Stand: 05.08.2019 16:32 Uhr

Was Sie über die neuen E-Scooter wissen müssen

Am 15. Juni 2019 ist bundesweit die Verordnung für sogenannte E-Scooter in Kraft getreten, seitdem sieht man die elektrischen Roller immer häufiger auf norddeutschen Straßen. Was müssen Käufer und Mieter beachten?

Was ist ein E-Scooter?

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Die E-Scooter rollen an: Sie sollen vor allem eine Alternative für städtische Kurzstrecken sein.

Ein E-Scooter sieht auf den ersten Blick aus wie ein normaler Tretroller mit einer Lenk- oder Haltestange, hat aber einen Elektromotor. Er darf maximal 20 km/h schnell fahren. Eine Akkuladung reicht in der Regel für 15 bis 30 Kilometer. Viele Einsteigermodelle kosten etwa 300 Euro, es geht aber auch deutlich teurer. BMW bietet beispielsweise einen E-Scooter für 2.400 Euro an.

Wer darf mit einem E-Scooter fahren?

Jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist. Einen Führerschein braucht man nicht.

Gibt es eine Helmpflicht?

Nein, Helme müssen nicht getragen werden. Aber mit Helm ist man natürlich sicherer unterwegs.

Wo dürfen die Roller fahren?

Gibt es einen Radweg oder Radschutzstreifen, müssen E-Scooter darauf fahren. Wenn es beides nicht gibt, teilen sich E-Scooter die Straße mit Autos und Motorrädern. Ursprünglich war diskutiert worden, ob langsamere E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h auch auf dem Gehweg fahren dürften, aber dagegen gab es Sicherheitsbedenken. Der Gehweg ist somit tabu.

Darf ich die E-Scooter in Bus und Bahn mitnehmen?

Viele Roller lassen sich kompakt zusammenklappen. Somit eignen sie sich gut dazu, sie in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass klappbare E-Scooter kostenlos in allen ihren Fernzügen transportiert werden, weil sie sich unter dem Sitz oder in der Gepäckablage verstauen lassen. In den Bussen und Bahnen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) dürfen die Roller ebenfalls mitfahren - aber wieder nur, wenn sie klappbar sind. Sonst gibt es Sperrzeiten wie bei Fahrrädern: sprich werktags zwischen 6 Uhr und 9 Uhr sowie zwischen 16 Uhr und 18 Uhr muss der Roller draußen bleiben.

Sind E-Scooter versicherungspflichtig?

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So sehen die Versicherungsplaketten für E-Scooter aus: ein kleiner Aufkleber am Heck.

Ja, E-Scooter brauchen eine Haftpflichtversicherung. Anders als Pedelecs, bei denen der Elektromotor die Muskelkraft nur unterstützt, gelten sie als Kraftfahrzeuge und lassen sich nicht über eine Privathaftpflicht-Police mitversichern. Die Roller werden also wie Mofas oder Motorräder behandelt. Sie brauchen auch eine Plakette, praktisch ein Mini-Nummernschild zum Aufkleben. Bei Diebstahl greift nach Angaben der Versicherungsbranche nicht die Hausrat-, sondern eine separat abschließbare Kaskoversicherung.

Was kostet die Versicherung?

Mehrere Versicherer bieten Haftpflicht-Tarife für E-Scooter für etwa 30 Euro im Jahr an. Eine Kaskoversicherung gegen Diebstahl kostet je nach Versicherer jährlich zwischen 20 und 40 Euro. Einige Unternehmen bieten zudem für beide Versicherungen Rabatte für Fahrerinnen und Fahrer an, die älter als 23 Jahre sind.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Ganz wichtig: Klären Sie mit dem Händler, ob das Rollermodell eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) vom Kraftfahrtbundesamt hat. Damit ist sichergestellt, dass es allen behördlichen Bestimmungen entspricht. Im Online-Handel sind noch Modelle zu finden, die zum Beispiel schneller als 20 km/h fahren können - das darf nicht sein. Für eine Zulassung braucht ein E-Scooter außerdem zwei voneinander unabhängige Bremsen, eine Beleuchtung und eine Klingel.

Was ist mit Rollern, die schon vor Inkrafttreten der neuen Verordnung gekauft wurden?

Im Idealfall erfüllt der Roller schon alle Voraussetzungen für eine Straßenzulassung. Hersteller können auch nachträglich eine ABE beantragen. Modelle, die nicht verkehrssicher sind, können nachgerüstet werden. Aber das wird unter Umständen aufwendig und teuer. In jedem Fall sollte man den Hersteller kontaktieren, denn ohne ABE bekommt man keine Versicherung und darf den Roller nicht im Straßenverkehr benutzen.

Kann man die E-Scooter in Städten auch leihen?

Verschiedene Firmen betreiben in norddeutschen Städten wie Hamburg, Hannover, Kiel, Rostock, Braunschweig, Göttingen und Osnabrück Verleihsysteme. Zumeist funktionieren diese nach dem Free-Floating-Prinzip: per App einen Roller reservieren und anmieten, nach der Fahrt am Straßenrand abstellen. Die Kosten betragen ungefähr 15 Cent pro Mietminute.

Sind Elektro-Roller gefährlich?

In den USA sind E-Scooter schon seit Ende 2017 unterwegs. Laut einer Untersuchung der Verbraucherorganisation Consumer Reports kam es bis Ende Januar 2019 landesweit zu mehr als 1.500 Verletzungen bei Unfällen mit E-Scootern, vier Menschen starben. Alle Verkehrsmittel zusammengerechnet gibt es in den USA im Jahr allerdings etwa 1,7 Millionen Unfälle mit Personenschaden. Die Einordnung der Zahlen ist schwierig, denn der Roller steht ja erst am Anfang seiner Wachstumskurve. Consumer Reports hat allerdings noch etwas herausgefunden: Bislang tragen nur wenige US-Fahrer Helme. Und mit Kopfschutz sinkt das Verletzungsrisiko deutlich.

Welche Sicherheits-Tipps sollten Fahrer beachten?

Verkehrsexperten haben grundlegende Tipps parat, die E-Scooter-Fahrer beachten sollten:

  • Unbedingt mit Helm fahren, trotz fehlender Helmpflicht.
  • Auf einem ruhigen Platz üben, bevor man sich in den Straßenverkehr stürzt.
  • Die Route gut planen und möglichst dort fahren, wo Radwege sind.
  • Einen Richtungswechsel möglichst frühzeitig anzeigen.
  • Möglichst hintereinander und nicht nebeneinander fahren.
  • Nie zu zweit auf einem Roller fahren.
  • Nicht alkoholisiert fahren.
  • Die Füße hintereinander positionieren.
  • Keine abrupten Lenkbewegungen.
  • Nicht mit einer Hand fahren.

Welche Bußgelder können anfallen?

Laut ADAC gelten folgende Bußgelder bei E-Scooter-Sünden:

  • Bei Rot über die Ampel: zwischen 60 und 180 Euro.
  • Fahren auf dem Gehweg: 15 bis 30 Euro.
  • Fahren auf der Autobahn: 20 Euro.
  • Fahren ohne Versicherungskennzeichen: 40 Euro.
  • Fahren mit einem Scooter ohne Betriebserlaubnis: 70 Euro.
  • Nebeneinander fahren: 15 bis 30 Euro.

Quellen: Bundesverkehrsministerium, GDV, ADAC

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 13.06.2019 | 21:05 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/E-Scooter-Fragen-und-Antworten,faqescooter100.html

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