Stand: 26.02.2020 05:00 Uhr

Nordfriesland: Rettungsdienst testet Mini-Wache

von Nils Hansen

Nordfriesland - flaches Land, traumhafte Landschaft und die salzige Nordsee direkt vor der Nase. Dort zu leben ist für viele ein Traum. In manchen Teilen des Kreises kann es allerdings deutlich weniger schön werden, wenn schnell medizinische Hilfe benötigt wird. Denn bis ein Rettungswagen beim Patienten ist, dauert es dort häufig zu lange. Zum Beispiel auf Nordstrand: Die nächstgelegene Rettungswache steht in Husum. Manchmal braucht der Rettungswagen von dort aus 15, manchmal sogar 20 Minuten: Das ist zu lange, wenn es um Leben und Tod geht - und länger als gesetzlich vorgesehen. In zwölf Minuten sollen die Retter da sein. Ein einzigartiges Projekt soll hier nun Abhilfe schaffen.

Sanitäter mit Rettungskombi am Damm

Der wichtigste Bestandteil dieses Vorhabens steht in einem Carport auf einem Bauernhof in Wobbenbüll, direkt am Damm nach Nordstrand: ein kleiner Kombi, ausgerüstet mit dem wichtigsten Equipment zum Leben retten - ein Rettungseinsatzfahrzeug (REF). Ein Notfallsanitäter fährt damit auf die Insel, wenn dort ein Notruf abgesetzt wird. Zeitgleich startet der Rettungswagen in Husum - bis der da ist, übernimmt der Sanitäter mit dem Rettungskombi die Versorgung.

60 Einsätze seit Jahresbeginn

An diesem Morgen ist Lars Nahnsen der Rettungsdienst-Außenposten auf dem Bauernhof. Um sieben Uhr beginnt seine Zwölf-Stunden-Schicht. Nahnsen prüft zuerst die Geräte im Kofferraum des kleinen Rettungskombis in Wobbenbüll vor Nordstrand. EKG-Gerät, Beatmungsgerät, Absaugpumpe, alles piept einmal auf und ist einsatzbereit. Alleine an diesem Vormittag benötigen die Menschen auf Nordstrand drei mal einen Krankenwagen – und somit schnelle Hilfe von Nahnsen. An manchen Tagen müsse der Notfallsanitäter vier oder fünf mal raus, manchmal gar nicht, sagt Nahnsen. Seit Anfang Januar mussten Nahnsen und seine Kollegen 60 Mal nach Nordstrand ausrücken. Er sagt, er habe seit dem Projektbeginn zu Jahresanfang zwei Leben gerettet.

Rettungsstation in einer Ferienwohnung

Wenn er nicht im Einsatz ist, hält sich Nahnsen in einer provisorischen Rettungswache auf - eine kleine Ferienwohnung auf dem Hof. Sie ist spärlich eingerichtet, mit kleinem Bad, Bett, Couch und Fernseher. Außerdem gibt es ein Büro. An einem Tablet kann Nahnsen nach dem Einsatz die Berichte schreiben.

In den wenigen Minuten, in denen der Rettungswagen noch nicht da ist, muss Nahnsen alles geben. "Die größte Herausforderung ist es, keine helfende Hand zu haben", sagt er. Equipment müsse er selbst schleppen, alle Behandlungen am Patienten alleine durchführen. Brenzlig werde es dann, wenn zwei oder mehr Menschen versorgt werden müssen. Dazu sei es aber bisher nicht gekommen.

Nächster Außenposten in Südtondern

Die Mini-Rettungstation am Damm nach Nordstrand ist nur ein Teil des Testprojekts, das drei Jahre lang läuft. Noch in diesem Sommer soll ein zweiter Außenposten in Nordfriesland entstehen: In Südtondern soll ein weiteres REF stationiert werden - in Waygaard, einem Ortsteil von Dagebüll. Doch der Fachkräftemangel erschwert das Vorhaben, berichtet Projektleiter Jens-Peter Lindner vom Kreis Nordfriesland. Denn: In den Außenposten werden nur erfahrene Notfallsanitäter stationiert. Die fehlen dann aber in den Hauptwachen. Dafür müssen also neue Sanitäter gefunden werden, doch die seien schwer zu finden, sagt Linder.

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Dieses Thema im Programm:

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