Stand: 13.07.2018 15:32 Uhr

Forschung extrem: Segler sammeln Wasserproben

Für viele ist es das härteste Segel-Rennen der Welt - das Volvo Ocean Race. Für die Sportler geht es einmal rund um den Globus. Für einige Kieler Wissenschaftler ist die Regatta aber noch mehr: die wohl spektakulärste Art, Wasserproben zu nehmen. In der jüngsten Ausgabe des Rennens hatten zwei Jachten Messinstrumente an Bord. So sammelten die Sportler Daten an Bord der "Turn the tide on plastic" und der "AkzoNobel" über die Wasserqualität und die Konzentration von Mikroplastik entlang der Route. Forscher vom Geomar-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dem Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" werten diese jetzt aus.

Viel Mikroplastik im Mittelmeer

Nach einem ersten Blick auf die gesammelten Daten konnte die Forscher neue Erkenntnisse gewinnen. Selbst an der am weitesten vom nächsten Land entfernten Stelle der Ozeane, dem sogenannten Point Nemo im Südpazifik, sei mittlerweile Mikroplastik im Meerwasser zu finden, schreiben die Forscher. "Allerdings muss man sagen, dass die Konzentration der Partikel regional sehr unterschiedlich ist", betont Sören Gutekunst vom Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft". Im Schnitt haben die Wissenschaftler gut 60 Plastikpartikel pro Kubikmeter Wasser gefunden. Das ist laut der Forscher ein hoher Wert. An einigen Stellen im Südchinesischem Meer und auch im Mittelmeer waren es sogar mehr als 300. Wenn alle Auswertungen vorliegen, wollen die Wissenschaftler ihre Daten mit den Strömungen abgleichen, um unter anderem per Simulation zu erfahren, woher genau die ganzen Plastikpartikel kommen.

Segeln gegen die Uhr und für die Meeresforschung

Proben von unerforschten Meeresregionen

Das Volvo Ocean Race führte in diesem Jahr von Alicante (Spanien) über Kapstadt (Südafrika), Melbourne (Australien) Hongkong (China), Itajai (Brasilien), Newport (USA), Cardiff (Großbritannien), Göteborg (Schweden) nach Den Haag (Niederlande). "Wir können jetzt unter anderem entlang der gesamten Regattastrecke die Verteilung von Mikroplastik im Ozean nachvollziehen, also auch in Regionen, in denen danach bisher nicht gesucht wurde", sagt Toste Tanhua vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Forscher begeistert über enthusiastische Sportler

Die Forscher sind begeistert von der Zusammenarbeit. "Überrascht hat mich der Enthusiasmus mit dem die Jacht-Mitglieder da ran gegangen sind", sagt etwa Christian Moldaenke - er wertet die Proben aus. "Man muss sich vorstellen, dass sie hohen Wellengang hatten. Es war kalt. Die hatten Schlafmangel und trotzdem sind sie in den Motorraum gegangen und haben die Filter gewechselt".

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Schleswig-Holstein Magazin | 13.07.2018 | 19:30 Uhr

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