Stand: 19.03.2017 10:25 Uhr  | Archiv

Brokdorf: Leistungsstärkstes AKW in Deutschland

Bild vergrößern
Brokdorf: Der offizielle Start 1986 erfolgte nach heftigen Protesten. Bis 2021 darf das AKW noch Strom produzieren.

Das Kraftwerk Brokdorf liegt etwa zehn Kilometer nordwestlich von Glückstadt an der Elbe in Schleswig-Holstein. Es nahm am 22. Dezember 1986 den kommerziellen Leistungsbetrieb auf - als weltweit erstes Atomkraftwerk, das nach dem schweren Reaktorunglück in Tschernobyl in der Ukraine neu ans Netz ging. Schon während der Bauphase Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre hatte es heftige Proteste gegen das Kraftwerk gegeben. Die Aktionen waren Ausdruck der gerade entstandenen Anti-AKW-Bewegung in Deutschland. Doch auch seitdem feststeht, dass das Kraftwerk in einigen Jahren abgeschaltet werden soll, gibt es noch Demonstrationen gegen die Anlage.

Weitere Informationen

1981: Großdemo gegen AKW Brokdorf

Zur bis dahin größten Anti-Atom-Demonstration kommen am 28. Februar 1981 etwa 100.000 Menschen an die Unterelbe - trotz eines kurzfristigen Verbots und massiver Polizeipräsenz. mehr

Betreiber der Anlage ist die PreussenElektra GmbH, eine 100-prozentige Tochter von E.ON. Diese hält 80 Prozent der Gesellschafteranteile, die Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH 20 Prozent. Das Kraftwerk erzeugt mit einem Druckwasserreaktor Strom. Die Nettoleistung beträgt nach Betreiberangaben 1.410 Megawatt - damit handelt es sich um den leistungsstärksten Reaktor in Deutschland. Im Reaktorkern sind 193 Brennelemente. Zur Kühlung des Kondensators dient das Wasser der Elbe. Laut PreussenElektra werden dazu 60 bis 70 Kubikmeter pro Sekunde für das Kraftwerk genutzt. Das entspreche etwa 0,5 Prozent des Wassers, das am Standort des Meilers vorbeifließt.

Atommüll im eigenen Zwischenlager

Im Jahr 2003 erhielten die Betreiber zudem die Genehmigung zur Errichtung eines Zwischenlagers für den in Brokdorf anfallenden strahlenden Atommüll. Die ausgedienten Brennelemente werden in Castor-Behältern verstaut und sollen höchstens 40 Jahre vor Ort gelagert werden. Die erste Einlagerung fand im März 2007 statt.

Nachdem der Bundestag im Frühjahr 2011 den kompletten Atomausstieg beschlossen hat, ist das Ende für Brokdorf in Sicht: Das Atomkraftwerk darf noch höchstens bis zum Jahr 2021 Strom produzieren.

Weitere Informationen

Wie steht es um die Atomkraftwerke im Norden?

Seit 2011 ist klar: Alle deutschen Atomkraftwerke gehen vom Netz. Im Norden sind noch nicht alle abgeschaltet. Welche AKW laufen noch, welche werden schon abgebaut? Ein Überblick. mehr

Der Streit über die Atomkraft

Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 15.12.2016 | 08:38 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:01
Schleswig-Holstein Magazin
02:20
Schleswig-Holstein Magazin

Betrug: Falsche Polizisten vor Gericht

Schleswig-Holstein Magazin
02:32
Schleswig-Holstein Magazin

Aalebesatz in der Flensburger Förde

Schleswig-Holstein Magazin