Stand: 27.09.2020 12:34 Uhr

Jäger in SH bereiten sich auf die Schweinepest vor

Von Phillip Kamke

Geduldig wartet "Cebulon", als ihm sein Herrchen den orange-rosafarbenen Schutzanzug überstreift. Der soll den Hund vor Wildschweinangriffen schützen. Denn "Cebulon" soll künftig Schwarzwild aufspüren können, das mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert worden ist. Und das ist nicht ungefährlich, denn die Tiere sind in ihrer Situation unberechenbar und könnten jederzeit angreifen. "Gerade der vordere Bereich des Hundes muss geschützt werden, der ist am anfälligsten", sagt Bernd Karsten, der im Lehrrevier der Kreisjägerschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg unterwegs ist. "Cebulon", ein dreijähriger Griffon, ist seit kurzem erfolgreich ausgebildeter Kadaver-Suchhund für die Afrikanische Schweinepest, wie es offiziell heißt. Insgesamt 160 Stunden hat Bernd Karsten seinen Hund ausgebildet.

Erster Fall in Deutschland Anfang September

Beide wären also bereit für den ersten echten Einsatz, sollte die Afrikanische Schweinepest in ihrem Revier ausbrechen. Anfang September ist die Krankheit das erste Mal bei einem Wildschwein nachgewiesen worden - in Brandenburg. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich, für Schweine allerdings meist tödlich.

111.000 Hektar umfasst der Kreis Herzogtum Lauenburg. Bernd Karsten schätzt, dass sich in dem Gebiet zur Zeit 15.000 bis 20.000 Wildschweine bewegen. "Das sind zu viele", sagt der Jäger und ergänzt: "Durch den vermehrten Maisanbau in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schweine deutlich gestiegen. Hier bei uns finden die Tiere außerdem viele sumpfige Gebiete und haben damit beste Bedingungen."

Jäger: "300 Kilometer sind nicht viel"

Die steigende Population macht den Jägern schon länger zu schaffen. Die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest versetzt sie nun in Alarmbereitschaft. Denn sie sagen: Es ist nicht die Frage, ob die Schweinepest nach Schleswig-Holstein kommt - sondern wann. Schutzzäune wie etwa an der deutsch-dänischen Grenze würden hier nicht viel bringen, schätzt Bernd Karsten. "Es hat sich verzögert, dass die Schweine von Polen nach Brandenburg reingekommen sind durch Corona. Durch die Schließung der Grenze und Fahrverbote zum Beispiel", sagt Karsten. "Von Brandenburg bis hierher sind es nur 300 Kilometer und das ist nicht viel, das geht schnell", sagt Karsten.

Jäger Bernd Karsten steht auf einem Waldweg. © NDR
Bernd Karsten und die Jäger in SH bereiten sich auf die Afrikanische Schweinepest vor.
Mehr Wildschweine erlegen? Für die Jäger nicht einfach

Im vergangenen Jahr haben Bernd Karsten und seine Jäger-Kollegen im ganzen Kreis Herzogtum Lauenburg 5.000 Schwarzkittel erlegt. Zum Vergleich: in ganz Schleswig-Holstein waren es 20.000. In diesem Jahr sollen es deutlich mehr werden, fordert Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Doch für die Jäger ist das schwer umsetzbar, argumentiert der Landesjagdverband. "Viele Leute denken, dass wir Jäger sogar Geld für unsere Arbeit kriegen. Aber das ist alles ehrenamtlich. Und wenn man jetzt über den Einzelansitz spricht und man sagt, man sitzt für ein geschossenes Wildschwein 20 Stunden und multipliziert das mal 20.000. Dann sind wir bei 400.000 Stunden, die wir ehrenamtlich leisten. Ich weiß nicht, wie wir das noch schaffen sollen, aber alle sind natürlich bemüht, das irgendwie hinzukriegen", sagt Wulf-Heiner Kummetz vom Landesjagdverband.

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Im Herzogtum Lauenburg hat sich am Freitag erstmals eine Delegation zusammengefunden, um über die Problematik Afrikanische Schweinepest zu beraten. Darunter waren unter anderem der Landrat, der Bauernverband, der Amtsveterinär und die Kreisjägerschaft. "Jetzt warten wir auf die ersten Berichte der Kollegen, die in Brandenburg waren. Ihre Erfahrungen können uns natürlich auch hier weiterhelfen, wenn es bei uns der Ernstfall eintreten sollte", sagt Karsten.

"Cebulons" erster Einsatz vielleicht Mitte Oktober

Die vergangenen zehn Tage war eine Staffel mit vier Hundeführern aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg in Brandenburg im Einsatz, vier weitere aus dem Kreis Segeberg. In den kommenden Tagen wird die Lage neu bewertet. Sollte sie weiterhin so angespannt bleiben, wird Bernd Karsten Mitte Oktober wieder nach Brandenburg fahren, um dort zusammen mit seinem Hund nach Kadavern zu suchen. Dann könnte "Cebulon" das erste Mal im echten Einsatz zeigen, was er in der Ausbildung gelernt hat.

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