Stand: 31.08.2019 10:44 Uhr

Besucher werfen ersten Blick auf sanierte "Peking"

von Kai Peuckert

Die "Peking" steht im Hafen von Wewelsfleth bei strahlender Sonne. © NDR Foto: Kai Peuckert
Seit zwei Jahren wird die "Peking" auf der Peters Werft in Wewelsfleth kernsaniert.

Das erste Mal seit dem Verlassen des New Yorker Museumshafens vor rund zweieinhalb Jahren öffnet die "Peking" wieder ihre Gangway für Besucher. 50 Schiffsbegeisterte haben für die exklusive Führung auf der Viermastbark bezahlt. Als die Gruppe das Gelände der Wewelsflether Peters Werft gegen 17.30 Uhr erreicht, hat sie bereits eine achtstündige Fahrt mit der MS Bleichen von Hamburg elbabwärts bis nach Brunsbüttel hinter sich und von dort eine Busfahrt zur Werft im Kreis Steinburg. Als der Tross aussteigt, sieht man schon das ein oder andere müde Auge. Doch als sie die Masten des Traditionsseglers sehen, sind alle wieder hellwach, zücken ihre Handys und Kameras und schießen Fotos von dem Postkartenmotiv. Angeführt werden sie von Mathias Kahl, dem Vorsitzenden des Vereins "Freunde der Peking". "Es ist für mich ein großes Glück, dass man aus diesem Schrotthaufen, der das Schiff mal war, sowas wunderbares gemacht hat."

"Das Deck der 'Peking' war völlig verrottet"

Seit 25 Monaten wird die Viermastbark in Wewelsfleth wieder flott gemacht. Bis auf einige Rahen - Querstangen an den Masten - wurde die komplette Takelage erneuert. Der Rumpf ist kernsaniert, unzählige Stahlplatten wurden erneuert, es wurde geschliffen und gestrichen. Mit Schrecken erinnert sich Kahl an die Peking von 2017 zurück. "Das Deck war völlig verrottet, es war klitschnass. Wir hätten auch eine Moorlandschaft oder eine Gärtnerei daraus machen können", erzählt er einigen Besuchern, während er die Gangway der Peking hinaufgeht.

Frachtsegler mit lebhafter Geschichte

"Das gesamte Stahldeck ist völlig neu", erklärt Kahl den Besuchern. Es sei so verrostet gewesen, dass man es nicht mehr habe betrerten können. Kahl hat eine ganz besondere Beziehung zum Schiff, sein Vater ging 1928 als 15-Jähriger an Bord und segelte drei Jahre lang auf dem sogenannten Flying P-Liner, der 1911 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss vom Stapel gelaufen war und zwischen der Hansestadt und Chile pendelte. 1932 wurde die "Peking" nach England verkauft und als stationäres Schulschiff genutzt. Ab 1975 war sie im New Yorker Museumshafen zu besichtigen. Mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung wurde sie schließlich wieder nach Deutschland geholt.

Zwei Toiletten für 42 Kadetten

Winfried Elson besichtigte die "Peking" schon einmal 2015 in New York. Damals war er schockiert vom erbärmlichen Zustand des Schiffes. Heute ist der Hamburger beeindruckt von der Qualität der Werftarbeiten. Ganz genau sieht er sich im ehemaligen Mannschaftsraum um. 42 Kadetten lebten hier auf engem Raum im Heck, für alle gab es insgesamt nur zwei Toiletten. Und mitten drin - damals wie heute - die RuderanIage, die noch im Originalztustand ist. Auch die Nieten, die das Schiff in diesem Bereich zusammenhalten, wurden wiederverwendet und sind inzwischen fast 120 Jahre alt.

2020: Nach 88 Jahren zurück in den Heimathafen

Die "Peking" hat inzwischen alle in ihren Bann gezogen, einige fotografieren, andere schauen fasziniert an den Masten hinauf, aber die meisten hören weiterhin den Erklärungen von Mathias Kahl zu - und erfahren so, dass das Deck noch verschönert wird und Planken aus dem Holz der Oregon pine ausgelegt werden. Jürgen Bade freut sich, dass er bald nicht mehr nach Lübeck zum Schwesterschiff "Passat" fahren muss, wenn er einen solchen Segler sehen will. Der Hamburger ist Mitglied im Verein "Freunde der Peking". Seine Begeisterung für große Frachtsegler hat er von seinem Opa geerbt, der um Kap Horn gesegelt ist. Richtig vorstellen kann er sich noch nicht, wie alles aussehen wird, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Aber lange soll es nicht mehr dauern, bis die "Peking" nach 88 Jahren wieder in ihren alten und neuen Heimathafen Hamburg zurückkehren wird. Im Mai 2020 soll das Schiff die Werft in Wewelsfleth verlassen.

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Schwarzweiß-Aufnahme der Stahlbark "Peking" in der Elbmündung, im Hintergrund ein Dampfschiff. © dpa Foto: Hans Hartz

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Ein Mann schaut auf das Ausdocken der historischen Viermastbark "Peking" aus der Peters-Werft. Das Schiff wurde im Juli und August 2017 zur Restaurierung nach Deutschland überführt und wird voraussichtlich 2020 im Hamburger Hafen einen Liegeplatz bekommen. © dpa Foto: Axel Heimken

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.08.2019 | 19:30 Uhr

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