Stand: 28.11.2017 15:26 Uhr

Angst vor Erkältung: Wie beraten Apotheken?

von Matthias Adelmund
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Markt hat getestet, wie Apotheken in Sachen Erkältungsangst beraten.

Viele Menschen fürchten derzeit eine Erkältung und wünschen sich starke Abwehrkräfte. Doch wer damit in die Apotheke geht, wird oft schlecht beraten und erhält überflüssige Medikamente. Das ergab eine Stichprobe des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins Markt im NDR Fernsehen. Das erschreckende Ergebnis: Fast alle getesteten Apotheken machten ein gutes Geschäft - ohne Rücksicht auf den Patienten. Mediziner und Pharmakologen sind entsetzt.

Apothekenschild.

Angst vor Erkältung: Wie beraten Apotheken?

Markt -

Herbstzeit ist Erkältungszeit - und mit Kälte und Regen kommen auch die Viren. Markt hat getestet, wie Apotheken in Sachen Erkältungsabwehr beraten - mit erschreckendem Ergebnis.

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Neun von zehn Apotheken empfahlen Präparate zum Erkältungsschutz

Markt testete mit der immer gleichen Fragestellung die Beratung in zehn Apotheken: "Ich bin gesund, möchte mich aber in der Erkältungszeit vor einer Ansteckung schützen." Das Ergebnis: Neun Apotheken empfahlen Präparate zum Schutz vor einer Erkältung und zur Stärkung des Immunsystems. Der Allgemeinmediziner Dr. Martin Scherer von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf rät allerdings von solchen Mitteln zur Prophylaxe ab. "Bei einer Erkältung habe ich es mit einer Vielzahl von Viren zu tun. Hier das Immunsystem unspezifisch stimulieren zu wollen, ist nicht sinnvoll. Wenn es mir gut geht, dann gibt es da nicht mehr viel zu optimieren. Die Produkte, die es hier gibt, führen zu einer unspezifischen Aktivierung des Immunsystems - für sie gibt es keinerlei belastbare Wirksamkeitsbelege."

"Wirksamkeit ist zweifelhaft"

Bei den Testkäufen wurden pro Apotheke zwischen 6,75 und knapp 50 Euro fällig - Geld, das man sich auch aus Pharmakologen-Sicht sparen kann. "Es ist ein Verkaufen von Produkten, die mit dem Immunsystem wenig zu tun haben, und insofern ist es in den meisten Fällen Geschäftemacherei, kritisiert der Pharmakologe Gerd Glaeske das Vorgehen der Apotheken. Er gibt zu bedenken, dass nichts davon als Schutz vor einer Erkältung taugen würde: "Die Präparate sind teuer, aber in der Wirksamkeit ausgesprochen zweifelhaft." Insbesondere Nahrungsergänzungsmittel seien nur für Personen vorgesehen, die krankheitsbedingt oder durch eine lang andauernde Fehlernährung an bestimmten Mangelerscheinungen litten. In jedem Fall müsse dieses aber mit einem Arzt besprochen werden.

Präparate können sogar gefährlich werden

In sieben von zehn Apotheken wurden auch Nahrungsergänzungsmittel für Kinder, überwiegend Zink, verkauft. Das ist nicht nur überflüssig, sondern kann auch gefährlich werden. "Gerade in der Wachstumsphase ist von einer unspezifischen Stimulierung des Immunsystems abzuraten, gerade auch, weil Überreaktionen induziert werden können, und deshalb würde ich dazu raten, generell damit vorsichtig zu sein", warnt Dr. Martin Scherer vom UKE.

Apotheken haben Beratungspflicht

Apotheker sind gesetzlich verpflichtet zu beraten. Seit dem 1. Juni 2012 ist eine ausführliche Kundenberatung sogar laut Apothekenbetriebsordnung Pflicht. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) schreibt auf Anfrage von Markt: "Die Berufsorganisationen der Apotheker haben ein hohes Interesse daran, dass in den Apotheken vor Ort gut beraten und die Beratungsqualität kontinuierlich gesteigert wird. Aber bei rund 20.000 Apotheken mit 150.000 Mitarbeitern und etwa 3,6 Millionen Patientenkontakten täglich können wir natürlich nicht garantieren, dass jeder einzelne Beratungsfall zur vollsten Zufriedenheit verläuft."

Tipps zur Vorbeugung einer Erkältung

In der Stichprobe von Markt hat nur eine Apotheke gar nichts verkauft, sondern die normalen Regeln zur gesunden Lebensweise empfohlen: ausgewogene Ernährung, frische Luft und Bewegung. Erkältungsviren gelangen vor allem in unseren Körper, wenn wir uns mit den Händen ins Gesicht fassen. Und das macht ein Mensch unbewusst häufiger, als man annehmen sollte. Deshalb gilt:

  • Öfter die Hände waschen – nicht nur nach der Toilette.
  • Verzichten Sie bei der Begrüßung und bei der Verabschiedung auf den Händedruck.
  • Meiden Sie den Kontakt zu kranken Menschen und zu größeren Menschenansammlungen.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund.
  • Bewegung, frische Luft und Stressvermeidung sind weitere wichtige Punkte in der Erkältungsprophylaxe.

 

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 27.11.2017 | 20:15 Uhr

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