahmefall auch rückwärts laufen dürften.

Keine Steuern auf eigenen Verbrauch

Seit 2023 sind die Erträge von Solaranlagen steuerfrei. Da Steckersolargeräte aber stets nur für den Eigenverbrauch gedacht waren und keine Vergütung erfolgte, waren für sie schon vorher keine Steuern fällig.

Antworten auf weitere wichtige Fragen rund um den Betrieb von Steckersolargeräten gibt die Verbraucherzentrale sowie eine Website des Vereins Energiewende ERH.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.01.2023 | 08:00 Uhr

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