Stand: 04.08.2019 06:00 Uhr

Wirtschaftsfaktor Wacken Open Air

von Jörn Schaar
Viele Wacken-Besucher kaufen mittlerweile nur noch auf dem Festivalgelände ein.

Es ist eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt und macht die 2.000-Seelen-Gemeinde Wacken schlagartig zur drittgrößten Stadt in Schleswig-Holstein. Die rund 100.000 Festivalbesucher, Mitarbeiter und die Tagesgäste, die einfach nur ein bisschen Wacken-Flair genießen wollen, bringen jedes Jahr auch viel Geld nach Wacken.

Bürgermeister Axel Kunkel sagte NDR Schleswig-Holstein, vor allem die Anwohner der Hauptstraße profitierten sehr stark vom Festival. Denn sie verkaufen Getränke oder Snacks aus dem Vorgarten oder vermieten gleich die Auffahrt an die Betreiber von Bier- und Wurstständen. Daneben gibt es Wackener, die in ihrem Garten Zeltplätze oder Zimmer in ihren Häusern vermieten und so vom Festival profitieren. Aber auch die Gemeinde selbst hat Vorteile, sagt Kunkel: "Der Sommer im vergangenen Jahr brachte unserem Freibad Rekord-Einnahmen und wir konnten da noch einmal gut investieren."

das neue Supermarktzelt in Wacken auf dem Festivalgelände

Wacken: Dorf-Supermarkt leidet unter Konkurrenz

Schleswig-Holstein Magazin -

Grillfleisch, Bier und Dosenravioli - zum Wacken Open Air richten sich die Supermärkte auf Wünsche ihrer Kundschaft ein. Doch ein Supermarkt auf dem Festivalgelände macht diesmal Konkurrenz.

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Supermarkt-Kette baut "Metal Markt" auf

Auf dem Festivalgelände selbst können die Fans schon seit Jahren einkaufen: In den verschiedenen Zonen des Campinggeländes gibt es Frühstückszelte, in denen zum Teil auch Getränke, Eis und Drogerieartikel angeboten werden. In diesem Jahr haben die Macher zusätzlich eine Kooperation mit einer Supermarktkette geschlossen und den "Metal Markt" aufgebaut: eine turnhallengroße Filiale vor dem Einlass.

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Eine Marktfilale direkt auf dem Festivalgelände soll dem Image einer Supermarktkette helfen.

Über eine Umfrage habe der Konzern ermittelt, was Festivalbesucher im Sortiment des Marktes haben möchten, sagte Projektleiterin Sina Bauer NDR Schleswig-Holstein. 450 Artikel sind es, vom Brötchen bis zum Zelt. Bier, Eis und Grillfleisch seien der Renner gewesen. Auf die 130 Stellen in dem Markt hatten sich mehr als 1.500 Mitarbeiter aus ganz Deutschland beworben, nach einem Punktesystem wurde entschieden, wer von ihnen am "festivalfestesten" ist.

Umsatzrückgang im Dorf

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Auch wenn sich der "Metal Markt" nur als Ergänzung zu den Geschäften im Ort sieht, geht der Umsatz dort offenbar zurück. Offizielle Interviews will man nicht geben, eine Mitarbeiterin sagte aber, es seien spürbar weniger Kunden da. Man sieht deutlich: Wo früher palettenweise Bier gekauft wurde, geht heute mal eine Dose über den Tresen.

"Kettcar-Kinder" warten auf Kundschaft

Ein Trend, den die "Kettcar-Kinder" bestätigen können. Sie warten vor dem Supermarkt an der Hauptstraße auf Kundschaft und transportieren die Einkäufe gegen Geld zu den Zeltplätzen. "Bei der Anreise habe ich ganz schön viel Geld verdient", sagt Felix, während er lässig in seinem Kettcar lehnt. "Aber heute waren es erst zwei Fahrten, das ist ganz schön wenig."

Schon seit Jahren heißt es auf Bannern, Speisekarten und Werbetafeln im Dorf "Support your local dealer!" - eine Aufforderung an die Fans, auch den lokalen Einzelhandel zu nutzen. Mit Angeboten wie dem von "Metal Markt" scheint das an Bedeutung zu verlieren. "Mir hat der Supermarkt im Dorf immer gereicht", sagt Frank aus Magdeburg. Aber Jennifer aus Bonn meint: "Das ist eigentlich ganz praktisch. Ich bin mit dem Zug angekommen und habe so viel kürzere Wege."

Großes Firmengeflecht

Aus mehr als einem Dutzend Unternehmen besteht das komplexe Firmengeflecht, das die "Wacken-Macher" Thomas Jensen und Holger Hübner rund um das Open Air aufgebaut haben. Jüngste Unternehmensgründung vor ein paar Wochen: die WOA Festival GmbH, eine erstmals eigens für die Durchführung des Wacken Open Air eingerichtete Firma.

Zuvor hatte die ICS Festival Service GmbH die jährlichen Wacken Open Airs veranstaltet - zuletzt mit einem Jahresumsatz von etwa 28 Millionen Euro und 53 Mitarbeitern. Sie betreibt auch das eigene Platten-Label Wacken Records und einen Musikverlag. Weitere Firmen und Tochterunternehmen vertreiben Metal-Kreuzfahrten, Metal-Skireisen oder das Werner-Rennen in Hartenholm. Gesamtumsatzzahlen des Konsortiums sind nicht bekannt, denn für Unternehmen bis zu einer gewissen Größe besteht keine Veröffentlichungspflicht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.08.2019 | 19:30 Uhr

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