Stand: 22.08.2019 15:30 Uhr

NS-Vergangenheit: Folgestudie beleuchtet Netzwerk

Der Schleswig-Holsteinische Landtag setzt die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Land fort. 2016 war eine umfangreiche Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass ehemalige Nationalsozialisten die Landespolitik bis in die 1980er-Jahre hinein prägten. Die Folgestudie, die am Donnerstag vorgestellt wurde, soll nun mögliche Netzwerke beleuchten.

Die Studie soll untersuchen, ob es neben vorbelasteten Einzelpersonen, die in der ersten Studie identifiziert wurden, auch Netzwerke in Politik, Justiz und Verwaltung gab. Projektleiter Uwe Danker von der Europa-Universität spricht von einem immensen Aufwand, den er gemeinsam mit seinem zehn Mitglieder starken Team betreibt.

Personen in bedeutenden Funktionen im Fokus

"Die Daten von 491 Menschen werden dafür abgeglichen, systematisiert und neu bewertet", sagt Danker. "Es ist eine Aktenwühlerei, die zur Zeit stattfindet. Ich sehe die Datenbank wöchentlich wachsen, aber ich kann erst damit arbeiten, wenn alle Recherchen abgeschlossen sind." Die von Danker genannten 491 Personen sind Menschen, die in Polizei, Landesverwaltung, Justiz und Kommunalpolitik in der Nachkriegszeit bedeutende Funktionen hatten.

Folgestudie soll auch auf Kommunalpolitiker gucken

Auf kommunaler Ebene werden die Kommunalparlamente und die politischen Spitzen in der Stadt Flensburg und im damaligen Landkreis Süderdithmarschen für die Stichjahre 1948 und 1955 überprüft. Es soll beleuchtet werden, wie der Landtag, seine Ausschüsse und die in der NS-Zeit unterschiedlich grundorientierten Landtags-Mitglieder miteinander umgingen und kommunizierten.

Weitere Informationen

War Opa ein Nazi? Die NS-Zeit im Rückblick

Wie erinnern sich Familien heute an die Zeit des Nationalsozialismus? Die Sozialwissenschaftlerin Sabine Moller hat sich in ihrem Buch "Opa war kein Nazi" mit dieser Frage beschäftigt. mehr

Die Ergebnisse der Folgestudie sollen dem Landtag Ende 2020 vorgestellt werden. Für die Aufarbeitung wurden insgesamt 200.000 Euro im Haushalt veranschlagt.

Viele Landespolitiker mit NS-Vergangenheit

Ein Team um Historiker Danker hatte bereits vor drei Jahren im Auftrag des Landtags die NS-Belastungen von Landespolitikern unter die Lupe genommen. Demnach hatten 36 Prozent aller Landtagsabgeordneten von 1946 bis 1982, die vom Alter dafür infrage kamen, der NSDAP angehört. Bei den Regierungsmitgliedern waren es nach 1950 sogar zwei Drittel, bei den Staatssekretären mehr als 80 Prozent.

Weitere Informationen

Die braunen Jahrzehnte im Kieler Landeshaus

27.04.2016 19:30 Uhr

Im Auftrag des Landtages haben Historiker der Uni Flensburg die Biografien von Nachkriegspolitikern auf eine mögliche NS-Vergangenheit untersucht. Das Ergebnis ist erstaunlich. mehr

Lübecks Straßen und die Schatten der Vergangenheit

31.01.2019 07:00 Uhr

In Lübeck wird seit Jahren über den Umgang mit historisch belasteten Straßennamen diskutiert. Die Bürgerschaft soll entscheiden, ob einige Straßen umbenannt werden. mehr

Norddeutsche Geschichte - Eine Chronologie

Piraten im Mittelalter, der Zweite Weltkrieg oder die Barschel-Affäre: Per Mausklick können Sie spannende historische Momente nacherleben - von der Frühzeit bis heute. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.08.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:39
Schleswig-Holstein Magazin
03:03
Schleswig-Holstein Magazin
03:50
Schleswig-Holstein Magazin