Waschbär macht sich in Schleswig-Holstein breit

Stand: 04.12.2020 05:00 Uhr

Waschbären fühlen sich in Schleswig-Holstein offenbar sehr wohl. Insbesondere im Randgebiet von Hamburg verzeichnet der Landesjagdverband eine Zunahme der Population.

Ursprünglich stammt der Waschbär aus Nordamerika. Er gehört zu den invasiven Arten. Laut Naturschutzbund (Nabu) gilt eine Art als invasiv, wenn sie sich ausbreitet und andere Arten, Lebensräume oder Ökosysteme beeinträchtigt und dadurch der biologischen Vielfalt schadet.

Waschbär als Gefahr für heimische Tiere?

Vor allem im Kreis Stormarn gibt es neuerdings immer mehr Waschbären. Jäger Christian Kumpf sieht eine Gefahr für die heimischen Tiere: "Unsere Bodenbrüter, unsere Niederwildarten haben schon genügend Feinde, die schon immer hier gewohnt haben", sagt Kumpf. Als Beispiele nennt er Kiebitz, Feldlerche und Fasan. "Jetzt kommt ein neuer Fressfeind und das verschärft die Situation für diese Tierarten."

Naturschützer sehen das anders. Sie sind der Meinung, dass Waschbären mittlerweile zur schleswig-holsteinischen Fauna gehören und nicht abgeschossen werden müssen.

Waschbären richten gern Schaden an

Der Waschbär kann gut schwimmen und klettern. Er stellt deshalb für fast alle Vögel eine Gefahr da. Er wohnt gerne in Baumkronen, in hohlen Bäumen, Strohmieten und auf Dachböden. Waschbären suchen auch die Nähe zum Menschen. Vollgekotete Dachböden, aus den Dächern entfernte Dämmung, ausgeräumte Mülltonnen - laut Kumpf dringen Waschbären gern in Siedlungen vor und richten dort nicht selten massive Schäden an. "Wie man das vom Marder beispielsweise auch kennt", erklärt Kumpf.

Gefangene Waschbären werden erschossen

Jäger setzen gegen die nachtaktiven Raubtiere gern Fallen ein - zum Beispiel mit Eiern, denn Waschbären lieben Eier. Es handelt sich um Lebendfallen. Das bedeutet: Wenn ein anderes Tier hineingerät, kann es wieder frei gelassen werden. Gefangene Waschbären hingegen werden erschossen. "Vor zwei Jahren fing das im Grunde an. Wir sind jetzt im Schnitt bei acht bis zehn Waschbären pro Jahr", erzählt Kumpf von seinen Erfahrungen in seinem Revier.

Weitere Fallen werden aufgestellt

Die Zahl der gejagten Waschbären ist im Kreis Stormarn in den vergangenen zwei Jahren den Angaben der Jäger zufolge um das 30-fache gestiegen. Durch die Jagd wollen die Jäger die Ausbreitung eindämmen. Mehr als 40 Reviere im Kreis Stormarn haben inzwischen Fallen. Auch Kumpf will im kommenden Jahr zwei weitere aufstellen, um die starke Ausbreitung der Waschbären zu verlangsamen.

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Ein Waschbär blickt über einen hölzernen Balken. © imago images Foto: Martin Wagner

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.12.2020 | 19:30 Uhr

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