Lübecker Wissenschaftler bringen Drohnen das Denken bei

Stand: 18.11.2021 05:00 Uhr

Drohnen, die selbst fliegen, könnten in Zukunft lebenswichtige Zeit sparen oder gefährliche Arbeiten für uns verrichten. An der Umsetzung dieser Ideen arbeiten zurzeit Forscher der Uni Lübeck.

Auf dem Flugplatz Lübeck läuft der Versuch von Professor Georg Schildbach und seinem Forschungsteam. Sie wollen testen, was künstliche Intelligenz an Anwendungsmöglichkeiten bei Drohnen bringen kann. Die Drohne startet voll autonom und nähert sich den aufgebauten Türmen und Windkraft-Attrappen. "Die Drohne soll künftig von einem Schiff starten und dann selbstständig Offshore-Windparks abfliegen und per Infrarotscan die Rotorblätter auf Materialermüdung kontrollieren", erklärt Schildbach.

Starker Wind soll die Drohne nicht stören

Wenn solch eine Drohne bis auf wenige Meter an die Rotorblätter eines Windrades heran fliegen muss, darf sie natürlich nicht kaputt gehen. Künstliche Intelligenz mache es möglich, sagt der Lübecker Forscher, den Robot-Fliegern sozusagen das Denken beizubringen. Dann könnte die Drohne zum Beispiel bei einem starken Windstoß reagieren oder auch selbst entscheidet, welche Schäden und Stellen sie genauer untersucht. Bisher laufen diese Wartungen noch manuell ab. Um die Autonomie zu testen, gibt es die Versuchsflüge im Attrappen-Park in Lübeck. Die Drohne lernt mit jedem Einsatz, indem sie Daten speichert, versichern die Forscher.

Patientendaten vom Unfallort in die Klinik schicken

Wo könnte eine Drohne noch zum Einsatz kommen? Bei Notfällen. Sie könnte bei einem Rettungswagen-Einsatz unterstützen und Patientendaten vom Unfallort in die Klinik schicken. Jonas Friedemann Gruner, Ingenieur aus dem Forscherteam, erklärt: "Generell soll die Drohne vom Dach des Rettungswagens starten. Das heißt, sie soll sich erst einmal orten und dann einen Empfang zum öffentlichen Mobilfunknetz finden, damit wir da dann eine stabile Verbindung zur Klinik herstellen." Ziel sei, dass die Drohne das komplett autonom macht, damit sich die Sanitäter auf ihren Einsatz konzentrieren können.

Pizza per Drohne?

In spätestens zwei Jahren wollen die Forscher funktionsfähige Prototypen fertigen. Bis sie zum Beispiel in sicherheitskritische Bereiche der Medizin vordringen, wird es laut Georg Schildbach von der Uni Lübeck aber noch dauern. In der Landwirtschaft, Logistik oder bei Lieferservices könnte es schneller klappen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 17.11.2021 | 19:30 Uhr

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