Stand: 08.03.2019 18:01 Uhr

Dithmarschen: Bombenbau mit Kochtopf und Nägeln?

Nach der Festnahme von drei Terror-Verdächtigen Ende Januar in Dithmarschen sind nun weitere Einzelheiten bekannt geworden. Nach Informationen des ARD Terrorismusexperten Holger Schmidt hatten die Iraker geplant, zunächst eine Bombe zu zünden und danach mit einer Pistole auf Überlebende zu schießen. Erkenntnisse der Ermittler deuten darauf hin, dass die beiden 23 Jahre alten Hauptverdächtigen einen ähnlichen Sprengsatz bauen wollten wie die Attentäter vom Boston-Marathon 2013. Damals wurden mit Nägeln gefüllte Schnellkochtöpfe als Bomben genutzt. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein erkundigten sich zwei junge Männer im Dezember in einem Geschäft in Meldorf nach einem solchen Kochtopf. "Das ist uns aufgefallen, weil es etwas besonderes ist", sagt der Inhaber des Ladens im Gespräch mit dem NDR. Ihm zufolge passe die Beschreibung der Bundesanwaltschaft auf die beiden Kunden.

200 Beamte überwachen Verdächtige

Die Mitarbeiter hätten sich damals nichts weiter dabei gedacht, sagt der Inhaber. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, bekam der Verfassungsschutz den Besuch von Shahin F. und dessen Cousin Hersh F. in dem Laden mit. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes hatten zeitweise bis zu 200 Beamte die Verdächtigen überwacht - auch deren Telekommunikation. Laut "Spiegel" hörten die Ermittler unter anderem mit, wie einer der Verdächtigen sagte, nur "mindestens 100 Tote" würden ihn zufriedenstellen.

Waffe war angeblich zu teuer

Die Bundesanwaltschaft hatte nach dem Einsatz im Januar mitgeteilt, dass sich die Beschuldigten aus dem Internet eine Bauanleitung besorgt und damit begonnen haben, einen Sprengsatz zu bauen. Die Auslieferung einer in Großbritannien bestellten Zündvorrichtung wurde laut Bundesanwaltschaft vereitelt. Erste Sprengversuche mit Schwarzpulver aus Böllern sollen die Männer Ende Dezember 2018 gemacht haben. Laut "Spiegel" nahmen die Männer einen Sprengversuch mit dem Mobiltelefon auf, seien von dem Ergebnis aber enttäuscht gewesen. Nach NDR Informationen soll einer der drei Iraker mit einem Mann aus Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) über den Kauf einer Waffe gesprochen haben, die dann für ein Attentat genutzt werden sollte. Die Waffe soll den beiden Hauptbeschuldigten aber zu teuer gewesen sein.

"Spiegel": Beschuldigte bestreiten Vorwürfe

Ein Großaufgebot der Polizei hatte Ende Januar in der Kleinstadt Meldorf und dem nahegelegenden Dorf Elpersbüttel mehrere Wohnungen durchsucht und insgesamt drei Personen festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. In den Vernehmungen hätten die beiden 23 Jahre alten Cousins nach Informationen des "Spiegel" bestritten, die Pläne ernst gemeint zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.03.2019 | 18:00 Uhr

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