Gänse an einem Fluss. © NDR Foto: Klaus Purat aus Prerow

Vogelgrippe bei Wildvögeln in Nordfriesland nachgewiesen

Stand: 31.10.2020 13:32 Uhr

Bei Wildvögeln in Nordfriesland ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums die Geflügelpest, in ihrer aggressiven Variante auch Vogelgrippe genannt, nachgewiesen worden.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat dies bestätigt. Konkret waren ein Großer Brachvogel, eine Pfeifente und ein Wanderfalke infiziert. Das Veterinäramt des Kreises hat angeordnet, dass nordfriesische Geflügelhalter in Küstennähe und in weiteren Vogelrastgebieten ihre Bestände in Ställen unterbringen müssen. Welche Gebiete konkret von der Stallpflicht betroffen sind, steht im Amtsblatt des Kreises Nordfriesland. Züchter und Mäster im Land reagieren mit vorsichtiger Gelassenheit: Für die überwiegend kleineren Betriebe im Kreis Nordfriesland ist die Pflicht, die Tiere jetzt in die Ställe zu bringen, nach eigenen Angaben kein Problem. Ein großer Zucht- und Mastbetrieb aus Dithmarschen hat nach eigenen Angaben seine Zuchtgänse sicherheitshalber in den Stall gebracht, obwohl es dort noch nicht verordnet wurde. In einem anderen großen Zucht- und Schlachtbetrieb im Kreis Schleswig-Flensburg ist der Betreiber hingegen etwas vorsichtiger geworden: Er kündigte an, in diesem Jahre keine Tiere mehr aus Nordfriesland zu schlachten.

In Hamburg-Lohbrügge war schon am Donnerstag eine Wildente mit dem Virus H5N8 gefunden worden - und wie das Bundeslandwirtschaftsministerium am Sonnabend mitteilte, wurde die Krankheit auch bei einem Mäusebussard in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Die Geflügelpest ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die vor allem bei Wassergeflügel, aber auch anderen Vögeln vorkommt.

Albrecht: "Anlass für extrem hohe Wachsamkeit"

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (B.90/Grüne) blickt seriös bei einem Interview draußen. © NDR
Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht nannte den Nachweis "besorgniserregend".

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sprach von einer "besorgniserrenden" Nachricht. "Das gilt grundsätzlich, aber insbesondere auch vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Gesamtsituation durch die Corona-Pandemie. Der Befund ist Anlass für extrem hohe Wachsamkeit im ganzen Land." Die Maßnahmen zum Monitoring im ganzen Land seien bereits Anfang Oktober verstärkt worden, so Albrecht. Bürgerinnen und Bürger sind dazu aufgerufen, verendete Wasser- und Greifvögel unverzüglich dem Veterinäramt des jeweiligen Kreises oder der kreisfreien Stadt zu melden.

So erkennt man erkrankte Tiere

Die hochpathogene Variante, die unter Vögeln hochansteckend ist, verläuft bei Hausgeflügel mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Kranke Hühner leiden laut FLI unter anderem an Teilnahms- und Appetitlosigkeit, Durchfall, geringerer Legeleistung und Störungen des zentralen Nervensystems, was sich an einer unnormalen Kopfhaltung und Gleichgewichtsstörungen zeigt. Außerdem können Hühner ein stumpfes, gesträubtes Federkleid und Ödeme am Kopf bekommen. Bei Enten und Gänsen zeigt die Erkrankung zunächst keine Symptome.

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Gänse

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Schleswig-Holstein zuletzt 2016/17 stark betroffen

Die Geflügelpest kann laut FLI auch auf den Menschen übertragen werden. Nach Angaben der Hamburger Verbraucherschutzbehörde wurden solche Fälle aber bislang weltweit nicht nachgewiesen. Schleswig-Holstein war zuletzt 2016/17 stark von der Geflügelpest betroffen.

Ausbreitung wohl durch Zugvögel aus Russland und Kasachstan

Das H5N8-Virus wurde nach Auskunft des FLI erstmals Anfang 2014 in Südkorea bei Geflügel und Wildvögeln nachgewiesen. Das Ausbreiten des Virus durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren, hieß es. Seit Ende Juli 2020 wird aus Russland und Kasachstan eine Serie von Geflügelpest-Ausbrüchen gemeldet. Die betroffenen Regionen liegen auf der Vogelzugroute von Wasservögeln, die im Herbst nach Europa ziehen.

Um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern, empfiehlt das FLI unter anderem, nur Mitarbeiter in Schutzkleidung in die Ställe zu lassen und am Eingang Wannen oder Matten zur Desinfektion aufzustellen, um eine Übertragung des Virus über die Schuhe zu vermeiden. 

Viele Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben

In der Geflügelpest-Verordnung sind weitere Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben. Hierzu gehört unter anderem, dass Tiere nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden dürfen. Zudem darf kein Oberflächenwasser für das Tränken der Tiere genutzt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, müssen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.10.2020 | 19:00 Uhr

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