Stand: 31.05.2018 19:09 Uhr

Polizeiausbilder: Gründliche Ausbildung an der Waffe

Am Mittwochabend hat eine junge Polizeibeamtin in einem Intercity am Flensburger Hauptbahnhof einen Mann erschossen, der einen Mitreisenden mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben soll. Die 22 Jahre alte Frau erlitt ebenfalls Stichwunden. Sie hatte zufällig in dem Zug gesessen und war nach ersten Erkenntnissen zur Hilfe geeilt, als per Durchsage nach Polizisten an Bord gefragt wurde. Die Polizistin war privat unterwegs, trug aber ihre Dienstkleidung und eine Dienstwaffe. Mit der Waffe soll sie den mutmaßlichen Angreifer erschossen haben. Der Leiter der Aus- und Fortbildung an der Polizeischule Eutin (Kreis Ostholstein), Arne Dunker, erklärt, wie die Ausbildung mit Schusswaffen für junge Polizisten in Schleswig-Holstein abläuft. Die betroffene Polizistin kommt aus Bremen.

Ausbildung an Waffe mehrstufig

Laut Dunker basiert die Ausbildung angehender Polizisten im nördlichsten Bundesland auf mehreren Säulen: "Ganz vorne steht die Frage der rechtlichen Voraussetzungen: Unter welchen Bedingungen dürfen Polizeibeamte die Schusswaffe einsetzen?" Hinzu komme das Gebiet der Waffenkunde. Hier lernen die angehenden Polizisten laut Dunker, wie die Dienstwaffe funktioniert und wie sie zu handhaben ist. Ein dritter Bereich sei die Schießlehre, hier lernen die Jung-Polizisten die theoretischen Grundlagen, auf was beim Schießen zu achten ist. Erst wenn die Polizisten alles über diese Bereiche im Unterricht behandelt haben, beginnt dem Ausbilder zufolge das Schießen selbst.

Berufsethik wichtiger Teil der Ausbildung

Bereits in der Grundausbildung werden die Berufseinsteiger im Bereich der Berufsethik ausgebildet. "Das heißt, wir bringen die Auszubildenden damit in Verbindung, was die Schussabgabe für einen Polizeibeamten bedeutet", erklärt Dunker. In diesem Teil der Ausbildung würden die jungen Polizisten mit einer Situation konfrontiert, in der sie dann entscheiden müssten, ob sie schießen würden oder eben nicht. "Damit führt man ihnen vor Augen, was es mit ihnen macht, wenn sie schießen müssten", sagte der Ausbilder.

Polizeibeamte erhalten Unterstützung

Wenn Polizisten schießen müssen und mit den Folgen zu kämpfen haben, gibt es ein breit aufgestelltes System zur Unterstützung. Ein Teil davon ist Dunker zufolge ein Betreuer für belastende Einsätze, der sich auch bei schweren Verkehrsunfällen und Gewalttaten kümmert. Hinzu kommen laut dem Ausbilder Polizeipsychologen und Polizeiseelsorger.

Weitere Informationen

Neue Zeugenaussagen: Polizistin direkt angegriffen

Der tödliche Vorfall im Flensburger Bahnhof stellt sich nach neuesten Polizeiinformationen völlig anders dar als bisher gedacht. Nach ersten Zeugenaussagen gab es einen direkten Angriff. mehr


04.06.2018 12:59 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatte Arne Dunker, Ausbildungsleiter der Polizeischule in Eutin, gesagt, dass in Schleswig-Holstein die Dienstwaffe nur im Dienst dabei sei. Diese Aussage wurde vom Landespolizeiamt korrigiert. "Polizeibeamte sind nach Abschluss der Ausbildung und Nachweis der erforderlichen Schießleistungen berechtigt, ihre Schusswaffe auch außerdienstlich zu führen", sagte der Sprecher der Landespolizei, Torge Stelck.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 31.05.2018 | 16:16 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:47
Schleswig-Holstein Magazin

A7-Ausbau steht vor dem Abschluss

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:31
Schleswig-Holstein Magazin

Informationsbesuch an der Schleusenbaustelle

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:34
Schleswig-Holstein Magazin

Immobilienatlas: Preise steigen weiter

13.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin