Zeitreise: Die privaten Gedanken des Max Planck

Stand: 30.09.2022 11:54 Uhr

Am 4. Oktober vor 75 Jahren verstarb Max Planck in Göttingen. Gebürtig kommt der weltberühmte Wissenschaftler aus Kiel und hatte dort an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) auch seine erste Professur. Jetzt gibt es genau an dieser Uni einen noch unschätzbaren Schatz von ihm.

von Kati Bochow

Noch nicht sortiert, noch nicht komplett gesichtet, vielleicht noch voller Überraschungen: der Nachlass von Max Planck an der Uni Kiel. "Die Familie fand die Kartons bei Aufräumarbeiten und hatte keine eigene Verwendung dafür. So fragten sie in Kiel nach, weil hier an der Uni im physikalischen Institut schon eine kleine Ausstellung zu Planck besteht. Und da nahm man sie gern und hier sind sie auch gut aufgehoben." erzählt Professor Oliver Auge, Historiker, Direktor des Instituts für Regionalgeschichte an der CAU.

Max Planck ist Kieler

Eine Büste von Max Planck in Kiel. © NDR
Die Büste von Max Planck steht neben weiteren Kieler Nobelpreisträgern im Ratsdienergarten der Landeshauptstadt.

Max Planck wurde in Kiel geboren, seine Familie zog als er neun Jahre alt war nach München. Sein Vater war damals Juraprofessor und sei gar nicht damit zufrieden gewesen, dass Schleswig-Holstein von Preußen annektiert worden war - so Planck selbst in einem Interview von 1942.

Als Wissenschaftler ist er eine Jahrhundertfigur, aber Max Plancks Privatleben ist von vielen Schicksalsschlägen geprägt: Seine Frau Marie verstarb früh, sein erster Sohn fiel im Ersten Weltkrieg, seine Zwillingstöchter starben beide bei den Geburten ihrer Kinder. Sein ihm verbliebener Sohn gehörte 1944 zum Kreis der Hitler-Attentäter und wurde ein Jahr später hingerichtet. "Man weiß aus vielen Briefen an Hitler und andere NS-Größen, dass Planck versucht hatte, seinen Sohn retten. Es ist ihm aber leider nicht gelungen", so Professor Oliver Auge.

Bescheidener Nobelpreisträger für Physik

Eine historische Aufnahme von Max Planck an einem Schreibtisch. © NDR
Max Planck - ein Nobelpreisträger bei der Arbeit.

Trotz aller persönlichen Schicksalsschläge: Max Plancks Motto war immer "durchhalten und weiterarbeiten". Und so bekam er 1919 den Nobelpreis für seine Entdeckungen der Quantenphysik. "Dieser Preis hat ihn aber menschlich nicht verändert, er ist weiter sehr nahbar geblieben und hat auch nicht irgendwie auf andere herabgeschaut, ganz im Gegenteil", erzählt Professor Oliver Auge.

Historiker und Physiker sortieren Nachlass

Ein Team von Historikern und Physikern fängt jetzt in Kiel an, die Dokumente zu sichten und zu sortieren - unter ihnen die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anne Krohn: "Es ist etwas ganz Besonderes für mich endlich mit richtigen Akten und Dokumenten arbeiten zu können. Ich habe mein Geschichtsstudium ja gerade erst beendet. Die Handschrift stellt uns allerdings immer wieder mal vor Herausforderungen". Was die Wissenschaftler bis jetzt in den ganzen Kartons schon entdecken konnten, sind viele Dankesschreiben für Schulumbenennungen, Pässe und auch Kondolenzschreiben von berühmten Wissenschaftlern an seine Frau nach dem Tod von Max Planck.

Vielleicht bringt der Brief-Nachlass aber auch noch neue Einsichten in das Leben des Jahrhundert-Physikers. Die Dokumente sind eine Leihgabe der Familie. Fünf Jahre haben die Wissenschaftler jetzt Zeit, die Dokumente zu untersuchen.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.10.2022 | 19:30 Uhr

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