Stand: 30.08.2019 18:49 Uhr

Senvion-Zerschlagung: Die Folgen für den Kreis

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Der Hafen in Rendsburg ist in die roten Zahlen gerutscht.

Der Verkauf des insolventen Windanlagenherstellers Senvion als Ganzes ist gescheitert, das Unternehmen wird zerschlagen. Das hat auch für den Kreis Rendsburg-Eckernförde Konsequenzen. Dort liegen die Standorte Büdelsdorf und Osterrönfeld. Allein in den 26 Millionen Euro teuren Schwerlasthafen in Rendsburg haben Kreis und Gemeinde einst 13 Millionen Euro investiert. Die Flächen am Hafen wurden nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein regelrecht maßgeschneidert, um den Windanlagenhersteller, der bis 2014 noch Repower Systems hieß, 2012 in den Bereich Rendsburg zu locken.

Das Unternehmen sei ein Aushängeschild für die Region gewesen, sagte Landrat Rolf-Oliver Schwemer (parteilos). Die Senvion-Krise nannte er "eine Zäsur". Nachdem man bereits in der Gewinnzone gewesen sei, schreibe nun auch der Hafen rote Zahlen, sagte der Aufsichtsratschef der Rendsburg Port Authority, Klaus Brunkert.

Rendsburger Gewerbegebiet auf Windkraft ausgelegt

Das Gewerbegebiet ist stark auf die Windkraftbranche ausgelegt. Zu den besten Zeiten waren neben den 400 Angestellten in der Senvion-Entwicklung auch noch 250 Angestellte des Windkraftzulieferers Max Bögl dort beschäftigt. Anlagenteile anderer Hersteller aus ganz Deutschland kamen am Schwerlasthafen an.

Nun stehen die Kräne dort still. Bei Max Bögl hat man auf Kurzarbeit umgestellt. Nach NDR Recherchen hat Senvion seit Jahren keine oder kaum Gewerbesteuer gezahlt - weil ganz einfach die Gewinne ausblieben. Die Krise in der Windkraftbranche spüren alle.

Der Hafenumschlag ist um die Hälfte zurückgegangen

Der Hafenumschlag ist inzwischen fast um die Hälfte zurückgegangen. "Im Moment brummt es eben nicht, weil die Windkraftbranche nicht brummt", sagte Hafen-Aufsichtsratschef Brunkert. Er kündigte an, dass jetzt nach Alternativen gesucht werde, um nicht mehr von der Windkraft abhängig zu sein - eine Idee sei der Containerumschlag. Osterrönfelds Bürgermeister Hans-Georg Volquardts (CDU) hofft offenbar auch noch auf eine Kehrtwende in Sachen Windkraft: "Tod ist so ein Begriff, der ziemlich endgültig ist. Ich würde mal sagen, das ist hier eine vorübergehende Brache."

Kreis gibt Land und Bund eine Mitschuld für die Krise

Die Verantwortlichen des Kreises Rendsburg-Eckernförde geben dem Windkraft-Moratorium im Land und der zögerlichen Windkraft-Politik im Bund eine Mitschuld für die Krise. Auch sie suchen nun mit Hochdruck nach neuen Unternehmen, die sich im Kreis ansiedeln lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.08.2019 | 19:30 Uhr

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