Stand: 15.04.2017 14:29 Uhr

Windkraftanlagen als Todesfalle für Seeadler

Sie sollen saubere Energie produzieren: Windkraftanlagen. Doch für den Seeadler können sie zur Todesfalle werden. "Die Spitzen der Windkraftanlagen erreichen Geschwindigkeiten um die 300 Kilometer in der Stunde. Der Seeadler, der gerne Thermik nutzt, sucht solche Bereiche zum Steigen. Dadurch werden die Tiere zu Schlagopfern", erklärt Falkner Bernd Nowak.

Rotmilane und Seeadler gefährdet

Gefährlich kann es für Seeadler künftig rund um Pronstorf (Kreis Segeberg) und Ahrensbök (Kreis Ostholstein) werden. Hier gibt es sechs Seeadlerhorste, die jeweils einen Schutzradius von drei Kilometern haben. Nach den Regionalplänen der Landesregierung sollen genau hier neue Windkraftanlagen gebaut werden - direkt neben den sogenannten FFH- und Natura 2000-Naturschutzflächen. Auch streng geschützte Rotmilane leben hier. Und Vogelfluglinien führen direkt durch das Gebiet.

Kriterien aufgeweicht?

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Die Karte zeigt die Schutzgebiete der Greifvögel und die geplanten Gebiete für Windkraftanlagen.

Schon 2009 seien die Gebiete, um die es jetzt geht, in den Vorrangplänen erwähnt worden, sagt Nowak. Aus naturschutzrechtlichen Gründen jedoch seien sie damals von der Unteren Naturschutzbehörde wieder gestrichen worden. Nun wurden die Schutzkriterien offenbar aufgeweicht, so dass sie Gebiete erneut als geeignete Windkraftgebiete ausgewiesen werden. "Der Naturschutz wird aufgeweicht, indem die Schutzbedürftigkeit der Tiere immer mehr reduziert wird", sagt Nowak. Für Vogelschutzgebiete von Seeadler, Schwarzstorch und Rotmilan wurden nun nur noch Schutzbereiche von 300 bis 1.200 Metern vorgeschlagen.

Neues Gutachten geplant

Die Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein weißt auf das formelle Anhörungsverfahren hin, das noch bis 30. Juni 2017 laufe. "Alle eingehenden Stellungnahmen werden detailliert ausgewertet und ihre Prüfung öffentlich dokumentiert", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Bernd Nowak reicht das nicht. Er will nun zusammen mit dem Naturschutzbund NABU ein neues, offiziell anerkanntes Gutachten erstellen - damit Seeadler und Rotmilan auch weiterhin rund um Pronstorf und Ahrensbök leben können.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 15.04.2017 | 19:30 Uhr

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