Autonomes Fahren: Die Vermessung von SH

Stand: 25.06.2021 09:09 Uhr

Autonomes Fahren für die breite Masse ist aktuell noch eine Zukunftsvision. Damit es irgendwann Realität wird, sind aktuell in ganz Deutschland Vermessungstrupps unterwegs - auch in Schleswig-Holstein.

Unter einer Art Gullideckel irgendwo in Meldorf (Kreis Dithmarschen) befindet sich ein sogenannter geodätischer Grundnetzpunkt. Messtrupps des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation wollen ihn mit Hightech-Equipment neu vermessen - auf den Millimeter genau seine Position bestimmen. Dazu wird auf den Punkt eine Satellitenantenne aufgebaut. Die Messung ist Teil einer bundesweiten Aktion. Insgesamt gibt es in Deutschland 250 solcher Grundnetzpunkte.

35 Messtrupps arbeiten parallel

Stefan Strunck vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation erklärt: "Jetzt sind 34 weitere Messtrupps dabei, genau das zu machen, was wir hier machen. Jeder muss sehen, dass gleich die Antenne pünktlich gestartet wird. Denn nur wenn die Signale zeitgleich vorhanden sind, kann man sie hinterher auch exakt auswerten." Die Antenne muss 24 Stunden absolut unbewegt stehen. So kann ihre Position über dem Grundnetzpunkt genau bestimmt werden.

Auch Trecker könnten selbst fahren

Punkte wie der in Meldorf können dann helfen, ein Korrektursignal zu erstellen. Das geht aber nur, wenn die Position millimetergenau bekannt ist. Dann wird autonomes Fahren möglich und sogar selbstfahrende Trecker können ihren Weg auf den Feldern zentimetergenau finden. Das ist so relevant, weil etwa GPS-Daten für die Navigation technisch bedingt zu ungenau sind. "Wenn das Fahrzeug ohne Korrektursignal um 30 Zentimeter oder einen Meter versetzt fahren würde, wäre das sehr ungünstig", sagt Stefan Strunck.

Daten werden verglichen

Der präzise Aufbau der Satellitenantenne dauert fast zwei Stunden. Pünktlich um 12 Uhr startet die Messung. Alle Grundmesspunkte in Deutschland wurden bereits vor 13 Jahren schon einmal vermessen. Stefan Strunck ist neugierig, ob und wie die Daten dieses Mal ausfallen: "Wir sind ganz gespannt, wie gut diese Punkte sind, was sich verändert hat über die Jahre und wie sich das dann auswirkt auf benachbarte Punkte." Mit dem Vergleich der Daten können die Experten zum Beispiel ein mögliches Absacken von Landesteilen feststellen.

Die Daten aller 250 Grundnetzpunkte werden ab Mitte Juli in Hochleistungscomputern ausgewertet. Ein Schritt hin zum autonomen Fahren für die breite Masse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 25.06.2021 | 19:30 Uhr

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