Stand: 11.04.2018 21:42 Uhr

Nonnengänse fressen Schafen das Gras weg

Schafe fressen gern Gras, Nonnengänse auch. Für Schäfer Ingo Plath aus Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) ist das ein großes Problem, denn rund 3.000 dieser Vögel suchen ihre Nahrung ausgerechnet dort, wo seine 800 Schafe weiden sollten: auf zwei großen Weiden neben seinem Grundstück im Deichvorland. Zurzeit fressen sich dort die Nonnengänse Fettreserven an, bis sie Mitte Mai in ihr Brutgebiet im Norden Russlands weiterfliegen. "Es werden jedes Jahr mehr Gänse hier", beobachtet Plath. Ihm bescheren die Tiere mehr Arbeit und höhere Kosten. Denn verjagen oder vergrämen darf der Schäfer die früher vom Aussterben bedrohten Nonnengänse nicht, weil sie unter Naturschutz stehen.

"Poolflächen" als Notlösung

In den 50er-Jahren wurden im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 15.000 dieser Tiere gezählt, mittlerweile sind es rund 200.000 - Tendenz steigend. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte dazu bei Schleswig-Holstein 18:00: "Was für die Landwirtschaft eine Drucksituation ist, ist aus Naturschutzsicht natürlich auch ein Erfolg."

Auf Plaths Weiden kommen die Gänse, weil sie im benachbarten Naturschutzgebiet nicht genug Futter finden, denn auf den Salzwiesen dort wächst das Gras langsamer. Von dem Problem sind laut Habeck auch Halligbewohner und Ackerbauern auf Pellworm betroffen. Mit einem "Gänsemangement" steuert sein Ministerium gegen. Für Flächen, die Schäfer nicht nutzen können, bekommen sie einen finanziellen Ausgleich. Außerdem wurden sogenannte Poolflächen geschaffen - das sind Weideflächen weiter im Binnenland.

Bis zu 15.000 Euro Mehrkosten

Dort können die Schafe stehen, bis das Gras auf Plaths Flächen nachgewachsen ist. Für den Landwirt bedeutet das eine Menge Aufwand: "Ich fahre Richtung Osten 40 Kilometer, Richtung Norden 40 Kilometer und auf jede Weide kommen so 50 bis 100 Schafe rauf - da muss ich ein paar mal fahren", erklärt Plath. Durch diese Pendelei kommen laut Plath insgesamt rund 36.000 Kilometer im Jahr zusammen, denn seine Tiere sind auf 14 Flächen verteilt und er besucht sie täglich. Hinzu kommen Kosten für Kraftfutter. Der Schäfer muss mehr Silage bergen, mehr Stroh machen und auch mehr Stallplatz vorhalten. "10.000 bis 15.000 Euro kostet das insgesamt im Jahr mehr", erklärt Plath.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.04.2018 | 19:30 Uhr

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