Stand: 16.10.2019 18:14 Uhr

Fehmarnbelt: Gutachten löst neue Diskussion aus

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So soll der geplante Tunnel eines Tages aussehen. Ein geplantes Datum für die Fertigstellung gibt es nicht.

Die Schienen- und Straßenanbindung der geplanten Fehmarnbeltquerung zwischen Deutschland und Dänemark wird noch einmal teurer. Vor vier Jahren hatte der Bundesrechnungshof bereits mit Kosten von 2,2 Milliarden Euro gerechnet - ursprünglich sollten es 817 Millionen Euro sein. Nun geht der Bundesrechnungshof von 3,5 Milliarden Euro aus. Das wäre mehr als vier Mal so viel. Diese Prognose haben die Finanzprüfer jetzt einigen Bundestagsabgeordneten zugeschickt.

Auf Basis von Daten der Bahntochter DB Netz gehe man von rund 3,5 Milliarden Euro für die "wirtschaftliche Vorzugsvariante" aus, heißt es in einem Bericht des Bundesrechnungshofes vom 10. Oktober an den Haushaltsausschuss des Bundestags, dessen Rechnungsprüfungsausschuss sowie den Verkehrsausschuss.

Zunächst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland über die Kostensteigerung berichtet. "Angesichts der aktuellen Verkehrsprognosen ist es fraglich, ob der Nutzen des Projektes so steigt, dass die zu erwartenden Kosten unter wirtschaftlichen Aspekten gerechtfertigt sind", schreibt der Rechnungshof in seinem Bericht.

Bahn: Projekt kostet maximal 2,8 Milliarden Euro

Die Deutsche Bahn stellte fest, dass die im Bericht des Bundesrechnungshofs aufgestellten Kosten sich nicht mit dem Kenntnisstand des Unternehmens deckten. "Die Schienenanbindung zwischen Lübeck und Puttgarden liegt aktuell bei 1,7 Milliarden Euro Kosten. Die Gesamtwertprognose - zu der auch Risiken zählen, die derzeit nicht abzuschätzen sind - liegt derzeit bei 2,8 Milliarden Euro", hieß es in einer Stellungnahme der Bahn.

Auf dänischer Seite werden die Bauarbeiten für den Fehmarnbelttunnel vorbereitet. © NDR Foto: Thorsten Philipps

Neue Diskussion um Fehmarnbeltquerung

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Ein Gutachten des Bundesrechnungshofs hat erneut eine Diskussion über den geplanten Femarnbelttunnel ausgelöst. Demnach steigen die Kosten für die Anbindung auf deutscher Seite erheblich.

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Grüne sprechen von neuem "Stuttgart 21"

Dieser Bericht ist Wasser auf die Mühlen der Gegner des Fehmarnbelttunnels. Sie sagen schon lange, dass das Projekt unwirtschaftlich sei und mit den Dänen neu verhandelt werden müsse. Für die Grünen droht die feste Querung "zum neuen Stuttgart 21" zu werden. "Gut, dass der Bundesrechnungshof hier erneut den Finger in die Wunde legt", merkten die beiden Grünen-Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz und Sven-Christian Kindler an. "Verkehrsminister Scheuer darf vor den Problemen des Projektes nicht länger die Augen verschließen und so tun, als ginge ihn das alles nichts an. Die Bundesregierung muss die Warnungen des Bundesrechnungshofes endlich ernst nehmen und das Projekt grundsätzlich überdenken", heißt es in einer Stellungnahme der Politiker.

Ministerpräsident Günther spricht sich klar für Belttunel aus

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hält trotz der neuen Prognose des Bundesrechnungshofes an der geplanten Fehmarnbeltquerung fest. Das Projekt sei eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben im Norden, sagte er am Mittwoch. "Es bleibt dabei, dass wir die neuen Möglichkeiten nutzen wollen, die sich aus dem Projekt ergeben." Dies sehe auch Dänemark so. Auch Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hält an der Fehmarnbeltquerung fest. "Dieses Projekt ist klassischer Weise dazu geeignet, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene umzulenken. Also alles das, was wir in Klimaschutzfragen in den vergangenen Wochen und Monaten diskutieren, ist mit der Fehmarnbeltquerung eigentlich bestens realisiert - und ja, das kostet Geld", sagte Buchholz.

18 Kilometer breite Wasserstraße in der westlichen Ostsee

Der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik und Dänemark wurde im Jahr 2008 unterzeichnet und 2009 rechtskräftig. Der 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll die deutsche Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden. In einem Staatsvertrag wurde 2009 festgelegt, dass die dänische Seite die Kosten der Querung von 7,4 Milliarden Euro übernimmt. Deutschland trägt dafür die Kosten der Hinterland-Anbindung auf deutschem Gebiet.

einzelne Tunnelsegmente des Fehmarnbelt-Tunnels unter Wasser

Fehmarnbeltquerung: So soll der Tunnel entstehen

Schleswig-Holstein Magazin -

Ein 18 Kilometer langer Tunnel soll zukünftig Deutschland und Dänemark verbinden. Eine Video-Animation der Baufirma erklärt die geplanten Schritte für den Bau der Fehmarnbeltquerung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.10.2019 | 08:00 Uhr

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