Stand: 30.04.2020 13:54 Uhr

Corona gefährdet Ausbildungsverträge

Samantha Saddo möchte Tourismuskauffrau werden. Sie macht ihr zweites Ausbildungsjahr im Reisebüro Nicole Breda in Kiel. Normalerweise würde sie jetzt praktische Erfahrungen mit Kunden sammeln. Doch wegen der Conona-Pandemie liegt die Reisebranche still. Die Reisewarnung wurde bis mindestens Mitte Juni verlängert. Die Auszubildende Samantha Saddo arbeitet nur noch in Teilzeit, bald muss sie in Kurzarbeit.

20 Prozent weniger Ausbildungsverträge

Nicht nur ihr geht es so. Die Tourismus- und Veranstaltungsunternehmen sind wirtschaftlich angeschlagen und stellen keine neuen Auszubildenden ein. Gleichzeitig sind junge Menschen verunsichert, bewerben sich gar nicht erst. Außerdem gibt es derzeit keine Ausbildungsmessen und Praktika mehr, über die in normalen Zeiten auch Nachwuchs in die Branche kommt. Laut der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) ging die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück. Insgesamt gebe es jetzt 2.830 Verträge, rund 740 weniger als vor einem Jahr. Besonders betroffen seien der Einzelhandel, Hotels, Gaststätten und Veranstaltungsunternehmen.

IHK: Etwas gegen Fachkräftemangel tun

Thore Hansen von der IHK fordert die Politik auf, gerade jetzt "etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun. Diese Krise werden wir irgendwann gemeinsam durchgestanden haben und dann brauchen wir diese jungen Fachkräfte. Deshalb müssen wir sie jetzt, in der Krise, weiterhin ausbilden", sagt er.

Über 30.000 Euro Einnahmen verloren

Samantha Saddo fürchtet derweil, dass sie ihre Ausbildung unter Umständen gar nicht beenden kann. Denn ihre Chefin Nicole Breda hat seit Beginn der Coronakrise über 30.000 Euro an Einnahmen verloren. Jeden Tag kommen mehr Verluste dazu. "Es ist eine große Ungewissheit da. Wir können eigentlich nur hoffen, dass da eine vernünftige Lösung gefunden wird", sagt Saddo.

Die IHK, das Wirtschaftsministerium und der Bund sind in Gesprächen, ob es für die Betriebe einen sogenannten finanziellen Ausbildungsbonus geben kann. Samantha Saddo wird die Verhandlungen mit Bangen verfolgen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 30.04.2020 | 19:30 Uhr

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