Stand: 19.08.2019 15:19 Uhr

Mutmaßlicher Kindesmissbrauch: Prozess fortgesetzt

Der Prozess gegen einen Mann aus dem Kreis Segeberg wegen schwerem Kindesmissbrauch und Vergewaltigung in mindestens 17 Fällen ist fortgesetzt worden. Der ehemalige Leiter einer Cuxhavener Jugendeinrichtung muss sich weiter vor der Jugendkammer des Landgerichts Kiel verantworten. Das Gericht wies einen Antrag der Verteidigung auf Aussetzen des Verfahrens zurück. Die Anwälte hatten der Staatsanwaltschaft einseitige Ermittlungen und Unvollständigkeit der Ermittlungsakten vorgeworfen. Der Vorsitzende Richter Stefan Becker sagte, die Anklage genüge den gesetzlichen Voraussetzungen.

Am Montag wurde die Anklage verlesen und zwei Zeugen vernommen. Während der Verhandlung attackierte die Verteidigung die Staatsanwältin verbal und beantragte erneut die Aussetzung des Verfahrens. Darüber will das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Kinder der Lebensgefährtin offenbar besonders betroffen

Dem Angeklagten werden 17 Taten vorgeworfen, 13 davon wertet die Anklägerin als schwer, zwei auch als Vergewaltigung. Von den Übergriffen war laut Staatsanwaltschaft besonders die Tochter der Lebensgefährtin des Mannes betroffen. Auch deren Bruder blieb offenbar nicht verschont. Den Angaben zufolge wusste die Mutter nichts von den Taten. Der 46-Jährige soll außerdem einen Jungen aus der Jugendschutzeinrichtung in Cuxhaven missbraucht haben, die der Mann mehrere Jahre geleitet hatte.

Er war von mindestens 2012 bis Anfang 2018 Leiter der Einrichtung der Cuxhavener Jugendfürsorge für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Im Februar 2018 wurde er nach Strafanzeigen suspendiert. Seit Anfang dieses Jahres sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück

Zu Prozessbeginn hatte er seine Unschuld beteuert. Nach Angaben der Verteidiger enthalten die Akten unter anderem "absurde" Angaben eines Jungen aus der Jugendeinrichtung. Demnach soll sich der Angeklagte an ihm rund anderthalb Jahre lang schwer vergangen haben. Das wären rund 500 Fälle und zeige, wie hanebüchen und absurd die Vorwürfe seien, sagte ein Verteidiger. Diese Vorwürfe seien aber nicht Gegenstand der Anklage, stellte eine Gerichtssprecherin klar. Der Angeklagte bestreitet die Taten.

Urteil im Oktober?

Die Jugendkammer des Landgerichts hat 13 Verhandlungstage und etliche Zeugen vorgesehen. Auch zwei Psychologinnen sind als Sachverständige hinzugezogen. Das Urteil könnte demnach Ende Oktober fallen. Da der Mann die Vorwürfe bestreitet, müssen die betroffenen Kinder wahrscheinlich vor Gericht vernommen werden.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.08.2019 | 15:00 Uhr

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