Stand: 19.03.2017 10:25 Uhr  | Archiv

Krümmel: Endgültiges Aus nach Pannenserie

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Seit 2011 ist das Atomkraftwerk Krümmel nicht mehr am Netz.

In Geesthacht, 30 Kilometer südöstlich von Hamburg, befindet sich das Kernkraftwerk Krümmel. Nach knapp zehn Jahren Bauzeit erfolgte dort am 14. Oktober 1983 die erste kontrollierte Kernspaltung. Der kommerzielle Leistungsbetrieb startete am 28. März 1984. Inzwischen ist der Meiler vom Netz.

Angesichts der Atomkatastrophe in Japan hatte die Bundesregierung im Frühjahr 2011 die Notbremse gezogen: In Deutschland wurden die ältesten Atommeiler für drei Monate abgeschaltet, darunter auch Krümmel. Kurz darauf entschied der Bundestag, dass das Kernkraftwerk, so wie unter anderem auch das AKW Brunsbüttel, gar nicht mehr ans Netz gehen wird.

Einst stärkster Siedewasserreaktor der Welt

Der Siedewasserreaktor Krümmel hatte eine Nettoleistung von 1.346 Megawatt - nach Betreiberangaben stellte die Anlage damit den leistungsstärksten Siedewasserreaktor der Welt dar. Beherrschende Bauwerke sind das mehr als 100 Meter lange Maschinenhaus und das direkt daran angrenzende Reaktorgebäude. Das Wasser für den Kühlkreislauf wurde der Elbe entnommen und mechanisch gereinigt und mit Sauerstoff angereichert wieder in die Elbe eingeleitet. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Zwischenlager, in dem seit 2006 Castor-Behälter mit Atommüll aus dem Meiler untergebracht wurden. Auf dem Gelände des AKW stand früher eine Dynamitfabrik, die der schwedische Chemiker Alfred Nobel Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet hatte. 1910 galt das Werk als die größte Sprengstofffabrik in Europa.

Milliardenklage des Betreibers wegen Stilllegung

Betreibergesellschaft des AKW ist die Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co. KG. Vattenfall und E.ON Kernkraft halten jeweils 50 Prozent der Gesellschafteranteile, Vattenfall ist verantwortlich für den Kraftwerksbetrieb.

Ähnlich wie beim Kraftwerk in Brunsbüttel gab es auch in Geesthacht 2007 eine Pannenserie. Ende Juni 2009 wurde der Reaktor nach zweijährigem Stillstand wieder angefahren. Innerhalb weniger Tage kam es jedoch neuen Problemen, sodass der Betreiber das Kraftwerk wieder vom Netz nehmen musste. Wegen der erzwungenen Stilllegung der Meiler Krümmel und Brunsbüttel verklagte Vattenfall die Bundesrepublik Deutschland insgesamt auf 4,7 Milliarden Euro Schadenersatz.

Auffällige Häufung von Leukämie-Fällen

Der Meiler in Geesthacht war auch wegen mehrerer Krebsfälle in der Nachbarschaft immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Einer Studie des Kinderkrebsregisters zufolge haben Kinder, die in der Nähe des Atomkraftwerkes Krümmel leben, ein deutlich höheres Risiko, Leukämie zu bekommen als in anderen Teilen der Bundesrepublik. Seit 1989 erkrankten in der Elbmarsch mehrere Kinder an Leukämie.

Der Beweis, dass die Erkrankungen durch das Atomkraftwerk ausgelöst wurden, fehlt aber nach Expertenmeinung nach wie vor. Berichte, wonach es einen nicht veröffentlichten Unfall in der atomaren Forschungsanlage GKSS gegeben habe, wurden von den Betreibern stets dementiert.

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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 15.12.2016 | 08:38 Uhr

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