Stand: 08.02.2018 15:30 Uhr

Schnittblumen im Winter kaufen

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Rund 1,5 Milliarden Rosen werden pro Jahr in Deutschland verkauft.

Ob zum Valentinstag oder zum Geburtstag: Rund ums Jahr können wir frische Schnittblumen kaufen. Besonders die beliebten Rosen sind stets in großer Auswahl im Angebot. Gerade im Winter haben die Pflanzen aber eine lange Reise hinter sich. Wo genau sie angebaut wurden, lässt sich für Käufer kaum nachvollziehen, denn eine Pflicht zur Deklaration gibt es in Deutschland nicht. In der Bundesrepublik pflanzen rund 1.900 Unternehmen Schnittblumen an, die meisten davon in Baden-Württemberg, viele nur im Freiland. Den Bedarf können sie längst nicht decken. Daher werden rund 80 Prozent der Blumen importiert.

Tulpen am Hamburger Großmarkt. © NDR

Wie nachhaltig sind Schnittblumen?

NDR Info - Wirtschaft -

Wer auch beim Blumenkauf auf Nachhaltigkeit und fairen Handel Wert legt, kann es unter Umständen schwer haben. Denn Gütesiegel zur Orientierung sucht man meist vergebens.

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Viele Rosen stammen aus Afrika

Etwa 70 Prozent der Rosen, die nach Deutschland eingeführt werden, kommen aus den Niederlanden. Das heißt aber nicht, dass sie dort angebaut, sondern nur, dass sie dort gehandelt wurden. Auf dem zweiten Platz der Herkunftsländer steht das ostafrikanische Kenia. Insgesamt werden pro Jahr rund 1,5 Milliarden Rosen importiert, deutsche Kunden bezahlen dafür im Schnitt etwa einen Euro pro Stück. Solche Preise sind nur möglich, wenn die Pflanzen unter günstigen klimatischen Bedingungen in großen Mengen angebaut werden. So stammen fast 40 Prozent der in der EU verkauften Rosen aus Kenia.

Rückstände von Insektiziden - auch bei Fairtrade-Blumen

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Faire Rosen aus Kenia

Eine Reportage von Deutschlandfunk Kultur. extern

Die wichtigsten Export-Länder für Blumen sind neben Kenia und seinen Nachbarländern die südamerikanischen Staaten Ecuador und Kolumbien. Immer wieder geraten Züchter in Übersee wegen der Arbeitsbedingungen und dem intensiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in die Kritik. Im Unterschied zu Obst und Gemüse gelten für Blumen keine Grenzwerte für Rückstände solcher Chemikalien - auch nicht in Deutschland. Die Zeitschrift "Öko-Test" hat 2017 Rosensträuße untersuchen lassen. In den 14 Sträußen fanden sich insgesamt mehr als 50 verschiedene Stoffe wie Fungizide und Insektizide. Kein Gebinde war völlig frei davon - auch nicht die geprüften Fairtrade-Blumen. Fairtrade bestätigte, dass auf den großen Farmen ein Anbau ohne Pflanzenschutzmittel nicht möglich ist. Allerdings sei bei Fairtrade-Rosen der Einsatz besonders gefährlicher Stoffe verboten.

Insektenvernichter auch belastend für die Arbeiter

Problematisch sind nicht nur die Rückstände auf den Blumen, sondern häufig auch die Bedingungen für Arbeiter, die solche Mittel versprühen. Allerdings bietet die Branche in den Ländern Zehntausende Arbeitsplätze und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Umweltorganisation Greenpeace bemängelt, dass auch in deutschen Gärtnereien vielfach Pestizide als Pilz- und Insektenvernichter eingesetzt würden.

Label können Orientierung bieten

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Das "Fairtrade"-Label steht nicht für Öko-Pflanzen, sondern für faire Anbau-Bedingungen.

Wer beim Blumenkauf auch die Umwelt im Blick behalten möchte, kann Label berücksichtigen, die für gute Sozial- und Umweltstandards in der Produktion stehen. Neben Fairtrade gilt das auch für "Fair Flowers Fair Plants" (FFP) aus den Niederlanden, das allerdings in Deutschland wenig verbreitet ist. Bei beiden liegt der Schwerpunkt der Kriterien allerdings auf den sozialen Bedingungen wie einem fairen Lohn für die Arbeiter, gewerkschaftlichen Aktivitäten und dem Verbot von Kinderarbeit.

Empfehlenswert: Saisonale Blumen und Topfpflanzen

Die größte Chance, umweltverträglich gewachsene Blumen in die Vase zu bekommen, haben Verbraucher, wenn sie im Sommer Pflanzen von heimischen Bio-Betrieben kaufen. Auswahl und zeitliche Verfügbarkeit sind allerdings eingeschränkt. Im Winter können blühende Zimmerpflanzen wie Amaryllis, Weihnachtssterne oder Alpenveilchen eine Alternative sein. Bereits um den Jahreswechsel kommen Frühjahrsblüher wie Tulpen und Narzissen auf den Markt, die überwiegend aus Gewächshäusern in den Niederlanden stammen.

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Dieses Thema im Programm:

Lust auf Norden | 09.02.2018 | 18:15 Uhr

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