Stand: 24.12.2018 10:00 Uhr

GW932m: Der Wolf von der Westküste

von Daniel Kummetz, Jörn Schaar, Jörg Jacobsen

Im Sommer 2018 gab es auf der Halbinsel Eiderstedt fast täglich Meldungen von verletzten oder getöteten Schafen. In den meisten Fällen konnten Genetiker einen Wolf mit der Code-Nummer GW932m als Verursacher identifizieren. Der junge Rüde stammt nach Angaben dänischer Wissenschaftler aus einem Rudel in der Nähe von Ulfborg bei Ringkøbing und war 2017 einer von mindestens acht Welpen. Anfang Mai wurde die DNA des Tieres bei einem gerissenen Schaf im dänischen Rudbøl nachgewiesen, direkt an der Grenze zu Deutschland. Die Daten des Monitoring-Programmes des Landes zeigen, dass der Wolf Nummer 932 in den Wochen danach mehrere Hundert Kilometer in Schleswig-Holstein zurückgelegt hat.

Schwester des Wolfes stirbt auf der Autobahn

Seine DNA wurde am 6. Mai in Hamdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und am 11. Mai in Ellerhoop (Kreis Pinneberg) nachgewiesen. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages wurde wenige Kilometer entfernt ein Wolf auf der Autobahn 23 bei Tornesch (Kreis Pinneberg) überfahren. Gen-Analysen ergaben, dass es sich um ein Tier aus demselben Rudel mit der Nummer GW931f handelte.

Vom dicht besiedelten Hamburger Umland aus lief GW932m zur Halbinsel Eiderstedt (Kreis Nordfriesland). In Osterhever, Tetenbüll, Oldenswort, Uelvesbüll und Tönning starben wochenlang immer wieder Schafe. Ein Dutzend weitere Fälle konnten die Wissenschaftler im Senckenberg-Institut zwar der Art Wolf (Canis lupus) zuordnen, nicht aber einen bestimmten Individuum.

Schon der Vater-Wolf war auf Eiderstedt

In den Vorjahren hat es immer wieder Risse auf Eiderstedt gegeben. 2017 war der Wolf GW781m auf Eiderstedt, 2016 das Tier GW491m. Letzterer stammt aus Grünhaus in Brandenburg und ist der Vater von GW932m. Auf dem Weg nach Dänemark machte auch er den Schlenker über St. Peter-Ording - die westlichste Gemeinde auf dem schleswig-holsteinischen Festland. Nach Angaben dänischer Wissenschaftler stammt die Mutter des Ulfborger Rudels ebenfalls aus Brandenburg. Deren Vorfahren wiederum kommen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Kurzausflug an die Elbe

Aus den Daten des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) geht auch hervor, dass GW932m während seiner Zeit auf Eiderstedt mindestens einmal kurzzeitig den Ort gewechselt hat. Seine DNA fand sich auch in Kollmar (Kreis Steinburg). Die Gemeinde an der Elbe ist etwa 80 Kilometer Luftlinie von Eiderstedt entfernt. Dazwischen liegen Flüsse wie die Eider und die Stör und der Nord-Ostsee-Kanal. Der Wolf brauchte für den Weg hin und zurück jeweils nur wenige Tage. "Das Verhalten von GW932m ist durchaus typisch", sagt Sebastian Collet aus dem Fachgebiet Naturschutzgenetik bei Senckenberg. "Es kommt häufiger vor, dass wandernde Einzeltiere wieder zurück in bereits besuchte Gebiete ziehen." Die Genetiker konnten auch die Geschwister-Tiere GW924m und GW930f an der Westküste und in Südholstein nachweisen.

Wo ist GW932m nun?

GW932m hat nachweislich zuletzt Ende August in Koldenbüttel (Kreis Nordfriesland) ein Tier gerissen. Danach verliert sich die Spur. "Möglicherweise ist es so, dass es in Eiderstedt durch die Aberntung der Getreide- und Maisfelder keine Abdeckung mehr gegeben hat", sagt Artenschutzreferent Thomas Gall aus dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium in Kiel. "Es kann auch sein, dass die Gegend sich nicht geeignet hat, um Partner zu finden. Jungwölfe suchen nicht nur Lebensraum, sondern auch Partner, um eine Familie und ein Rudel zu gründen." Im September und im November gab es erneut Risse in Nordfriesland, auch auf Eiderstedt. Bislang konnten die Forscher aber nicht sagen, welcher Wolf das war.

Wolf GW932m unterwegs in Schleswig-Holstein

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.12.2018 | 19:30 Uhr

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