Die Promenade ist vom Hochwasser des Inns überspült. © picture alliance/dpa | Armin Weigel Foto: Armin Weigel

Viel Hilfe aus dem Norden für die Hochwasser-Gebiete

Stand: 19.07.2021 18:41 Uhr

Zahlreiche Institutionen und Menschen aus Schleswig-Holstein unterstützen die Hochwasser-Regionen im Südwesten Deutschlands.

Ein Einsatzzug der schleswig-holsteinischen Polizei hat am Montag mit dem Einsatz in dem von Überschwemmung betroffenen Ort Antweiler in Rheinland-Pfalz begonnen. Der Einsatzzug besteht laut Innenministerium aus 72 Frauen und Männern, darunter mehrere Taucher. Bereits zuvor hatten fünf Diensthundeführer aus dem norden mit ihren Spürhunden nach Vermissten gesucht.

Spenden aus Pinneberg

Die Feuerwehren in und um Pinneberg (Kreis Pinneberg) haben Sachspenden für die Flutopfer gesammelt. Doch die Schleswig-Holsteiner zeigten sich so spendierfreudig, dass die Wehren laut Wehrführer Claus Köster nun nichts mehr annehmen können. Werkstatt und Waschhalle der Feuerwehr Pinneberg sind komplett voll. Unter den Spenden sind Getränke, Fußbälle und Kinderspielzeug. Die Feuerwehr Pinneberg will die Spenden nun zum Logistikzentrum der Bundeswehr nach Hannover bringen, damit das Material von dort aus verteilt werden kann.

Notstromaggregat für Rathaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Helfer von den Stadtwerken Eutin (Kreis Ostholstein) sind im besonders betroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, um da mit Ersatzteilen und Geräten die Energieversorgung wieder herzustellen. Sie versorgen da außerdem aktuell das Rathaus mit einem Notstromaggregat.

Und betroffenen Bauern in den Krisenregionen helfen Landwirte aus Schleswig-Holstein mit Futterspenden. So schicken zum Beispiel Höfe aus Westerhorn, Oldenbüttel, Padenstedt und Dagebüll Stroh- und Heuballen in die Gebiete.

Kurzurlaub für Kinder aus Hochwasser-Gebieten

Eine besondere Aktion plant der Ort Bosau (Kreis Ostholstein) am Großen Plöner See. Die Gemeinde will bis zu 40 Kinder aus der Katastrophenregion um Aachen aufnehmen, die in Schleswig-Holstein eine Woche lang ihren Kopf frei bekommen sollen. Am Freitag werden sie in Bosau erwartet.

Ein DRK-Mitarbeiter belädt einen Gabelstalper in einem Lager. © DRK
AUDIO: Von SH ins Hochwassergebiet (1 Min)

DRK aus SH auf dem Weg ins Hochwassergebiet

Ein DRK-Mitarbeiter belädt einen LKW mit einem Gabelstapler. © DRK
Mit dem Gabelstapler werden die Hilfslieferungen auf die Lkw geladen.

Bereits am Sonntag fuhren zehn Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Schleswig-Holstein in Schwentinental (Kreis Plön) los. Zwei Lkw und ein Spezial-Lastwagen, der in schwerem Gelände fahren kann, waren dabei. Sie waren mit 30 Spezialzelten und 20 Heizungen beladen. Auch ein 10.000-Liter-Behälter für Trinkwasser wurde ins Hochwassergebiet gebracht. Ziel der DRK-Helfer war nach Angaben einer Sprecherin zunächst Koblenz in Rheinland-Pfalz. Dort soll festgelegt werden, wo genau sie eingesetzt werden.

THW baut Werkstatt auf

Und im Katastrophengebiet von Rheinland-Pfalz - am Nürburgring - bauen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern aktuell eine Werkstatt auf. Dort sollen Einsatzfahrzeuge, Technik und andere Ausstattung von Feuerwehren und THW repariert werden können, teilte der THW-Landesverband am Sonntag mit.

Florian Gottschalk vom THW Kaltenkirchen berichtet im Interview mit dem NDR Schleswig-Holstein Magazin von seinen Eindrücken vor Ort: "Auch erfahrene Einsatzkräfte haben gesagt, so etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben", so Gottschalk. Seine Kollegen, erzählt er, empfänden die Situation als sehr bedrückend. Die von den Überschwemmungen betroffenen Menschen realisierten allmählich, dass sie ihre Häuser aufgeben müssten, beim Räumen einer Straße hätten andere Kollegen eine Leiche gefunden.

Helikopter aus SH vor Ort

Auch Helikopter aus Schleswig-Holstein unterstützen die Bundespolizei in den Hochwasser-Gebieten. Die Maschinen sind mit Winden ausgestattet, an denen sich Crewmitglieder abseilen können, um Menschen zu retten und in die Maschine zu ziehen.

 

Günther fordert Hilfefonds

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte am Montag bei einer Pressekonferenz: "Ich will mich angesichts der enormen Zerstörung und des unermässlichen Leides, was dort viele Menschen erlitten haben und noch erleiden, ausdrücklich für die große Hilfsbereitschaft bedanken, die auch bei uns in Schleswig-Holstein zu spüren ist. Wir bekommen viele Zuschriften, Menschen, die ihre Hilfe anbieten. Das zeigt, dass es eine hohe Solidarität an der Stelle gibt. Und ich will mich explizit bedanken bei den haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die sich jetzt auch auf den Weg machen nach NRW, Rheinland-Pfalz." Am Sonntag hatte Günther einen Bund-Länder-Fonds für Flutopfer und Klimaschutz gefordert. Auch Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) dankte den Helfern von Landes- und Bundespolizei, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz. Das gelte auch für alle haupt- und ehrenamtlichen Helfer, die sich seit Tagen bereithielten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.07.2021 | 11:00 Uhr

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