Stand: 30.08.2020 12:27 Uhr

Ausstellung "Ostwind" zeigt Kunst aus Politik

Der deutsch-syrische Künstler Manaf Halbouni bezeichnet sich selbst als "Ossi", aber auch als "Nah-Ossi". Seine Mutter stammt aus Dresden, sein Vater aus Damaskus. In seiner aktuellen Ausstellung "Ostwind" geht es um Politik. Es ist Kunst aus Politik, die er installiert. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 8. November im St. Annen-Museum in Lübeck.

Der deutsch-syrische Künstler Manaf Halbouni steht in seiner Ausstellung in Lübeck und gibt ein Interview. © NDR
Manaf Halbouni ist in Damaskus geboren - als Sohn einer Deutschen und eines Syrers. Er studierte Bildhauerei in Damaskus und Dresden.

Vor drei Jahren stellte Manaf Halbouni drei Busse senkrecht vor die Dresdner Frauenkirche - als Mahnmal für die Opfer des Syrienkrieges, wo sich Zivilisten hinter solchen Bussen verschanzen. Halbouni erregte damit den Zorn der selbst ernannten Verteidiger des Abendlandes. "Es geht immer ganz besonders darum, wie wir miteinander umgehen und dass wir uns gegenseitig wieder mehr zuhören müssen. Teilweise habe ich das Gefühl, dass wir vergessen haben, einander zuzuhören und auch andere Meinungen zu akzeptieren", erklärt er seine Motivation.

Vergleich mit Pegida

Womöglich gerade jetzt, wo viele Menschen Fragen an die Corona-Politik stellen und demonstrieren - noch ohne eindeutige politische Linie. Halbouni vergleicht mit Pegida: "Vom Gefühl her gibt es da schon Ähnlichkeiten. Da ist etwas passiert, was die Menschen nicht verstanden haben und sie haben nach mehr Aufklärung gefragt. Und dann wurde es nach und nach von den falschen Leuten unterwandert." Außerdem habe man dem Problem überhaupt nicht zugehört, meint er.

"Arbeit mit Ironie bewirkt Denkprozesse"

Für seine Installation verwendet Halbouni den Ton "Wir sind das Volk" der Pegida-Version von 2015. In Kombination mit rot-blinkenden Absperrpollern klingt das nach: Wer nicht zum Volk gehört, soll auch nicht rein. "Wir sind es sehr gewohnt, das Künstler mit dem Hammer auf dem Kopf starke politische Argumente in Form von Kunst vorbringen. Aber Manaf Halbounis Arbeit mit Ironie bewirkt eigentlich viel mehr Denkprozesse, weil das ein neuer künstlerischer Umgang ist mit den Problemen in unserer Gesellschaft", sagt Kuratorin Antje-Brit Mählmann.

Es gibt kein Richtig oder Falsch

Die neue Installation "Fragmente" zeigt Kirchenfenster zwischen Schutt und Beton. Verschiedene Lesarten sind möglich: Das christliche Abendland als Ruine? Oder die christliche Nächstenliebe als Hoffnungsschimmer hinter Kriegszerstörungen? Oder als Rettung, aber verschlossen für die, die fliehen müssen? Manaf Halbouni erklärt: "Ich setze gerne Objekte irgendwo hin. Vielleicht können einige nichts damit anfangen, andere wiederum doch. Aber es berührt Menschen - und jeder bastelt sich eine Geschichte dazu zusammen. Es gibt keine richtige Geschichte - nur eine Geschichte, die mir gefällt." Bei der Sicht auf Manaf Halbounis Werke gibt es kein Richtig oder Falsch. Aber über die verschiedenen Ansichten kann miteinander diskutiert werden.

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Schleswig-Holstein Magazin | 30.08.2020 | 19:30 Uhr

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