Stand: 10.01.2020 19:21 Uhr

Kohlekraftwerk Wedel: Neue Gutachten zu Partikeln

Sind die Partikel, die das Kohlekraftwerk Wedel (Kreis Pinneberg) ausstößt, schädlich oder nicht? Während sich viele Anwohner sicher sind, dass die Partikel unter anderem für Lackschäden auf ihren Autos verantwortlich sind, hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) jetzt zwei neue Gutachten vorgelegt, die das Gegenteil behaupten. Demnach besteht kein Zusammenhang zwischen den Schäden auf Glasdächern und Autolacken in Wedel und den Partikeln des Kraftwerks. Auch gesundheitsschädlich seien die Partikel nicht.

Bürgerinitiative zweifelt Untersuchungen an

Kerstin Lükow von der örtlichen Bürgerinitiative zweifelt die neuen Untersuchungen jedoch an. Die Methoden, mit denen die Untersuchungen durchgeführt wurden, seien nicht aussagekräftig, sagte sie NDR Schleswig-Holstein. Das Landesamt ignoriere außerdem zahlreiche Gutachten, die die ätzende Wirkung der Partikel nachgewiesen hätten.

Ein Gutachten des IFO-Instituts, das die Anwohner in Auftrag gegeben hatten, wies genau das nach. Die Wedeler Grünen forderten daraufhin das LLUR als Aufsichtsbehörde auf, das Kraftwerk abzuschalten. Doch das dem Umweltministerium untergeordnete LLUR zweifelte das Gutachten an.

ph-Werte laut anderem Gutachten gefährlich

Im Mai und August vergangenen Jahres waren in den Schornsteinen des Kraftwerks pH-Werte von 1,9 und 1,6 gemessen worden. Nach einem Gutachten von 2017 gilt ein Wert von unter 2 als ätzend für die Haut. Er kann demnach schwere Augenschäden verursachen. Dieses Gutachten hatte der frühere Betreiber Vattenfall selbst in Auftrag gegeben. Laut der neuen Gutachten des LLUR ist die Gesundheit der Menschen durch den Partikelausstoß aber nicht gefährdet.

Betreiber soll für Teil der Schäden aufkommen

Der Kraftwerksbetreiber Wärme Hamburg soll aus Kulanz trotzdem für einen Teil der Sachschäden aufkommen. Das haben Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) und sein Hamburger Kollege Jens Kerstan (Grüne) vereinbart. Außerdem soll das Kohlekraftwerk schnellstmöglich abgeschaltet werden - spätestens wenn die geplante Alternative für die Wärmeversorgung des Hamburger Westens umgesetzt ist. Laut Kerstan muss das Kraftwerk noch bis mindestens 2023 Fernwärme liefern.

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Schleswig-Holstein Magazin | 10.01.2020 | 22:00 Uhr

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