Der Anfang vom Ende dauerblinkender Windkraftanlagen

Stand: 30.09.2020 20:46 Uhr

Mehr als 1.700 Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein müssen mit einem System ausgestattet werden, das Flugzeuge nur dann per rotem Blinklicht warnt, wenn sie sich tatsächlich nähern.

von Peter Bartelt

Dennis Cardell und Marvin Mittag lassen sich gern den Wind um die Nase wehen. Am liebsten in sehr luftiger Höhe. Denn die beiden Servicetechniker betreuen Windkraftanlagen für das Unternehmen "Deutsche Windtechnik" im nordfriesischen Ostenfeld. Jetzt kommen arbeitsreiche Zeiten auf sie zu. Denn sie müssen bis zum 1. Juli 2021 allein in Schleswig-Holstein mehr als 1.700 Windkraftanlagen mit einem neuen System nachrüsten. Im Fachjargon heißt es "bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung", kurz BNK. Es wurde von dem Unternehmen aus Nordfriesland entwickelt.

Bislang blinken die Windräder permanent

Das System soll dafür sorgen, dass die roten Blinklichter auf dem Maschinenhaus eines Windrades nur dann blinken, wenn sich tatsächlich ein Flugzeug oder Hubschrauber der Anlage nähert. Bislang blinken sie permanent. Laut Gesetz müssen alle Windkraftanlagen damit bis Mitte nächsten Jahres ausgerüstet werden. Das Dauerblinken der roten Lichter, das immer wieder für Kritik von Anwohnern sorgt, soll dann ein Ende haben.

In Wittbek werden schon Anlagen nachgerüstet

Die Zeit drängt also. "Da werden wir ordentlich was zu tun haben. Aber wenn das Wetter mitspielt, so wie heute, ist das kein Problem. Im Gegenteil: Da kann man während der Arbeit die Aussicht schon mal genießen", sagt Cardell und lässt den Blick in 96 Metern Höhe in die Ferne schweifen.

"Da hinten kann man die Silos von Husum sehen und dann kommt die Nordsee." Er lächelt. Dann konzentrieren sich sein Kollege Marvin Mittag und er wieder auf die Arbeit in Wittbek (Kreis Nordfriesland), wo die ersten Anlagen gerade nachgerüstet werden.

Transponder empfängt Signale von Flugzeugen

Vorsichtig und routiniert balancieren die beiden auf dem Dach des Maschinenhauses langsam zum höchsten Punkt, sichern sich mit schweren Eisenhaken, die sie in Stahlösen am Dach des Maschinenhauses einhängen. Die Arbeit ist anstrengend, unter den Schutzhelmen bilden sich Schweißperlen. Dann wird die kleine, weiße Antenne montiert. "Das ist der Transponder, der die Signale von den Flugzeugen empfängt und an den grauen Kasten im Maschinenhaus weiterleitet. Und von da werden dann die Blinklichter aktiviert, aber eben nur im Bedarfsfall", erklärt Marvin Mittag und klettert die Leiter zum höchsten Punkt der Anlage hoch. Der Transponder hat die Größe eines Schuhkartons.

Es weht nur ein ganz leichter Wind, trotzdem spürt man, wie der Turm leicht schwankt. "Bei ordentlich Sturm bewegt sich der Turm schon mal zwei Meter hin und her in der Spitze", sagt Mittag. "Da muss man sich am Anfang schon dran gewöhnen." Oberstes Gebot: Sicherheit geht vor, auch wenn in den kommenden Monaten der Zeitdruck steigen wird.

Rund 18.000 Windkraftanlagen bundesweit

Auf dem Tisch von Lars Behrends, Geschäftsführer der "Deutschen Windtechnik", stapeln sich bereits mehr als 1.000 Anträge von Windmüllern. In Schleswig-Holstein sind gut 1.700 Anlagen von dem neuen Gesetz betroffen, bundesweit etwa 18.000. Windräder, die keine 100 Meter hoch sind, müssen nicht nachgerüstet werden.

Eine Nachrüstung ist nicht ganz billig. Das System erlaubt es zwar, dass bis zu 60 Windmühlen zusammengeschaltet werden können, aber mit durchschnittlich 13.000 Euro pro Anlage muss man auf jeden Fall rechnen. "Am teuersten sind natürlich Einzelanlagen. Da kann eine Nachrüstung schon mal bis zu 60.000 Euro kosten. Aber die müssen ja alle nachrüsten, da kann sich keiner vor drücken", sagt Behrends.

Im scheppernden Fahrstuhl geht es nach unten

Dennis Cardell und Marvin Mittag sind inzwischen mit dem scheppernden Fahrstuhl wieder nach unten gefahren. Die Fahrt dauert etwa dreieinhalb Minuten. Unten legen sie dann die schwere Schutzkleidung mit den Rettungshaken ab. Das Handy von Cardell klingelt, ein neuer Auftrag, morgen um halb acht sollen er und sein Kollege wieder los.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.09.2020 | 19:30 Uhr

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