Stand: 03.07.2020 08:20 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

UKSH sucht weltweit nach Mitarbeitern

von Sven Brosda

Für Sabine Richter, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), ist dieser Termin im Konferenzraum in Kiel ganz besonders. Und auch für ihre künftigen Mitarbeiter, die unter anderem aus Buenos Aires und Bogotá zugeschaltet sind, ist es ein aufregender Tag. Denn es ist das erste Mal, dass sich die Pflegedirektorin und ihre neuen Kollegen sehen und miteinander reden können. Die Pflegekräfte wurden in ihren Heimatländern von einer Vermittlungsagentur angesprochen, gecastet und an das UKSH vermittelt.

Vorstellungsrunde auf Deutsch

Dann geht es los. Die 23-jährige Flavia Camila Siffredi meldet sich aus Buenos Aires. Sie erzählt, dass sie an einer Privatuniversität studiert hat und Krankenschwester ist. Berufserfahrung habe sie unter anderem in einer Poliklinik sammeln können, sei Assistentin des Narkosearztes gewesen. Doch warum will sie nach Deutschland? In Deutschland ist ihrer Meinung nach alles viel organisierter und der Lebensstandard höher. Siffredi ist außerdem gespannt, wie es ist, eine neue Kultur kennenzulernen.

Eine Frau schaut auf eine Landkarte.  Foto: Sven Brosda

UKSH sucht weltweit nach Pflegekräften

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Der Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich von Jahr zu Jahr. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sucht mittlerweile nahezu weltweit nach Pflegekräften.

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"Wir freuen uns auf Sie"

Pflegedirektorin Richter ist beeindruckt. Dass die Argentinierin schon mit 23 Jahren im OP gearbeitet und den Narkosearzt unterstützt hat, dass sei schon eine "ganze Menge". Richter verabschiedet sich mit den Worten "Wir freuen uns auf Sie". Die Pflegedirektorin sagt das insgesamt 14 Mal - so viele neue Kollegen hat sie an diesem Tag per Video-Konferenz kennengelernt.

Bald geht es nach Kiel und Lübeck

Die neuen Pflegekräfte kommen vermutlich im September nach Schleswig-Holstein. Jedenfalls wenn die Corona-Pandemie diesen Plan nicht durcheinanderwirble, schränkt die Pflegedirektorin ein. Unklar ist auch, ob die neuen Kollegen nach der Landung erstmal in Quarantäne müssen oder nicht. "Das werden wir dann sehen", meint Richter. Das UKSH stellt den Mitarbeitern für den Start in Schleswig-Holstein auf dem jeweiligen Campus Appartements zur Verfügung. Für die Behördengänge oder zum Beispiel, um ein Konto zu eröffnen, bekommen die Pflegekräfte aus Argentinien und Kolumbien von einer Mitarbeiterin des UKSH Unterstützung.

18 Monate Zeit

Die neuen UKSH-Mitarbeiter haben anderthalb Jahre Zeit, um ihren Traum zu verwirklichen. Das hänge mit den Vorschriften der Behörden zusammen, erzählt die Pflegedirektorin. In Kiel und Lübeck würden sie zunächst als Pflegehelfer angestellt und auf den Stationen eingearbeitet. Dann folgen laut Richter noch mindestens vier Monate Theorieunterricht. Erst dann können die Pfleger von morgen richtig durchstarten und ihre sogenannte Anerkennung machen. Sie sind nach erfolgreicher Prüfung und bestandenem Deutschkurs dann auch offiziell examinierte Pflegekraft und werden vom UKSH übernommen.

Rund 600 Absolventen in drei Jahren

Das UKSH sucht seit 2017 nach internationalen Pflegekräften. Seitdem seien es immer mehr Länder geworden, aus denen neue Mitarbeiter nach Schleswig-Holstein geholt werden, erzählt Pflegedirektorin Richter. Es gibt aber auch Länder, aus denen keine Pflegekräfte angeworben werden. Indien zum Beispiel. Wer das Gesundheitssystem in Indien kenne oder sich darüber erkundige, werde feststellen, dass das unethisch sei. "Das darf man nicht tun", meint die Pflegedirektorin. Die Fachkräfte würden im eigenen Land gebraucht, um die Menschen dort zu versorgen. Es gebe aber Länder, in denen es "okay" sei - zum Beispiel in Südamerika oder auch in Albanien. Dort würden deutlich mehr Fachkräfte ausgebildet, als man vor Ort brauche, sagt die Pflegedirektorin.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.07.2020 | 17:00 Uhr

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