Stand: 07.07.2015 14:06 Uhr

Ein versteckter Panzer geht um die Welt

Vergangene Woche stand er noch verborgen in der Villa eines Rentners in Heikendorf (Kreis Plön): Nun ist der Weltkriegspanzer vom Typ "Panther" fast weltweit eine Berühmtheit. Wer durch das Internet surft und nach dem Panzer sucht, findet unzählige Artikel aus verschiedenen Ländern. Zum Beispiel berichtet die "New York Times" über die Geschichte, aber auch "USA Today", "Le Parisien", "BBC News", "Télé Bruxelles" oder "New Zealand Herald".

"Le Parisien": Begeisterter Fan von Nazi-Gegenständen

"BBC News" berichtet zum Beispiel von der schwierigen Bergung und von den Schaulustigen. "USA Today" zitiert den Bürgermeister von Heikendorf, Alexander Orth: "Some people like steam trains, others like tanks ." ("Einige Leute mögen Dampflokomotiven, andere mögen Panzer.") "Le Parisien" spricht in seinem Bericht von einem Renter, der ein Sammler von Nazi-Objekten ist.

Zehntausende Einträge im Internet

Gibt der User "Panzer" und "Heikendorf" bei Google ein, erscheinen ungefähr 123.000 Einträge. Unzählige User riefen die Videos des Schleswig-Holstein Magazins über den Panzer in der NDR Mediathek auf. Die Nutzer diskutierten den Einsatz der Staatsanwaltschaft kontrovers. Die Heikendorfer können übrigens nur den Kopf schütteln über den Verlauf der Geschichte. Sie wussten schon seit Langem, dass der Mann allerlei Kriegsgerät in der Kellergarage bunkerte. Der 78-Jährige war schon bei der Schneekatastrophe Ende der 70er Jahre mit einem Kettenfahrzeug durch die Straßen gefahren.

Ermittlungen gegen Mann mit Panzer

Soldaten sichern ein Flakgeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg sauf einem Tieflader. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Auch dieses Flakgeschütz wurde von Soldaten in Heikendorf sichergestellt.

Die Bergung durch die Bundeswehr in der vergangenen Woche hatte für großes Aufsehen gesorgt. Stundenlang hatten die Pioniere versucht, das knapp 40 Tonnen schwere Kriegsgerät aus dem Haus zu bekommen. Zusätzlich wurde noch ein 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz sichergestellt. Der Rentner hatte außerdem viele weitere Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg gesammelt. Die Soldaten waren von Polizei und Staatsanwaltschaft angefordert worden. Die Kieler Behörde ermittelt gegen den Heikendorfer wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bürgermeister bekommt beleidigende Mails

Der Bürgermeister Alexander Orth im Interview © NDR
Heikendorfs Bürgermeister Alexander Orth ist überrascht vom weltweiten Interesse an dem "Panzer-Rentner".

Heikendorfs Bürgermeister Orth nimmt es mit Humor, dass seine Gemeinde nun auf diese Weise so bekannt wurde. "Früher sprach man über den Altheikendorfer Fähranleger, heute über den Panzer", lacht er. Ausländische Medien hätten zwar noch nicht bei ihm angerufen, aber zum Beispiel Redakteure der "Süddeutschen Zeitung". "Außerdem kriege ich beleidigende Mails unter dem Motto 'Was soll das Ganze'. Und die ganze Region spreche von dem Mann mit dem Panzer.

Orth: "Das sah aus wie ein nachgebauter Führerbunker"

Der Bürgermeister selbst ist zwiegespalten und weiß nicht recht, was er von der Sache halten soll. "Der Mann hat eindeutig einen verkehrten Spleen, aber ein Nazi ist er nicht", so seine private Einschätzung. Orth war selbst auf dem Anwesen des 78-Jährigen. Der Raum, in dem der "Panther" stand, sehe aus "wie ein nachgebauter Führerbunker. Irgendwo hört der Spaß auf", so Orth im Gespräch mit NDR.de. Wenn sich herausstellt, dass das Kriegsgerät nicht demilitarisiert wurde, muss der Rentner nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit einer Haftstrafe rechnen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 06.08.2015 | 19:30 Uhr

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