Im Zeichen des Kreises: Das Kreishaus von Dithmarschen

Stand: 06.02.2021 11:52 Uhr

Das Kreishaus von Dithmarschen in Heide unterscheidet sich von anderen Verwaltungsgebäuden durch seine ungewöhnliche Form. Zeit, genauer hinzuschauen.

Die Architektur der 1950er bis 70er Jahre ist nicht unbedingt für ihre Schönheit bekannt. Einige Menschen würden so manches Bauwerk aus dieser Zeit wohl am liebsten abreißen. Ein paar dieser Bauten sind aber besonders schützenswert, weil sie eine bestimmte Bedeutung haben - so auch das Kreishaus von Dithmarschen in Heide. Es ist nicht einfach nur ein Verwaltungsgebäude und weit mehr als nur das Zentrum des Kreises.

Zwei Kreise zu einem zusammengelegt

Jahrhundertelang existieren Süder- und Norderdithmarschen als separate Kreise nebeneinander. Ende der 1960er Jahre soll eine Kreisreform die Kräfte bündeln. Wirtschaft und Infrastruktur, Versorgung und Verwaltung - alles soll besser werden, wenn die beiden kleinen Kreise zum großen Kreis Dithmarschen fusionieren. Dafür braucht es ein aussagekräftiges Symbol. Das Kreishaus in der Kreisstadt soll dieses Symbol werden.

Eine Luftaufnahme vom neu gebauten Kreishaus in Heide. © NDR
Das Kreishaus von Dithmarschen aus der Vogelperspektive: zwei Kreise geteilt und wieder neu zusammengefügt.
Architekt überträgt Kreisschmelze auf sein Werk

Der finnische Architekt Into Pykkö bekommt den Zuschlag für das Projekt. Dass aus zwei Kreisen einer werden soll, nimmt er wörtlich. Der Architekt halbiert zwei Kreise und setzt die entstandenen vier Halbkreise so zusammen, dass sich ihre ursprünglichen Innenseiten nach außen wenden. Das Kreishaus des neuen Kreises öffnet sich in alle vier Himmelsrichtungen - ein Zeichen für Weltoffenheit. Damals wollte man zeigen, wie man Häuser bauen kann - weg vom traditionellen quatratischen Format, hin zu einem außergewöhnlichen Format, erläutert Landrat Stefan Mohrdieck: "Auch mal eine andere Form wagen und letztlich auch ein architektonisches Zeichen setzen, was damals Stil der Zeit war."

Monumentales Bauwerk für eine Kleinstadt wie Heide

Für eine Kleinstadt wie Heide nimmt das Kreishaus riesige Dimensionen an. Um den zentralen Versorgungsschacht werden kreisförmig acht Stockwerke errichtet. Bisher waren die Mitarbeiter der Verwaltung auf 14 verschiedene Gebäude in Heide und Meldorf verteilt, jetzt werden hier zentral 200 Büros für sie gebaut - in einem Verwaltungszentrum, das zugleich ein Sinnbild des dithmarscher Aufbruchs sein soll. Der Kreis bestimmt auch im Innenbereich die Form: Der Sitzungssaal des Kreistages ist als Kreis gestaltet, die Büroräume sind kreisförmig angeordnet.

Der Kreissitzungssaal im Kreishaus in Heide © Kreis Dithmarschen
Der Sitzungssaal des Kreistages: Der Kreis als Symbol ist allgegenwärtig.
Kreishaus ist inzwischen denkmalgeschützt

1974 wird das Kreishaus in Heide eröffnet. Es beherbergt Arbeitsplätze für die Mitarbeiter vom Sozialamt, über das Jugendamt, bis hin zum Ordnungsamt. Es ist ein 70er-Jahre-Symbol für Gemeinschaftsgefühl und Aufgeschlossenheit. Wegen seiner besonderen Architektur steht das Kreishaus mittlerweile unter Denkmalschutz.

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Schleswig-Holstein Magazin | 02.02.2021 | 19:30 Uhr

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