Streuobstwiesen: NABU unterstützt mit Geld und Wissen

Stand: 28.04.2023 14:31 Uhr

90 Obstbäume haben Sonja und Mario Gudenrath mit Hilfe des NABU auf ihrer Wiese gepflanzt. Das Ziel: Ein Refugium für Pflanzen und Tiere.

von Laura Albus

Der Löwenzahn steht in voller Blüte. Überall auf der grünen Wiese von Sonja und Mario Gudenrath in Nordhastedt (Kreis Dithmarschen) leuchtend gelbe Tupfer. Jeder Tupfer: Ein Zeichen der guten Bodenbeschaffenheit. Denn wo Löwenzahn wächst, verfügt die Erde über ausreichend Nährstoffe.

Eine gute Grundvoraussetzung also für die 90 noch ganz jungen Hochstammbäume, die Sonja und Mario Gudenrath gerade erst auf der Löwenzahn-Wiese gepflanzt haben. "Wir wollen der Natur etwas zurückgeben", sagt Mario Gudenrath, während er Metalldraht als Verbissschutz an einem der Bäumchen befestigt.

"Wir wollen der Natur etwas zurückgeben." Mario Gudenrath

Deshalb haben er und seine Frau sich auch gemeinsam dafür entschieden, nicht einfach irgendwelche Obstbäume auf der gut ein Hektar großen Wiese hinter dem Haus zu pflanzen, sondern gezielt vorzugehen. Gemeinsam mit Frank Steiner vom Naturschutzbund Schleswig-Holstein (NABU) haben sie den Boden analysiert - wo ist er eher sandig, wo eher feucht - und sich daraufhin für 90 Obstbäume entschieden. Äpfel, Zwetschgen, Renekloden, Kirschen und Birnen sollen künftig in einer bunten Mischung blühen - entgegen der Monokulturen in der Landwirtschaft. "Und bei den Äpfeln haben wir uns hauptsächlich für alte dithmarscher Sorten entschieden", sagt Sonja Gudenrath. Denn alte Sorten sind besonders robust - und an die Standorteigenschaften angepasst.

Äpfel der Sorte Celler Dickstiel an einem Baum. © NDR
AUDIO: Obstwiesenbesitzerin Esther Ristau im Interview mit NDR SH (3 Min)

NABU sucht passende Flächen und Bäume

Dass die Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer die passenden Obstbäume bekommen, darum kümmert sich Frank Steiner vom NABU. Seine Mission ist es, passende Flächen zu identifizieren, die in das Förderkonzept des NABU passen - denn bis auf einen Eigenanteil von 20 Euro je Baum finanziert der Naturschutzbund die Streuobstwiese. Für Frank Steiner liegt das Problem auf der Hand, schließlich sei durch die hohe Intensivierung der Landwirtschaft und den Pestizideinsatz wenig Platz vorhanden, beispielsweise für Insekten: "Nun brauchen wir also Refugien für Pflanzen und Tiere, die sich ansonsten eben immer mehr auf dem Rückzug befinden." Deshalb kontrolliert er auch immer wieder mal die einzelnen Flächen und schaut nach, wie sich die Streuobstwiese entwickelt.

Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Die Voraussetzungen für eine gesunde Streuobstwiese: Kein Einsatz von Kunstdünger. Weder Pflanzenschutzmittel noch sonstige Pestizide dürfen die Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer verwenden, sodass auch Mikroorganismen, Insekten und Pilze dort leben dürfen. Auch gemäht werden sollte die Wiese möglichst kaum, um bodenlebenden Insekten Raum und Platz zu bieten. Und sie bilden eine Nahrungsquelle für viele Vögel. Die meisten ihrer Früchte wollen Sonja und Mario Gudenrath zwar ernten - es sollen aber auch einige liegen bleiben, für Vögel und Insekten. Und auch die Anzahl der Bäume unterscheidet sich zwischen einer Obstplantage. Mit 90 Bäumen auf gut einem Hektar entspricht die Fläche in Nordhastedt der klassischem Streuobstwiese - wohingegen auf Obstplantagen bis zu 3.000 Bäume pro Hektar üblich sind.

Auch Streuobstwiesen brauchen Pflege

Gut drei Stunden brauche er je Baum allein für die Pflanzung, schätzt Mario Gudenrath: "Die Zeit darf man nicht unterschätzen." Hinzu kommt die Zeit für die Pflege wie Baumschnitt und Wässerung, die vor allem in den ersten Lebensjahren der Bäume wichtig seien. Aber das macht auch Spaß, findet Sonja Gudenrath, die auch am Baumschnittkurs teilgenommen hat, den Frank Steiner anbietet. Dabei hat sie gelernt, auf was genau zu achten ist - und wie Obstbäume optimal wachsen. "Aber als ich dann das erste Mal alleine vor dem Baum stand, war ich mir doch ein bisschen unsicher", erklärt sie lachend. Für das Ehepaar in Nordhastedt ist klar: Die Streuobstwiese hat viele Vorteile - und sie sind bereit, sich für diese Vorteile ins Zeug zu legen.

Weitere Informationen
Regionales Gemüse liegt gestapelt auf einem Wochenmarktstand © dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Verschwindet regionales Obst und Gemüse aus dem Supermarkt?

Der Bauernverband befürchtet das - wegen hoher Lohn- und Energiekosten. Die machten die Lebensmittel zu teuer. NDR.de hat nachgerechnet. mehr

Eine Nahaufnahme von einem Apfel, der an einem Baum hängt © NDR Foto: Astrid Wulf

Trotz reichlicher Ernte: Kein gutes Jahr für Apfelbauern

In Schleswig-Holstein ist die Apfelernte angelaufen. Doch steigende Energiekosten und billigere Ware aus dem Ausland machen es den Bauern schwer. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin Schleswig-Holstein – mit Mandy Schmidt und Horst Hoof | 28.04.2023 | 06:40 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Artenschutz

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Blechplatten zur Deckelproduktion bei der Firma Pano Verschluss GmbH. © NDR

Wasserstoff-Umstellung: Diese Probleme hat ein Betrieb aus Itzehoe

Der Verschlusshersteller Pano will in vier Jahren seine Trocknungsöfen mit Wasserstoff statt Erdgas betreiben. Wovon es abhängt, ob das klappt. mehr

Videos