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Fastenzeit ab Aschermittwoch: Veränderung durch Verzicht?

Stand: 01.03.2022 17:59 Uhr

Alkohol, Fleisch, Internet: Fasten und Verzicht sind vielfältig - und nicht nur in der Zeit nach Aschermittwoch im Trend. Im Westen geht die Tradition des Fastens auf die christliche Kirche zurück.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Menschen mehr oder weniger stark zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Sie erleben Verzicht als verordnete Begrenzung. Der freiwillige und bewusste Verzicht dagegen wird seit Jahrhunderten in Form des Fastens praktiziert und von vielen als Bereicherung ihres Lebens empfunden. Laut Bibel hat sich schon Jesus nach seiner Taufe in die Wüste zurückgezogen, ohne zu essen und zu trinken. In diesem Jahr dauert die Fastenzeit vom 2. März bis 16. April.

Verzicht auf Essen als christliche Tradition

Für Gläubige beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet am Ostersonnabend, also nach 46 Tagen. Allerdings werden die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen. So bleiben 40 Fastentage. Schon seit dem Jahr 400 sollen sich Christen mit Verzicht auf das Osterfest vorbereitet haben. Traditionell verzichteten sie auf Essen. So war nur eine Mahlzeit am Tag erlaubt und der Verzehr von Fleisch oder anderen tierischen Produkten wie Eier, Milch, Butter und Käse sowie Alkohol verboten. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die strengen Regeln gelockert und nur noch auf Fleisch verzichtet. Als Fastenspeisen kamen Fisch, Mehlspeisen und Vegetarisches auf den Tisch.

Christen verzichten für ein bewussteres Leben

Heute sieht die katholische Kirche die Fastenzeit weniger streng. Das Bistum Osnabrück etwa hält bereits den Verzicht auf Süßigkeiten oder Fernsehen für einen angemessenen Weg. Traditionell sollen Katholiken in der Fastenzeit an Aschermittwoch sowie an allen Freitagen kein Fleisch essen. An Aschermittwoch und Karfreitag ist nur eine Hauptmahlzeit erlaubt. Wichtig sei ein spürbarer Verzicht, der bewusst erlebt werde.

Stichwort Aschermittwoch

Der Begriff bezieht sich auf das Kreuz aus Asche, das Priester Gläubigen an diesem Tag auf die Stirn zeichnen. Es soll die Menschen daran erinnern, dass sie vergänglich sind. Die Asche stammt von Palmzweigen und wird im Gottesdienst gesegnet. Aschermittwoch ist stets der 46. Tag vor Ostersonntag.

Aktion "Kannst du ohne?": Verzicht auf Alkohol

Einen ganz weltlichen Ansatz wählt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, indem sie zum Verzicht auf Alkohol aufruft. Bei der Aktion "Kannst du ohne?" geht es darum, den eigenen Alkoholkonsum zu hinterfragen und festzustellen, wie gut eine mehrwöchige Alkohol-Pause dem Körper tut.

Kirchen rufen zum Klimafasten auf

Kirchen beider Konfessionen rufen zum "Klimafasten" auf. "So viel du brauchst" heißt die Aktion, die dazu anregen will, den eigenen Alltag auf Klimagerechtigkeit zu überdenken. Klimaschutz erfordere Verzicht, sei aber ein Gewinn, wenn es gelinge, das eigene Leben klimafreundlicher zu gestalten. In jeder Woche der Fastenzeit steht ein anderes Thema im Mittelpunkt, etwa Verpackung, regionale Lebensmittel oder Energie in der Küche.

"7 Wochen ohne": Neues ausprobieren und üben

Bundesweit fordert die evangelische Kirche in der Fastenzeit "7 Wochen ohne" und stellt die traditionelle Aktion in diesem Jahr unter das Motto "Üben! Sieben Wochen ohne Stillstand". Die Kirche ruft Interessierte dazu auf, Neues auszuprobieren und zu trainieren, etwa Kritik an Mitmenschen zu üben oder ein Bewusstsein für geschlechtergerechte Sprache zu entwickeln.

Heilfasten: Verzicht auf Nahrung

Ein Teller mit klarer Brühe neben Möhren und Schnittlauch. © picture-alliance/dpa/Stockfood Foto: FoodPhotography Eising
Wer heilfastet, muss viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Neben Wasser darf das auch etwa Brühe sein.

Viele Menschen verbinden Fasten jedoch in erster Linie mit dem Verzicht auf Nahrung, dem sogenannten Heilfasten. Nach einem exakten Plan, am besten unter ärztlicher Kontrolle, meidet man dabei feste Lebensmittel und ernährt sich für Tage oder Wochen nur von Flüssigkeiten wie Wasser, Säften oder Brühe. Dutzende Ratgeber empfehlen diese Askese als wohltuend für Geist und Körper - und als wirkungsvolle Diät. Kritiker warnen jedoch vor gesundheitlichen Risiken, besonders für Menschen, die bereits von Krankheiten geschwächt sind.

Fasten in Islam, Hinduismus und Judentum

Weltweit kennen viele Religionen das Fasten als Zeremonie, die zu Reinheit und Erleuchtung führen soll. So verzichten gläubige Muslime im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders, für 29 oder 30 Tage auf alle Genüsse. Essen und Trinken sind erst nach Sonnenuntergang erlaubt. Die Fastenzeit endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens.

Im Hinduismus existieren zahlreiche Fastenregeln. Viele Gläubige nehmen an Vollmond- und Neumondtagen keine Nahrung zu sich. Im Judentum gilt Jom Kippur, der Versöhnungstag zwischen Gott und den Menschen, als strengster Fastentag, an dem weder Essen noch Trinken gestattet sind.

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NDR Kultur | Freitagsforum | 11.02.2022 | 15:20 Uhr

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