Stand: 18.07.2019 15:39 Uhr

Bauernverband setzt auf Veränderungen im Ackerbau

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Der Bauernverband appelliert an die Landwirte, nach der so genannten "guten fachlichen Praxis" die Fruchtfolge zu beachten und Dünger umsichtig auszubringen.

Leitlinien für den nachhaltigen Ackerbau: Das ist die Antwort des Bauernverbandes auf Kritik aus Politik und Gesellschaft an überdüngten Böden, Monokulturen und Artenverlust. Mit ihnen erinnert der Verband die mehr als 12.000 Betriebsleiter, Landwirtschaft nach dem Vorbild der so genannten "guten fachlichen Praxis" zu betreiben. Die Fruchtfolge soll beachtet und Dünger umsichtig ausgebracht werden.

Offenbar trägt der Agrardialog aus den Vorjahren jetzt Früchte in Form von neuen Richtlinien. Sie bieten Praxistipps und benennen Förderlücken. Der Landesbauernverband hat die Landwirte in Schleswig-Holstein aufgerufen, notwendige Veränderungen nicht zu verweigern. Als Beispiele nannte Verbandspräsident Werner Schwarz am Donnerstag in Kiel den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, sowie die Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Landwirtschaft soll sich anpassen

Der Bauernverband hatte vor gut zwei Jahren ein Positionspapier vorgelegt, mit dem er sich vor dem Hintergrund von Umweltbelastungen und verändertem Verbraucherverhalten zu Veränderungen in der Produktion bekannte. "Landwirtschaft hat sich immer angepasst", sagte Schwarz. "Wir erwarten, dass unsere Berufskollegen das in ihre Ackerbaustrategie mit einbauen", sagte Schwarz zu den Positionsbestimmungen des Verbandes. Jüngere Landwirte setzten Veränderungen oft sehr aufgeschlossen um. Ältere verhielten sich da weit kritischer - nach dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht".

Verbrauch von Mineraldünger senken

Beim Schwerpunktthema Einsatz von Dünger dringt der Bauernverband darauf, mit Gülle, Mist und Jauche die Bodenfruchtbarkeit zu stärken und zugleich den Verbrauch von Mineraldünger zu senken. Lagerbehälter für Gülle sind punktuell nötig, wo der Nährstoff im Übermaß anfällt. Aber auch an bislang nicht genutzten Standorten. Perspektivisch soll aber weniger Gülle gezielter in die Böden eingebracht werden. Was regional übrig bleibt, muss landesweit verschoben werden. Die Rede ist von einem Fünftel bis zu einem Drittel der Gesamtmenge anfallender Tierexkremente im Norden. Zu diesem Zweck gibt es die Güllebörse. Der Bauernverband gibt den Landwirten auch konkrete Empfehlungen, wie sie mit Restriktionen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umgehen können.

Kritisch-distanziert gegenüber Glyphosat-Aus

Kritisch-distanziert zeigt sich der Verband zum Aus des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das für 2022 erwartet wird. Derzeit werde schätzungsweise ein Drittel der Flächen im Land mit Glyphosat behandelt, im Ackerbau nutze fast jeder Landwirt das Mittel. Es steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Wenn Glyphosat nicht mehr eingesetzt werden darf, müsse Unkraut stärker mechanisch bekämpft werden, sagte Schwarz.

Zur Erhaltung der Artenvielfalt nutzen nach Darstellung des Bauernverbandes viele Landwirte nicht nur Förderprogramme, sondern setzen auch freiwillig Maßnahmen um. Beispiele seien das Anlegen von Blühstreifen sowie die Pflege von Knicks und Gewässern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.07.2019 | 12:00 Uhr

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