Stand: 13.09.2018 05:00 Uhr

Bäckern in Schleswig-Holstein fehlen Lehrlinge

von Julian Marxen

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Der Bäckermeister Jan Peter Thaysen hat sich etwas überlegt: Bei ihm können sich Lehrlinge mit einem Smartphone-Foto bewerben.

Es riecht nach frisch Gebackenem. Hinter der Glasscheibe in der Auslage liegen Croissants, Käsestangen, Laugenbrötchen, Kopenhagener. Die Tische in "Thaysen´s Schloßbäckerei" in Eutin sind restlos besetzt. Meist Einheimische schwören auf das Frühstück hier, treffen sich zum Klönschnack. Auf einer Tafel an der Wand steht mit weißer Kreide geschrieben "Die Zeiten ändern sich, gutes Handwerk bleibt…". Und fast möchte man hinzufügen "noch". Denn die Bäckereien in Deutschland haben ein großes Nachwuchsproblem. Auch in Schleswig-Holstein ist die Lage ernst. Laut Handwerkskammer hat jeder fünfte Bäckereibetrieb im Land in den vergangenen sieben Jahren dicht gemacht. Während 2012 noch 189 junge Menschen eine Bäckerlehre machten, ist es heute rund ein Drittel weniger.

Anwerben über soziale Netzwerke

Auch Bäckermeister Jan Peter Thaysen weiß, wie schwierig es ist, Nachwuchs zu finden: "Früher trudelten jederzeit Bewerbungen ein, ohne dass man eine Anzeige geschaltet hat. Heute muss ich die jungen Leute aktiv ansprechen, damit ich überhaupt motivierte Schulabsolventen finde", erzählt Thaysen. Die klassische Zeitungsannonce funktioniere dabei schon lange nicht mehr. "Wir rufen inzwischen im Internet über soziale Netzwerke auf, sich zu bewerben, zum Beispiel über Facebook." "Thaysen´s Backstube" hat insgesamt sieben Filialen in Neukirchen, Malente, Eutin und Lütjenburg. Vier Auszubildende lernen in dem Betrieb, jeweils zwei in der Backstube sowie im Verkauf.

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"Thaysens´s Backstube" geht neue Wege: Man kann sich per SMS oder WhatsApp bewerben.
Bewerbung per Smartphone-Foto

"Wir können bei den Lehrlingen punkten, weil wir ein sehr junges Team sind. Da passt die Arbeitsatmosphäre und der Zusammenhalt in der Truppe", so Thaysen. Trotzdem könnte er mehr Azubis gebrauchen. Doch der Markt gibt das momentan nicht her. Auf einem Flyer, der in dem Bäckerladen ausliegt, lächelt eine junge Frau. Darüber die Aufforderung: "Sende uns Dein schönstes Lächeln einfach per WhatsApp oder SMS. Wir suchen Dich für unser Verkaufsteam!" Ein kreativer Weg, der zu funktionieren scheint. "Darauf haben sich jetzt schon Viele bei uns gemeldet", freut sich Thaysen. Die Bewerbung mit dem eigenen Handy-Foto sei einfacher, koste nicht so viel Zeit wie eine förmliche Bewerbung. Trotzdem: Vor allem Bäckerlehrlinge zu finden, sei nach wie vor extrem schwierig, so Thaysen

Arbeitszeiten und Gehalt wirken abschreckend

"Ich verstehe die jungen Leute. Immer früh aufstehen, wenig Gehalt. Dass da kaum jemand Lust hat, ist klar", meint ein Kunde, der in der Bäckerei gerade vor seinem Frühstücksteller sitzt. "Aber es wäre natürlich jammerschade", findet der Eutiner, "wenn das Bäckerhandwerk wegen des Nachwuchsproblems langsam ausstirbt und wir bald alle nur noch Fertigbrötchen im Supermarkt kaufen müssten." Jan Peter Thaysen möchte deshalb schon den Jüngsten zeigen, wie toll es ist, selbst zu backen. So veranstaltet er zum Beispiel kostenfreie Backkurse für Kinder. Sie sollen auf den Geschmack gebracht werden. "Da fängt Nachwuchsarbeit an", meint der 40-jährige Bäckermeister. Als Thaysen früher selbst Azubi war, sei er als Lehrling der Erste und der Letzte in der Backstube gewesen, und durfte längst nicht alles machen.

Bäckermeister: "Wir bleiben tapfer"

"Ich will meinen Lehrlingen heute mehr Verantwortung übertragen. Wir entwickeln zusammen Brote, wie zuletzt ein Brot mit getrockneten Blüten. Das gemeinsame Erfolgserlebnis macht stolz. Außerdem sieht jeder, was er gemacht hat und bekommt durch die Kunden ja auch sofort die Rückmeldung, dass es gut war." Doch wird das "gute Handwerk" bleiben, so wie es an der Tafel hinter der Verkaufstheke steht? "Es wird eng", gibt Jan Peter Thaysen zu. "Aber wir bleiben tapfer und versuchen, unsere Azubis bei uns im Betrieb zu halten, damit wir auch in Zukunft leckere, handgemachte Brötchen backen können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 13.09.2018 | 05:40 Uhr

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