Streit um Neubaugebiet in Bad Segeberg

Stand: 05.08.2021 07:18 Uhr

Viele Bauflächen gibt es in Bad Segeberg nicht mehr. Nun soll auf einer lange brachliegenden Grünfläche ein Neubaugebiet entstehen. Doch es regt sich Widerstand.

Bad Segebergs Bauamtsleiterin Antje Langethal möchte in der Stadt mehr Wohnraum schaffen. Doch dafür gibt es kaum freies Bauland, wie sie erklärt: "Wir haben hier den Großen Segebeger See, den Ihlwald, dann die Trave, die A20, insoweit wenig Flächen, die bereitgestellt werden können." 302 Parteien stehen auf ihrer Warteliste für Baugrundstücke.

Bad Segeberg boomt

Mittlerweile leben rund 17.600 Menschen in der Stadt. Das sind 1.100 mehr als noch vor zehn Jahren. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hoch.

VIDEO: Bad Segeberg: Anwohner besorgt über Planungen für Neubaugebiet (6 Min)

Familien suchen händeringend Wohnraum

Die Lösung könnte eine etwa 50.000 Quadratmeter große Grünfläche in Innenstadtlage sein - mit Wald und Wiese. Das Gelände ist ausgewiesene Baufläche, liegt aber seit Jahrzehnten brach. Jetzt sollen dort 180 Wohneinheiten für insgesamt 400 Menschen entstehen. Wie Bauamtsleiterin Antje Langethal erzählt, gibt es viele Familien, die händeringend Wohnraum suchen und zentral wohnen wollen. Außerdem gibt es nach ihrer Einschätzung Bedarf für Mehrfamilienhäuser, die auch barrierefreien Wohnraum bieten. Der Grund: Bad Segeberg hat eine alternde Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es für diese Menschen noch zu wenig barrierefreien Wohnraum.

Anwohner fürchten um Flora und Fauna

Doch noch hat die Politik die Pläne nicht beschlossen. Die Anwohnerinnen und Anwohner wollen das Vorhaben nicht so einfach hinnehmen. Sie haben bei der Stadt mehr als 30 Kritikschreiben eingereicht. Auch Ann-Christin Loi ist von den Plänen alles andere als begeistert: "Wir wohnen hier alle schon mehrere Generationen, jetzt will man hier die Wälder wegnehmen, obwohl wir im Klimanotstand sind. Dieser Wald ist ein Biotop. Dieser Wald ist so wichtig." Für sie ist der Fall deshalb klar." Wir haben hier so viele Vögel, Tiere, wir haben so viel Flora und Fauna, der Wald muss so bleiben, wie er jetzt ist." Umweltverbände sehen das ähnlich. Sie warnen vor dem Verlust von wertvollem Laub- und Mischwald. Seltene Tierarten wie Fledermäuse würden zudem einen wichtigen Lebensraum verlieren.

Hoffnung auf Einigung

Doch Bauamtsleiterin Antje Langethal beschwichtigt. Nach ihrer Darstellung hat die Stadt Gutachten und Stellungnahmen vorliegen, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Bebauung auch unter Berücksichtigung von Arten- und Naturschutz möglich ist. Knicks und einige Grünflächen sollen laut Bauuamt erhalten bleiben, die Waldflächen aber komplett weichen. Zwar gehen inzwischen auch die ersten Anwohner davon aus, dass eine Bebauung nicht komplett verhindert werden kann, sie hoffen jedoch, dass die Häuser kleiner ausfallen als bislang geplant.

Anwohner machen Unmut auf Info-Veranstaltung Luft

Am Mittwochabend lud die Stadt zu einer Info-Veranstaltung, um über die aktuellen Planungen zu informieren. Gleichzeitig machten mehrere Anwohner deutlich, welche Argumente aus ihrer Sicht gegen das Projekt sprechen. Der Bürgermeister von Bad Segeberg, Toni Köppen (WI-SE) , zeigte anschließend Verständnis für deren Unmut. Man werde die Einwände berücksichtigen, verspricht Köppen. Pläne könne man ändern. Die letzte Entscheidung liege bei der Politik, so der Bürgermeister. Über die aktuellen Pläne beschließt am Ende die Stadtvertretung. Einer der Anwohner hat allerdings auch schon einen Anwalt eingeschaltet.

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Dieses Thema im Programm:

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