Sendedatum: 16.06.2019 18:05 Uhr

Zur Sache: Wie bürgernah müssen Politiker sein?

von Michael Frömter

Die Welt verändert sich - und damit auch die politische Landschaft: Vor allem junge Menschen engagieren sich wieder, aber nicht in etablierten Strukturen. Die früheren "Volksparteien" sind in der Krise, parteiübergreifende Initiativen - für oder gegen etwas - finden zunehmend Unterstützung. Nach Ansicht von Politikwissenschaftlern sind das auch Folgen eines - zumindest gefühlten - Auseinanderdriftens von Politik und Gesellschaft. Während Politiker meinen, sie arbeiteten zum Wohle des Volkes, sehen sich zahlreiche Bürger mit ihren Sorgen und Ängsten nicht mehr von der etablierten Politik vertreten.

Initiativen, Ziele und Demonstrationen

Führte das in den vergangenen Jahren oftmals zu Unmut, Frust und undifferenziertem Protest, gehen Initiativen wie "Fridays for Future" heute für ihre Ziele wieder aktiv auf die Straße und verlangen nach dem, was ihnen in der Politik fehlt. Und das scheint vieles zu sein. Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" wurden zum Beispiel 2018 allein in Berlin 4.446 Demonstrationen angemeldet. Zehn Jahre zuvor war es ungefähr die Hälfte. Das ist zumindest ein Indikator für vielerlei Unmut.

Kommunikation zwischen Politik und Bürgern hakt

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Konstruktive Politikverdrossenheit: Mit der "Fridays For Future" Bewegung zeigt die Jugend, was ihnen in der Politik fehlt.

Es ist wie meist im Leben: Stimmt die Kommunikation nicht, reden beide Seiten aneinander vorbei und fühlen sich gegenseitig missverstanden. Hinzu kommen Vorbehalte von jungen, engagierten Menschen gegenüber den Parteien, die meist von Erwachsenen dominiert sind. Deren Politiker-Sprache halten junge Menschen oftmals für abgehoben und antiquiert. "Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen wünschen sich verständlichere Diskussionen von Politikern", schreibt laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" der Student Alexander Gerke in seiner inzwischen ausgezeichneten Bachelorarbeit.

Stil und Kommunikationswege

Gerke hatte für seine Untersuchung 400 Schüler in seiner Region befragt. Es sind Stil und Kommunikationswege, die zwischen Politikern und Bürgern  stehen. Abgehobene Sprache auf der einen Seite, einfache, klare Sprache und soziale Netzwerke auf der anderen. Selten waren die Möglichkeiten von Kommunikation und freier Meinungsäußerung so vielfältig wie heute. Doch das hilft nicht, wenn Sprache und Kommunikationswege nicht von beiden Seiten gleichermaßen genutzt werden.

Verständnis und Bürgernähe sind gefragt

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Gegner gibt es bei fast jeder Entscheidung der Politik: Hier prütestieren Angler gegen ein Angelverbot vor Fehmarn.

Müssen Politik und Volk mehr aufeinander zugehen, damit Demokratie auch in Zukunft funktionieren kann? Und sind dabei nicht zunächst die Politiker in der Pflicht? Sollten sie vielleicht ihre Parlamentsgebäude verlassen und mehr Bürgernähe suchen, sei es direkt oder zumindest in den heute gängigen Medien? Oder sie laden die Menschen einfach ein, wie jetzt beim Tag der offenen Tür im Kieler Landeshaus. Eine Chance für Politik und Bevölkerung, dem jeweils anderen zuzuhören und  aufeinander zuzugehen.

"Politik zum Anfassen  - wie bürgernah müssen Politiker sein?" Das war das Thema in unserer kommenden Sendung Zur Sache am Sonntag (16. Juni) ab 18 Uhr auf NDR 1 Welle Nord. Live im Landeshaus diskutierte Moderatorin Ulrike Drevenstedt mit Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) und dem Landesbeauftragten für politische Bildung, Dr. Christian Meyer-Heidemann.

Podcast Bild für die Sendung "Zur Sache". ©  Roman Gorielov/fotolia Foto:  Roman Gorielov

Wie bürgernah müssen Politiker sein?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Viele Bürger wissen nichts über politischen Alltag und monieren ihrerseits, dass Politiker nicht wissen nicht, was sie beschäftigt. Brauchen wir Politik zum Anfassen? Das Thema in Zur Sache.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 16.06.2019 | 18:05 Uhr

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