Stand: 18.07.2020 15:56 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Corona: Fahrradversteigerung in Kiel mal anders

Kiel, am frühen Sonnabend, kurz nach 7 Uhr. Die Straße vor dem Ordnungsamt ist gesperrt. In der Mitte: 112 Fahrräder, in einer langen Reihe aufgebaut. Eigentlich würden Katja Burkhart und ihr Team vom Fundbüro die Fahrräder in ihrer Halle versteigern. Dort standen sie vor Corona - und mit ihnen dicht gedrängt 200 bis 300 Bieterinnen und Bieter. Die Hygieneregeln und das Abstandsgebot von anderthalb Meter einhalten: unmöglich. Zwei Auktionen haben sie in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie schon ausfallen lassen. Die Lager seien trotzdem voll, sagt Burkhard, Fundräder gebe es auch in Zeiten der Pandemie. "Wir müssen die Auktion jetzt machen," sagt sie, "wir haben 400 Fahrräder im Lager, viel mehr geht da nicht rein." Alle gelagerten Fahrräder können sie nicht auf einmal versteigern - das würde zu lange dauern.

Fundbüro Kiel versteigert 112 Fahrräder

NDR 1 Welle Nord - Schleswig-Holstein Magazin -

Vom Schrottfahrrad bis zum Elektrobike ist für jeden etwas dabei. Fast alle Fahrräder finden einen neuen Besitzer. Das teuerste Rad an diesem Tag: ein E-Bike für 800 Euro.

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Draußen sichten, drinnen bieten

Gegen 7.30 Uhr sind die ersten Interessierten da, begutachten Damenräder, Herrenräder, Mountainbikes, Fahrräder mit und ohne Kette, mit schiefen Speichen. Die meisten sind aber fahrbereit. Ein paar E-Bikes stehen auch in der Reihe, teilweise mit Akku und Schlüssel. "Wir werden jedes Fahrrad los", meint Burkhart. Vor dem Eingang zum Innenhof des Fundbüros hat sich jetzt schon eine lange Schlange gebildet. Alle tragen Maske, sollen sich hier mit Namen und Anschrift für die Auktion registrieren, denn die Versteigerung soll dann in der Halle stattfinden.

Spontane Umentscheidung

Jedes Rad hat eine Nummer, die aufgerufen werden soll. 100 Bieter in die Halle, höchstens - das ist die Idee. Wer keine Bieterkarte bekommt, kann später nachrücken. Während sie die Stühle aufstellen und die Abstände messen, merken Burkhart und ihre Kollegen aber: Da gehen höchstens 74 rein. Und draußen auf der Straße sind jetzt schon weit mehr als 100 Fahrradinteressierte. "Spontane Umentscheidung: Wir machen die Auktion draußen auf der Straße", beschließt Burkhart, "dann kann jeder mitbieten und jeder bekommt ein Fahrrad ab."

Gesucht: Einfache Bauart, möglichst nicht so schön

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Einer, der auch ein Fahrrad abbekommen möchte, ist der Kieler Werner Reinberger. Er sucht ein Herrenfahrrad mit Sieben-Gang-Nabenschaltung und hat sich sechs der angebotenen Räder notiert. "Einfache Bauart, nicht so schön, damit es mir nicht wieder geklaut wird", formuliert er seine Ansprüche. Reinbergers Favoriten sind aber erst später dran.

Auf unattraktive Fahrräder haben es einige der Besucher abgesehen: In Kiel ist diese Eigenschaft fast gleichbedeutend mit "diebstahlsicher". Um 9 Uhr fängt die Auktion trotz Umräumaktion pünktlich an. Die Straße vor dem Kieler Fundbüro ist jetzt gut gefüllt. Der Startpreis für die ersten Fahrräder: Zwei Euro. Obwohl es nicht die schönsten Räder sind, gehen die Preise teilweise schnell über 100 Euro.

Kiel als Vorbild für andere Städte im Norden

Während die ersten Fahrräder unter den Hammer kommen, unterhält sich Katja Burkhart mit Kollegen vom Fundbüro Hamburg. Sie sind gekommen, um zu sehen, wie ihre Kieler Kollegen die Auktion zu Corona-Zeiten managen. Das Hamburger Fundbüro hat auch die Lager voll, doch wegen der Corona-Bestimmungen in der Hansestadt können noch keine Fahrradauktionen mit Besuchern in ihrer Auktionshalle stattfinden. "Ich glaube, das läuft hier ganz gut", findet Richard Semmel vom Fundbüro Hamburg. "Die Idee ist natürlich schöner, das draußen zu machen. Da können mehr Leute kommen und es gibt mehr Wettbewerb." Ob sie das Kieler Konzept aber auch in der Hansestadt umsetzen können, müssen die Hamburger erst genau prüfen. Das Besucheraufkommen schätzen die Veranstalter in Kiel auf mehr als 200 Bieter.

Teuerstes Rad: E-Bike für 800 Euro

Manch einem Besucher ist das zu viel, doch mit der Open-Air-Lösung ertragbar. "Gefühlt ein bisschen zu eng, ist ja aber an der frischen Luft", meint eine Bieterin. Sportstudent Lennart Basenau findet die Hygieneregeln normal: "Ist man ja mittlerweile gewöhnt", sagt er. Zum Ende der Auktion sind nur noch wenige Bieter da - aber fast alle Räder sind unter den Hammer gekommen. Auch Werner Reinberger hat ein Fahrrad gefunden: Mit Sieben-Gang-Nabenschaltung, gut erhalten - genau das, was er gesucht hat. Das teuerste Fahrrad der Versteigerung: ein Elektro-Bike für 800 Euro. Insgesamt hat die erste Fahrradauktion unter Corona-Bedingungen der Stadtkasse 5.807 Euro eingebracht. Burkhart und das Team des Fundbüros sind mit dem Ablauf zufrieden. Sie können sich vorstellen, dass sie die nächste Versteigerung auch wieder draußen veranstalten - wenn das Wetter mitspielt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.07.2020 | 19:30 Uhr

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