Stand: 30.10.2018 09:20 Uhr  | Archiv

Aktivkohle in Lebensmitteln lieber vermeiden

Burger mit schwarzen Brötchen © imago/Westend61
Originell, aber nicht gesund: schwarze Lebensmittel mit Aktivkohle.

Die Farbe Schwarz steht bei Lebensmitteln in aller Regel für nichts Gutes: überreife Bananen, verbrannter Toast oder verdorbene Kartoffeln. Doch gerade vor Halloween finden sich auch zahlreiche schwarz gefärbte Lebensmittel in den Regalen, von Smoothies bis Burgerbrötchen. Für die schwarze Färbung sorgt häufig Aktivkohle, ein Stoff, der als natürlich beworben wird und gesundheitsfördernd sein soll. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt rät allerdings davon ab, Aktivkohle-Produkte zu essen.

Kohlenstoff mit riesiger Oberfläche

Chemisch gesehen handelt es sich bei Aktivkohle um Kohlenstoff, der entsteht, wenn pflanzliche Stoffe wie Kokosnussschalen oder Lindenholz bei 500 bis 900 Grad getrocknet und verkohlt werden. Dabei werden die Materialien porös und die Oberfläche vergrößert sich extrem. Ein Gramm Aktivkohle kommt auf eine Fläche von rund 1.300 Quadratmetern. Gleichzeitig hat Kohlenstoff die Eigenschaft, andere Stoffe an sich zu binden und sich in Flüssigkeit nicht aufzulösen.

Bekannt als Filtermaterial

Damit wird Aktivkohle zu einem wichtigen Bestandteil von Wasser- oder Luftfiltern, etwa in Autos, Klima- oder Kläranlagen. Mediziner setzen Aktivkohle bei Magen-Darm-Problemen ein oder wenn Giftstoffe gegessen oder verschluckt wurden. Die Werbung propagiert sie daher als "Reinigungsmittel" für den Körper. Aber: "Es werden nicht nur Giftstoffe gebunden, sondern auch andere wichtige im Lebensmittel vorhandene Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe", so Tabea Dorendorf, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale. Auch die Wirkstoffe von Medikamenten können beeinflusst werden.

Pflanzenkohle = Farbstoff E153

Schwarze Johannisbeeren in einer Schüssel © imago/Westend61
Schwarze Johannisbeeren gehören zu den natürlichen, gesunden schwarzen Lebensmitteln.

Die Lebensmittelindustrie verwendet Aktivkohle, die auch Pflanzenkohle genannt wird, als Farbstoff mit dem Kürzel E153 beispielsweise in Süßwaren oder Käsehüllen. Eine Mengenbeschränkung gibt es dabei nicht. In schwarz gefärbten Lebensmitteln scheinen auf den ersten Blick geringe Mengen Aktivkohle zu stecken. Doch bereits ein Anteil von 0,4 Prozent in einem 250-Milliliter-Smoothie entspricht etwa einem Gramm Aktivkohle. "Das bedeutet, dass ein einziger Smoothie etwa die Arzneimitteldosis von drei bis vier Aktivkohle-Tabletten enthält", erläutert Dorendorf.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Frühaufsteher | 11.08.2017 | 07:40 Uhr

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