Stand: 31.01.2019 21:05 Uhr

Kliniken sichern Spuren von Gewalt vertraulich

Wenn Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt die Täter zur Rechenschaft ziehen wollen, sind Spuren enorm wichtig. Aber nicht immer wollen die Opfer direkt Anzeige erstatten oder entscheiden sich erst spät dazu. Damit die Spuren dennoch nicht verloren gehen, gibt es in Schleswig-Holstein seit vier Jahren eine vertrauliche Spurensicherung. Opfer können sich an die Uni-Kliniken in Kiel oder Lübeck sowie an das Uni-Klinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg wenden. Das UKE ist für den Bereich der schleswig-holsteinischen Westküste und Südholstein zuständig. Am Universitätsklinikum in Kiel wurde am Donnerstag eine erste Bilanz des Projekts vorgestellt.

Oft steht Aussage gegen Aussage

Rechtsmediziner aus Kiel und Lübeck koordinieren das Projekt. Sie zeigen ihren Kollegen, wie Spuren fachgerecht gesichert werden müssen. 20 Jahre werden sie dann gespeichert, denn sie können zu wichtigen Beweisen werden. "Die meisten Delikte im Rahmen der häuslichen Gewalt oder überhaupt Gewalttaten passieren nur face to face. Das heißt, unabhängige Dritte, Zeugen im weitesten Sinne, sind oftmals nicht vorhanden. Dann haben wir, wenn ein Täter bestreitet, oftmals das Problem: Aussage gegen Aussage", sagt Axel Bieler, Oberstaatsanwalt in Kiel.

Viele sind zur Anzeige nicht bereit

Viele Frauen seien oftmals nicht oder noch nicht bereit, eine Anzeige zu machen, weiß Nadine Wilke-Schalhorst, Fachärztin für Rechtsmedizin. Denn eine Anzeige kostet Mut und Kraft. "Wir kennen Frauen, die kommen gezielt zu uns. Die haben über Jahre Gewalt erlebt, kommen immer wieder hierher, mit gar nicht unerheblichen Verletzungen und lassen sich aber jedes Mal die Verletzungen dokumentieren", so Wilke-Schalhorst. Das ist wichtig, denn die Spuren von Gewalt verschwinden nach einiger Zeit und sind damit nicht mehr nachweisbar. Das Projekt, das vom Land mit 400.000 Euro jährlich gefördert wird, schult die Ärzte, stattet die Krankenhäuser mit Kameras aus und mit Material, um DNA-Abstriche zu machen.

Daten werden anonym gesichert

Die Anonymität steht bei der Spurensicherung im Vordergrund. Die Opfer müssen keine Angaben zum Namen machen. Mit einem speziellen Code werden die Daten bei der Rechtsmedizin gesichert. Ein entscheidender Unterschied zur Polizei. Denn wenn die Ermittler von einer Gewalttat erfahren, sind sie verpflichtet zu ermitteln.

Immer mehr Opfer machen von dem Angebot der vertraulichen Spurensicherung Gebrauch. Rund 700 Betroffene waren es seit Projektbeginn. Doch nicht immer kommt es danach auch zur Anzeige. Deswegen will Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) das Projekt durch Kampagnen bekannter machen - auch in ländlichen Gebieten.

"Wir wollen dafür sorgen, dass mehr Frauen und Kinder in Schleswig-Holstein von dem Projekt Kenntnis haben, dass sie ihre Daten anonymisiert sichern können. Und dass man sich auch möglicherweise erst viel später dazu entscheiden kann, eine Anzeige zu machen", so die Ministerin.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 31.01.2019 | 19:30 Uhr

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