Stand: 07.04.2020 19:38 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Die Maschine für "sauberen Diesel"

von Torben Dreyer und Christoph Klipp

Es liest sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Films: Ein ehemaliger Juwelier, ein Ingenieur und ein Unternehmer aus Siblin (Kreis Ostholstein) wollen die Mineralöl-Branche revolutionieren. Schon vor eineinhalb Jahren hat das Unternehmen Heion bewiesen, dass es Diesel herstellen kann, der nachweislich weniger Rußpartikel und Stickoxide bei der Verbrennung freisetzt. Nun soll das Produkt in Serie gehen. Teil 2 unserer Serie über den "sauberen Diesel" aus Siblin.

Ein paar silberne Platten aus Messing, an den Seiten orange Stellmotoren und zwei Pumpen - das Ganze umhüllt von einer Kiste, aus der mehrere Schläuche in Kanister führen. Oben in den Behältern befinden sich Diesel und Wasser. Von außen deutet nicht allzu viel daraufhin, was diese Anlage leisten soll. Dabei könnte das Ziel kaum ambitionierter sein: Diese Maschine soll den Diesel-Markt revolutionieren. Genauer gesagt: handelsüblichen Diesel so sauber machen, dass Fahrverbote in Städten hinfällig werden.

Diesel-Revolution Teil 2: In Serienproduktion gehen

Schleswig-Holstein Magazin -

Ein Startup aus Siblin im Kreis Ostholstein will den Schadstoffausstoß von Diesel verringern. Eine spezielle Anlage macht die Serienproduktion möglich.

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Neue Anlage: Fast ein Jahr Bauzeit

Fast ein Jahr haben Anton Ledwon und Waldemar Lewtschenko an dieser neuen Anlage getüftelt. "Unser erster Reaktor in Siblin war in dem Sinne ja nur ein Test-Reaktor. Mit dieser neuen Anlage aber können wir immer wieder reproduzierbar gleichbleibende Diesel-Qualität liefern. Ganz einfach, weil wir die Parameter wie Reaktionszeitpunkt oder Volumenstrom nicht mehr per Hand, sondern jetzt automatisch steuern können", erklärt Ledwon. Dann klettert er auf eine Leiter und kippt literweise Diesel in den einen Behälter und literweise Wasser in den gegenüberliegenden.

Synthese statt Emulsion

In der neuen Anlage will Heion nicht einfach Diesel und Wasser vermischen, sondern durch einen Synthese-Prozess die Struktur des Diesels verändern. Also einen neuen Stoff herstellen. Die Anlage spaltet dazu das Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff - für die Bildung von neuen Strukturen im Diesel. Das restliche Wasser wird nach dem Prozess vom neuen Diesel getrennt. Zum Beispiel mit einer Zentrifuge. Der neue Kraftstoff ist dann "wasserfrei". Dieser neue Diesel soll laut Erfindern auch bei niedrigeren Temperaturen nahezu vollständig verbrennen. So entstünden weniger Rußpartikel und auch weniger Stickoxide.

Teil 1

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Zuspruch in den USA, Skepsis in Deutschland

"Es ist ein ganz neues Verfahren. Wir verletzen die physikalischen Gesetze nicht", so Ledwon. Trotzdem: Gerade das Thema Wasser im Diesel spaltet die Lager. In den USA bekommt das schleswig-holsteinische Unternehmen Zuspruch. Die Universitäten Clemson und South Carolina haben mit Heion Forschungskooperationen vereinbart. In Deutschland allerdings untermauert VW seine Skepsis am Produkt aus Siblin. Auf NDR Anfrage antworten die Wolfsburger, es handle sich um eine Diesel-Wasser-Emulsion. Also ein Gemisch. "Wir sehen die Ergebnisse des Diesels und wie er sich verändert und uns ärgert es, dass da einfach drüber gegangen wird. Die denken, das ist eine Emulsion, aber es geht um ein Synthese-Verfahren", erklären die Tüftler.

Sibliner Diesel als Brückentechnologie

Mit der neuen Anlage testet sich das Duo nach und nach an die für sie perfekte Zusammensetzung des Treibstoffs heran. Mehrere hunderte Male heißt es: Parameter ändern, Diesel herstellen, fahren und dann die Rußpartikel messen. Heions Ziel: ein Diesel mit noch geringerer Schadstoffbelastung als bei den ersten Tests 2018.

Teil 3

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Dabei, weiß das Heion-Team, gehe es auch bei ihnen um eine Brücken-Technologie. Unternehmenschef Andreas Heine verweist dazu auf Studien einer internationalen Forschungsgruppe für Energien (Wood Mackenzie). "Der Diesel-Verbrauch ist von 2007 bis 2018 weltweit leicht gestiegen. Vor allem in nicht OECD-Ländern sind laut Studie vermehrt auch noch ältere Diesel-Fahrzeuge unterwegs. Unser "sauberer" Diesel wäre gerade hier als Übergang umweltschonend."

Hat Heion seinen Wunderdiesel mit der geringsten Schadstoffbelastung gefunden, will das Start-up seinen Diesel unter Voll-Last testen. 50 Stunden in einem BASF-Prüfmotor. Damit wollen sie beweisen: auch mit ihrem Diesel gibt es keine Motor-Schäden und auch keine Korrosion.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.04.2020 | 19:30 Uhr

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