Irmgard F. wird im Landgericht Itzehoe mit einem Rollstuhl in den Saal geschoben. © picture alliance/dpa/dpa pool | Daniel Bockwoldt Foto: Daniel Bockwoldt

Stutthof-Prozess: Zwei Anträge der Verteidigung abgelehnt

Stand: 18.01.2022 16:43 Uhr

Im Prozess gegen die ehemalige Sekretärin im KZ Stutthof, Irmgard F., hat das Landgericht Itzehoe zwei Anträge der Verteidigung abgelehnt.

Die Kammer beschloss laut einer Gerichtssprecherin, eine Kritik an der Darstellung des historischen Sachverständigen Stefan Hördler nicht ins Verhandlungsprotokoll aufzunehmen. Verteidiger Niklas Weber hatte am 14. Dezember bemängelt, dass der historische Sachverständige einen für das Verfahren sehr wichtigen Kommandanturbefehl nicht vollständig vorgetragen habe. Die weggelassene Passage deute darauf hin, dass die Angeklagte nicht mit Schreibarbeiten für "Sonderaufgaben" befasst gewesen sei. Der Begriff "Sonderaufgaben" sei wie "Endlösung" ein Codewort der SS für Gräueltaten gewesen. Trotz des Gerichtsbeschlusses, die Kritik der Verteidigung nicht ins Protokoll aufzunehmen, sei der Befehl aber Teil der Prozessakten, erklärte die Sprecherin.

Äußerungen von 2017 werden zugelassen

Weitere Informationen
Besuchende gehen am Eingang des Stutthof Museums in Sztutowo (Polen) vorbei. © dpa-Bildfunk Foto: Piotr Wittman/PAP/dpa

Stutthof-Prozess - eine Chronologie der Ereignisse

Die Staatsanwaltschaft wirft einer 96-Jährigen Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen vor. Sie war Schreibkraft im KZ Stutthof bei Danzig. mehr

Außerdem gab der Vorsitzende Richter Dominik Groß bekannt, dass Äußerungen der Angeklagten aus dem Jahr 2017 verwendet werden sollen. Bei der damaligen Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Itzehoe sei Irmgard F. - wie vorgeschrieben - darüber belehrt worden, dass sie als Beschuldigte das Recht zu schweigen habe.

Der Verwendung früherer Aussagen der Angeklagten in den Jahren 1954, 1964, 1966 und 1982 hatte die Verteidigung bereits widersprochen. Damals war Irmgard F. lediglich als Zeugin gehört worden und somit nicht über ihr Recht zur Aussageverweigerung belehrt worden.

93 Jahre alte Nebenklägerin soll wieder aussagen

Beim nächsten Verhandlungstermin am 25. Januar will das Gericht die in den USA lebende Zeugin Asia Shindelman weiter anhören. Die 93 Jahre Nebenklägerin hatte im Dezember bereits beschrieben, wie sie 1944 mit ihren Eltern aus Litauen in das KZ gebracht worden war.

Arbeit als Zivilangestellte im KZ

Die 96 Jahre alte Angeklagte soll von Juni 1943 bis April 1945 in der Kommandantur des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig als Zivilangestellte gearbeitet haben. Ihr wird zur Last gelegt, durch ihre Schreibarbeit den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von mehr als 11.000 Gefangenen Hilfe geleistet zu haben.

Weitere Informationen
Das ehemalige Konzentrationslager Stutthof. © Screenshot

Itzehoer Stutthof-Prozess: 93-jährige Zeugin schildert die Gräuel in dem KZ

Eine Überlebende des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig hat am Dienstag als Zeugin im Itzehoer Prozess gegen eine frühere KZ-Sekretärin ausgesagt. mehr

Der KZ-Überlebende und Zeuge Josef Salomonovic sitzt vor Beginn des Prozesstages im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Marcus Brandt

Stutthof-Prozess: KZ-Überlebender berichtet über Deportation und Leid

Wegen Beihilfe zum Mord muss sich eine ehemalige KZ-Sekretärin verantworten. Der Überlebende Josef Salomonovic wurde als Zeuge gehört. mehr

Besuchende gehen am Eingang des Stutthof Museums in Sztutowo (Polen) vorbei. © dpa-Bildfunk Foto: Piotr Wittman/PAP/dpa

Stutthof-Prozess: Historiker beschreibt Kommandostruktur im KZ

Was hat die ehemalige KZ-Sekretärin damals von den Morden mitbekommen? Ein Historiker, der nun gehört wurde, belastet sie schwer. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.12.2021 | 19:30 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

NS-Zeit

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

In einer Halle des Flensburger Unternehmen FFG ist das Rohr eines Leopard-1-Panzer auf die AKmera gerichtet. © ZDF

Flensburger Firma liefert "Leopard 1"-Panzer in die Ukraine

Das Unternehmen bestätigte, dass es Panzer an die Ukraine verkauft. Angeblich wollen deutsche Firmen 160 Stück liefern. mehr

Videos