Stand: 14.08.2018 16:19 Uhr

Barsbüttel: Tausende Fahrräder für Schnäppchenjäger

Sie waren erst ein Problem, jetzt sind sie zum Verkaufsschlager geworden: 10.000 Fahrräder der Firma Obike in Barsbüttel im Kreis Stormarn. Seit mehr als elf Monaten standen die Fahrräder des Leihrad-Anbieters Obike in der Lagerhalle von Harald Ploß. Die Firma hatte bis vor Kurzem ihren Sitz in Singapur, dort inzwischen Insolvenz angemeldet. Am Montag wurden die Räder zum Verkauf angeboten - und der Andrang war groß. Rund 100 Fahrräder die Stunde fanden in der Lagerhalle einen neuen Besitzer. Bereits am Nachmittag waren 400 Stück verkauft.

Mietschulden mittlerweile beglichen

Für den Lagerhallen-Besitzer Harald Ploß ist der Verkauf eine Erleichterung: "Es ist eine ganz andere Situation als noch vor kurzer Zeit. Der jetzige Besitzer der Fahrräder hat die gesamten Mietschulden übernommen und ich gehe davon aus, dass die Halle bis Ende des Monats geräumt ist." Die Firma Obike plante, mit ihren Leihrädern in Deutschland den Markt zu erobern. Das gelang offenbar nicht. Für das Unterstellen der Räder bei Ploß zahlte das Unternehmen erst verspätet Miete, dann gar nicht mehr. Für Ploß war niemand mehr erreichbar. Er blieb zunächst auf den Rädern sitzen.

200 Räder für den guten Zweck

Schließlich fand sich ein neuer Besitzer: Die Firma Umzug24 übernahm - wie auch schon in der Schweiz - die Geschäfte der Firma Obike. 6.000 der 10.000 Räder verkaufte Umzug24 an die Berwari Handels GmbH - ein Groß-und Außenhandelsunternehmen in Hamburg, das sich auf Restposten spezialisiert hat. Sie wollen die Räder größtenteils exportieren - vor allem in den Irak. 200 Räder durfte Ploß selbst behalten. Diese will er gemeinnützigen Organisationen zukommen lassen - unter anderem einer Einrichtung für Immigration in Leipzig, die nicht besonders gut an die dortige Infrastruktur angeschlossen ist.

Ein Paradies für Schnäppchenjäger

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In einer Lagerhalle in Barsbüttel stehen Tausende Fahrräder.

Die restlichen 3.800 Räder gingen diese Woche unter der Leitung von Osman Tazik in den Verkauf. Er ist Geschäftspartner der Firma Umzug24 und verkauft ein Fahrrad für 69 Euro. Die meisten Kunden gaben 70 Euro, weil es einfacher zu rechnen ist. An diesem Tag waren es vor allem Privatpersonen, die ein Schnäppchen machen wollten - zum Teil gleich zwei oder mehr Räder mitnahmen. Für den Preis müssen die Kunden allerdings in Kauf nehmen, dass die Räder keine Gangschaltung besitzen, nur Freilauf - also keine Rücktrittbremse - haben, aus einem Stahlrahmen bestehen und mit Vollgummireifen ausgestattet sind.

Tazik fühlt sich auch für die Obike-Räder in Berlin und München zuständig. Auch Frankreich und Holland liegen in seinem Zuständigkeitsbereich. Das Obike-Problem in der Schweiz sei bereits gelöst, sagte er NDR Schleswig-Holstein. Noch bis Ende der Woche läuft der Verkauf täglich bis 18 Uhr in Barsbüttel. Dann sollen auch hier alle Räder einen neuen Besitzer gefunden haben - und Herr Ploß hat dann seine Lagerhalle wieder.

Weitere Informationen

Barsbüttel: 10.000 gelagerte Leihräder kommen weg

Nach Problemen mit dem Leihrad-Anbieter Obike sollen die 10.000 in einer Lagerhalle in Barsbüttel stehenden Räder jetzt wegkommen. Der Besitzer der Halle musste sie fast ein Jahr verwahren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.08.2018 | 16:10 Uhr

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