Stand: 26.08.2019 12:45 Uhr

Die Eschen sterben - Kieler Forscher suchen Alternativen

Innerhalb von zehn Jahren hat sich ein Pilz über ganz Europa ausgebreitet, der das Eschentriebsterben in den Wäldern auslöst: das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus). In Deutschland war Schleswig-Holstein als erstes von der Epidemie betroffen. Experten schätzen, dass das Land die meisten Schäden hat. Forscher der Uni Kiel befürchten sogar, dass der Pilz über kurz oder lang alle Eschen im Land befällt. Das ist ein Riesenproblem für die Umwelt, denn die Eschen werden als Ökosystem-Ingenieure bezeichnet. Ihr Laub ist normalerweise gehaltvoll mit Nährstoffen wie Calcium und Magnesium angereichert. Damit bieten sie Lebensraum für Arten aus der Roten Liste.

"Man kommt sich vor wie ein Totengräber"

Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU), Pilzexperten und Forstvertreter beginnen erstmalig in Schleswig-Holstein einen Feldversuch und untersuchen das Ausmaß des Eschensterbens. Die befallenen Bäume sind nicht mehr zu retten. "Wir laufen um jede Esche drei Mal rum und überlegen uns, ob wir sie nicht doch begnadigen können. Das Problem ist, dass sie sich schräg stellen, weil die Wurzeln weggammeln. Man kommt sich vor wie ein Totengräber", sagt Thomas Buck von der Forstbetriebsgemeinschaft Eckernförder Bucht.

Krankheit verbreitet sich über die Luft

Mit dem Taschenmesser prüfen die Experten an der Rinde, ob die Esche krank ist - indem in die Rinde hineingestochen wird. Fühlt sie sich fest an, dann ist der Baum gesund. Wie krank eine Esche ist, erkennen die Wissenschaftler, wenn sich das Messer ohne Widerstand einstechen lässt.

Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) im Burgwald, Hessen. © Wikipedia/Creative Commons Foto: Willow
Eschen sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht.

Die Krankheit kommt aus Asien und ist unaufhaltsam, denn sie verbreitet sich über die Luft. "Der Pilz wandert nach und nach durch die Blätter und mit der Zeit in den Stamm und die Äste hinein", erklärt Alexandra Erfmeier vom Institut für Ökosystemforschung in Kiel.

Ökologischer Kreislauf gestört

Überall dort, wo eine Esche abgestorben ist, ist der ökologische Kreislauf gestört. Es entstehen Lichtungen und Artenzahlen nehmen dramatisch ab. So fällt zum Beispiel der Lebensraum für Pilze aus der Roten Liste wie Milchling und Saftling weg.

Um das zu verhindern, richten die Wissenschaftler in ganz Schleswig-Holstein knapp 150 Versuchs- und Beobachtungssflächen ein. Dort wollen sie das Aufwachsen neuer Eschen optimieren. "Und wir testen, inwieweit andere Baumarten, die normalerweise mit der Esche zusammen vorkommen können, in der Lage sind, Funktionen, die die Esche im Ökosystem hat, zu übernehmen", sagt Erfmeier. Die Wissenschaftler untersuchen, ob Ahorn- und Ulmenarten oder die Hainbuche die Esche ersetzen können.

Ziel: Handlungsempfehlung für Forstbetriebe

Ihre Forschung hat bundesweite Bedeutung. Alexandra Erfmeier hofft, "dass wir hinterher eine Art Handbuch haben, mit dem wir Empfehlungen geben können, wie beispielsweise Forstbetriebe optimal das Eschesterben begleiten". Das Projekt der Christian-Albrechts-Universität Kiel wird durch das Bundesamt für Naturschutz und Umwelt sowie dem Umweltministerium Schleswig-Holstein gefördert. Bis Januar 2025 gibt es für den Feldversuch 2,4 Millionen Euro. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie bis dahin eine Strategie entwickelt haben, wie das ökologische Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.08.2019 | 19:30 Uhr

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