Stand: 21.01.2019 05:00 Uhr

Wird Serpil Midyatli die erste SPD-Landeschefin?

von Stefan Böhnke

Mit schnellem Schritt kommt die 43-Jährige zum Interview mit dem NDR Schleswig-Holstein, wirkt aber nicht gehetzt. Sie ist in der Fraktion für ihre Energie bekannt: Mitglied im Landtag, im Landesvorstand, im Bundesvorstand, Hausfrau, Mutter und Ehefrau und demnächst vielleicht sogar Landesvorsitzende der SPD. Sie traut sich das zu, zeigt im Gespräch keine Selbstzweifel. "Die Herausforderungen sind selbstverständlich groß. Bammel habe ich aber definitiv keinen", sagt Serpil Midyatli. "Denn ich weiß, ich habe große Unterstützung und sehr viel Zustimmung in den letzten Wochen und Monaten erhalten und ich freue mich eher auf die Aufgabe."

Midyatli will sich vom Führungsstil Stegners absetzen

Im März soll sie als erste Frau an die Spitze der schleswig-holsteinischen SPD gewählt werden. Ihre Kandidatur gab sie im vergangenen Sommer überraschend bekannt. Überraschend auch für ihren langjährigen Förderer Ralf Stegner. Erst nach Tagen sicherte er ihr seine Unterstützung zu. Von Stegner habe sie viel gelernt und gut mit ihm zusammengearbeitet. Das will sie auch in Zukunft, aber sie will auch Einiges ändern. "Ich werde mit Sicherheit Dinge anders machen als er", sagt Midyatli. Sie will wegkommen von der One-Man Show: "Ich stelle mir einen Landesvorstand vor, wo wir die Verantwortlichkeiten besser untereinander aufteilen." In der Öffentlichkeit würden bisher nur wenige Sozialdemokraten wahrgenommen - dies soll mit Midyatli anders werden.

Sie setzt auf Teamarbeit und innerparteiliche Diskussion

Als neue Landesvorsitzende der SPD will Midyatli auch Schluss machen mit der Geheimniskrämerei bei der Aufstellung von Listen vor Wahlen. An diesen hatte bisher meist nur einer gefeilt: Ralf Stegner. Erst unmittelbar vor der Entscheidung auf dem Landesparteitag hatte er die Liste aus dem Jackett gezogen. Gegenkandidaturen waren möglich, aber selten. "Auf jeden Fall wird es aber, wenn ich Landesvorsitzende der SPD werden sollte, einen Listenvorschlag definitiv früher geben, damit wir uns dann auch gemeinsam darüber unterhalten können. Denn letztendlich brauchen wir ein gutes Team."

Demnächst Fraktionschefin? Die Frage stellt sich nicht

Auf die Frage, wann sie Ralf Stegner denn auch als Fraktionsvorsitzende ablösen werde, reagiert sie mit einem lauten Lachen. "Das möchten Sie wohl wissen." Ja, das wollen alle wissen, denn diese Frage fehlt wohl derzeit in keinem Interview. Midyatli wiederholt ihr Vorhaben, Kompetenzen auf mehrere Schultern verteilen zu wollen. Daher stelle sich diese Frage derzeit nicht.

Die Landtagsabgeordnete geht selbstbewusst auf ihre neue Rolle zu. Ende März stellt sich auf dem Landesparteitag in Norderstedt zur Wahl. Nach zwölf Jahren steht die SPD nicht nur vor einem Personalwechsel, sondern möglicherweise auch vor einem Wechsel des Führungsstils.

Weitere Informationen

Midyatli will SPD-Landeschefin werden

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.01.2019 | 08:00 Uhr

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