Mieterbund: Mehr Kündigungen wegen vorgetäuschten Eigenbedarfs

Stand: 19.06.2021 17:03 Uhr

In Büdelsdorf, Eckernförde, Heikendorf, Kiel und Rendsburg gab es am Sonnabend Plakataktionen für mehr bezahlbaren Wohnraum.

Hintergrund der Aktionen in Schleswig-Holstein ist ein bundesweiten Aktionstag, bei dem der Mieterbund gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund einen Mietenstopp für sechs Jahre fordert. Die Mieten in Schleswig-Holstein seien teilweise um mehr als 40 Prozent gestiegen, sagt die Geschäftsführerin des Mieterbundes in Kiel, Ann Sophie Mainitz. Wie dramatisch die Lage sei, zeige sich bei Fällen, die durch den Mieterbund vertreten werden. Laut Mainitz häufen sich fragwürdige Eigenbedarfskündigungen.

Gekündigt und teurer neu vermietet

Geschehen ist das Michael Fehr und seiner Frau. Ihre 120-Quadratmeter-Wohnung in Kiel wurde ihnen gekündigt, wegen Eigenbedarf. Über Bekannte fanden sie eine neue Wohnung, die 70 Quadratmeter groß war. Wegen der Preissteigerungen konnten sie eine größere Wohnung nicht mehr bezahlen. Ihre alte Wohnung entdeckte das Paar knapp ein Jahr später auf einer Immobilienplattform wieder. Es war kein Familienmitglied des Eigentümers eingezogen. Stattdessen wurde die Wohnung nun für 500 Euro mehr zur Miete angeboten.

Vorgetäuschter Eigenbedarf

Der Vorsitzende von Haus und Grund Schleswig-Holstein, Alexander Blazek, spricht von Einzelfällen, wenn man ihn zu Fällen wie diesem befragt. Mainitz dagegen sagt, bei ihr würden immer wieder ähnliche Fälle landen. Sie spricht von vorgetäuschtem Eigenbedarf. Doch das zu beweisen sei kaum möglich. Prozesse seien häufig aussichtslos.

Laut Mainitz kommt es auch immer häufiger vor, dass Vermieter kleine Renovierungen vornehmen und die Miete anschließend deutlich erhöhen. Tatsächlich tun kann Ann Spohie Mainitz oft nicht viel. Der Mietenstopp ist nach Ansicht von Mainitz aber immerhin ein Weg, damit solche Fälle in der nächsten Zeit nicht zunehmen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.06.2021 | 12:00 Uhr

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